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Nach schwerer Geburt gut entwickelt

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Ein Sinnbild für die Energiewende auf lokaler Ebene: Eines der ersten Projekte der Lokalen Agenda in Besigheim war die Restaurierung der Ernst’schen Mühle an der Enz, die im September 2004 mit der Produktion von Strom begonnen hat. Es folgten Solaranlagen und Blockheizkraftwerke.  Foto: 

Ein Stadtleitbildbeauftragter, Dieter Schedy, der sich seit Jahren um eine Image-Aufwertung von Besigheim bemüht, eine Quartiersmanagerin, Bettina Ongerth, die in den kommenden fünf Jahren zentrale Aufgaben der Versorgung alter Menschen und der Koordination von Vereinen und Organisationen übernimmt, eine Energiebilanz der Stadt, die sich von Jahr zu Jahr bessert – das alles ist zwar nicht immer das direkte Ergebnisse des Agendaprozesses in Besigheim. Doch in allen diesen Angelegenheiten haben die Agenda-Akteure in Besigheim in den vergangenen Jahren ein gewichtiges Wort mitgesprochen. Viele der Aufgaben, die Ende des vergangenen Jahrtausends in einem öffentlichen Prozess besprochen wurden, sind erledigt, stellte Bürgermeister Steffen Bühler im Gespräch mit der BZ fest, „viele andere sind zu einer dauerhaften kommunalen Aufgabe geworden.“

 Wer allerdings glaubt, dies sei ein kontinuierlicher Prozess gewesen, der täuscht sich. Reibungspunkte zwischen Lokale Agenda, Verwaltung und Gemeinderat gab es genug. Unter den Stadträten gab es lange Vorbehalte gegen einen „Neben-Gemeinderat“ und dessen Ideen und Forderungen.  Lob gab es immer dann, wenn die Agenda-Gruppen einmal jährlich ihre Arbeit im Gemeinderat vorstellte. Doch forderte beispielsweise Kurt Rausch, einer der damaligen Sprecher, die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle auf dem Rathaus, eine dauerhafte finanzielle Unterstützung und die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt, des Gemeinderats und der Agenda  – so geschehen 2010 zum zehnjährigen Bestehen – dann konterte Achim Schober von der CDU, dass die Agenda-Gruppen immer stärker in Konkurrenz zu den politischen Parteien träten. Oder Adolf Eisenmann beschied die Sprecher, dass der Gemeinderat im Rahmen des Haushalts entscheiden müsse, sprich, das vorgegebene Programm abarbeite.

 „Es hat Bewusstseinbildung gebraucht“, räumt deshalb Steffen Bühler im Rückblick ein. „Wir haben aneinander wachsen müssen.“ Beispiel Energiewende. Besigheim ist heute beinahe ein Vorreiter mit dem Energieeinsparcontracting, der vertraglich vereinbarten permanenten Suche nach Einsparmöglichkeiten mit Hilfe eines Dienstleisters, und der Verwendung von Blockheizkraftwerken und Solardächern. Heinrich Blasenbrei-Wurtz, der Sprecher der Agenda-Gruppe Mobilität, Energie, Klima, erinnert sich allerdings noch genau, wie mühsam es zu Anfang war, den Gemeinderat auf Energiesparkurs zu bringen. So brauchte es mehrere Anläufe, bis Faulgas von der Kläranlage nicht länger abgefackelt, sondern für ein Blockheizkraftwerk verwendet wurde.

Dass der Gemeinderat sich nicht „vorführen“ lassen wollte, wie rückständig er sich in Energiefragen verhielt, war sicher ein Grund für die Abwehr, erinnerte sich Bühler, ein anderer möglicherweise auch das Auftreten der Akteure. Schließlich habe sich aber auf Seiten von Verwaltung und Gemeinderat die Einsicht durchgesetzt, „dass der Agenda-Arbeitskreis ernsthaft gearbeitet hat“, wie sich Bühler ausdrückte. Heute ist die Zufriedenheit in der Regel jedesmal groß, wenn die Berater der Firma ISUF die Ergebnisse des Energiemanagements im Gemeinderat vorstellen.

Und die Entwicklung geht weiter. Aktuell ist der Arbeitskreis auf der Suche nach weiteren Dächern, auf denen Solaranlagen errichtet werden können. Dass sich mit der Energiewende ganz konkret Geld verdienen lässt, bewies die Agenda-Gruppe gleich mit einem ihrer ersten Projekte, der Restaurierung der alten Ernst’schen Mühle am Enzufer aus dem Jahr 1698, die im Besitz von Friseurmeister Hansjörg Kollar ist. Im September 2004 begann das marode Wasserrad wieder Strom zu produzieren.

In der Schulsozialarbeit hat der  Arbeitskreis Soziales, Bildung, Kultur und Freizeit, der von Martin Haußmann geleitet wurde, seine Spuren hinterlassen. Es ist heute längst Alltag, dass Sozialarbeiter an den Schulen der Stadt, auch an den weiterführenden, die Schüler bei häuslichen, schulischen oder familiären Problemen unterstützen. Die Kernzeitbetreuung oder die Betreuung von Kindern in den Ferien – damals Vorschläge der Lokalen-Agenda – gehörten um die Jahrtausendwende durchaus nicht zum Selbstverständnis einer Kommune. Heute ist sie in Besigheim und vielen anderen Kommunen ein zentrales Instrument, um Eltern zu entlasten und insbesondere Frauen zu ermöglichen, ihrem Beruf nachzugehen.

 Engagement hat auch der Arbeitskreis Umwelt und Wirtschaft bewiesen mit seinen treibenden Kräften Wolfgang Theiss und dem kürzlich verstorbenen Heinrich Ritterhoff, der sich vor allem in Sachen Radwegbeschilderung und sicherer Schulweg in die Diskussion einbrachte. Fahrpläne für Busse wurden umgeschrieben und optimiert, der Stadtlinienverkehr aufgebaut, die Ausbildungsmesse BANE auf den Weg gebracht.

Unter dem Strich, meint Bürgermeister Steffen Bühler, war es jedenfalls ein Glücksfall, dass die Lokale Agenda in Besigheim vorangetrieben wurde. Am Ende des langen Prozesses mache sich jetzt  eventuell eine gewisse Ermüdung breit. Umso wichtiger sei es, dass der Agenda-Prozess mit dem Quartiersmanagement in professionelle Hände übergegangen sei.

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Besigheim

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Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

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