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Realistische Bilder mit der Airbrush-Pistole

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Der in Hessigheim lebende Airbrush-Künstler Bernd Fellmann stellt Bilder her, die sehr realitätsnah sind. Das überdimensionale Auge stellt sein Ich da und ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten.  Foto: 

Als Airbrush-Künstler steht Bernd Fellmann auf die feine Linie. Der Hessigheimer Künstler mit Wurzeln in den neuen Bundesländern sucht und findet seinen Ausgleich zu beruflichen Leben als Konstruktionsleiter bei der Firma Rieger-Behälterbau Bietigheim-Bissingen in der Airbrush-Kunst. Er absolvierte sogar eine Ausbildung als Airbrush-Künstler in der wohl einzigen Schule, die es dafür in Deutschland gibt.

„Das ist doch ein Foto“, hört Bernd Fellmann aus Hessigheim immer wieder. Nein, es ist ein Airbrush-Kunstwerk, das aussieht wie ein Foto und ganz, ganz nah an die Wirklichkeit herankommt. Mit zirca 15 Zentimeter lange Pistolen mit einem Hebel, der für den Druck aus den Düsen zuständig ist, entsteht  eine unglaublich realistische Wiedergabe der Wirklichkeit. Bernd Fellmann hat nicht nur einen Riesenspaß an seinem besonderen und kostspieligen Hobby. Er hat auch ein besonderes Talent.

Das überdimensionale Auge, das sein eigenes Ich darstellt, wirkt wie ihm aus dem Gesicht geschnitten. Die metallische Oberfläche seines Videorekorders reizte Fellmann dazu, sich mit Metall als Untergrund auseinanderzusetzen. „Dort lässt sich die Farbe viel schwieriger kontrollieren als auf Papier, das aufsaugt“, macht er deutlich. Besonders am Herzen liegt dem Künstler eine Arbeit, die den Ost-West-Konflikt in der Zeit der Wende thematisiert: Ein marodes abgewohntes Stadthaus mit Pflanzenbewuchs auf dem Dach verblast gegen den Lichtkegel, der auf eine Kirche gerichtet ist. Ganz fahl an der Wand des Wohnhauses klebt noch eine rote Fahne als Erinnerung an den Sozialismus.

Der 57-Jährige ist schon immer ein Individualist, der sich zu behaupten weiß. Er reiste im September 1989 über Ungarn in den Westen aus, als dort gerade die Grenzen offen waren. Damals war er 29 Jahre alt, malte Bilder in Öl und Acryl und bemalte Häuserfassaden. Ein Schlüsselerlebnis, das schließlich mit zu seiner Ausreise geführt hatte, war die „indirekte Aufforderung, in die Partei einzutreten, wenn ich Kunst in Berlin studieren wollte“, erzählt er offen. Das sah Fellmann nicht ein und kam von einer Urlaubsreise nach Ungarn einfach nicht mehr zurück. Sein Ingenieursstudium hatte er zuvor in Köthen absolviert - gute Voraussetzungen für einen Neustart im Westen. Sein Hobby zum Beruf zu machen kam für den begeisterten Künstler nie in Betracht. „Dafür bin ich zu sehr auf meine Sicherheit bedacht“, betont er.

Doch privat, da tobte sich Bernd Fellmann sogar an Häuserfassaden aus, zum Beispiel vor einigen Jahren bei der Tanzschule Harry Hagen in Bietigheim. „Ich habe mich immer schon für Airbrush interessiert und mir 2010 in einem Supermarkt eine komplette Airbrushanlage gekauft, die natürlich nicht funktioniert hat“, lacht Fellmann heute. Längst hat er seinen Fuß in der Tür bei den Kunstvereinen in der Region und kann seine Visionen deshalb ausleben, weil er sich per Internet eine gute Anlage zusammengestellt hat.

Hochmotiviert begann er seine dreijährige Ausbildung beim IBKK in Bochum, dem Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie, der wohl einzigen Institution, wo man Airbrush mit Diplom machen kann. 2012 bis 2016 verbrachte er ein Wochenende im Monat dort und widmete sich ansonsten Hausaufgaben und Semesterabschluss-Arbeiten. „Doch ich muss feststellen, das meiste kommt aus mir selbst“, gibt er offen zu. „Ich sehe keinen Unterschied zwischen Arbeiten, die ich im ersten oder im sechsten Semester gemacht habe.“ Doch er darf heute ausbilden und nimmt diese Aufgabe an der VHS in Ludwigsburg und im Unterland.

Salvador Dali und mit ihm die Surrealisten haben es Bernd Fellmann als Fantasiemotive angetan. Und doch sagt er von sich: „Ich mache keine Kunst. Ich bin Handwerker.“

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