Partner der

Kunst: Werkzeugkasten fürs Leben

Der Leiter der Kunstschule Labyrinth in Ludwigsburg, Jochen Raithel, wünschte sich für das Gespräch am Beckenrand, dass es im Freibad Besigheim stattfindet. Dort wohnt der Marbacher seit fünf Jahren.

|
Jochen Ratihel ist gerne im Mineralfreibad in Besigheim, seinem Wohnort. Er arbeitet in Ludwigsburg als Leiter der Kunstschule Labyrinth.  Foto: 

Jochen Raithel kommt nach seiner Arbeit in Ludwigsburg als Leiter der Kunstschule Labyrinth mit dem Fahrrad ins Mineralfreibad Besigheim. Selbst im Winter, so erzählt er, fährt er von seinem Wohnort im Besigheimer Schimmelfeld mit dem Rad zum Bahnhof.

Raithel hatte für das Gespräch am Beckenrand das Mineralfreibad in Besigheim vorgeschlagen - er ist Dauerkartenbesitzer als Vater dreier Kinder im Alter von drei, acht und neun Jahren. "Allerdings komme ich gar nicht so oft dazu, mit den Kindern ins Freibad zu gehen, obwohl das für sie derzeit ihr Lebensmittelpunkt ist", sagt Raithel, der es auch schade findet, dass er "von diesem schönen Ort" so wenig hat. "Ich verlasse ihn morgens früh und komme spät wieder zurück." Aber er macht fast jeden Abend eine Radtour, beispielsweise nach Ottmarsheim. "Ich liebe es, draußen zu sein, im Sommer hört der Tag einfach nicht auf", sagt er. Und an den Wochenenden fährt er mit der Familie nach Walheim, um dort am Neckarstrand "zu spielen, zu entspannen, im Fluss zu baden und Boot zu fahren". "Ich finde, das fehlt in Besigheim, so ein Stadtstrand", sagt er. Politisch etwas bewegen in seinem Wohnort, dazu fehlt ihm aber die Zeit, denn mit dem Gemeinderat verhandeln, das muss er schon in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Kornwestheim. Denn die Kunstschule Labyrinth ist eine Gemeinschaftsinstitution, die von den drei Gemeinden gemeinsam getragen wird und ihren Sitz in der Karlskaserne mit Außenstellen in den Städten hat.

Raithel ist seit vier Jahren Leiter der Kunstschule Labyrinth und Herr über das Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg. Vorher war er jahrelang im Kulturamt der Stadt. Eigentlich sollte er nach seinem Kulturmanagement-Studium nur für das Schlossjubiläum 2004 bleiben und vor allem Jugendevents organisieren. Die Ärzte holte er ins Jahnstadion, er organisierte Lesungen und Theater. Dann blieb er, holte Die "Toten Hosen", organisierte ein Literaturfest, setzte sich für "Kunst im Raum" ein. "Ich war schon immer dicht dran an der Kunst", sagt Raithel. Die größere Nähe zur Kunst und zu Kindern und Jugendlichen war es, die ihn anspornte, Leiter der Kunstschule zu werden. "Im Prinzip ermögliche ich kompetenten Leuten eine gute Arbeit", meint er. Für ihn sind Kunst und Kreativität wichtige Merkmale für Fortschritt, für die Entwicklung von Kindern. "Impulse setzen, dass Heranwachsende ihr Leben selbst gestalten können", das sei es, was er wolle. In der Kunst, so Raithel, lerne man viele Grundfähigkeiten fürs Leben: Sich an ein Material anzupassen, Geduld zu haben, sich Kenntnisse verschaffen, gestalterische Kompromisse eingehen, mit Scheitern und Frustrationen umgehen. "Durch die Kunst kann man sich einen Werkzeugkasten fürs Leben und für seine Rolle in der Gesellschaft aneignen."

Wichtig ist ihm aber auch, dass Kinder in der Kunstschule "ohne Ergebnisorientierung arbeiten können", ohne dass sie Noten bekommen oder Schelte. Und er möchte, dass möglichst viele Kinder die Angebote der Kunstschule in Anspruch nehmen können, deswegen sorgt er dafür, dass die Preise moderat bleiben und sozial benachteiligte Kinder eine 50-prozentige Ermäßigung des Kurspreises von 32 Euro im Monat erhalten. Hip-Hop-Kurse, in denen sich vor allem Migrantenkinder tummeln, kosten sogar nur 22 Euro. Außerdem sorgen, so sagt er, Schulkooperationen und Beteiligungen in Ganztagsschulen dafür, dass Kinder Kunst machen können, die sonst eine Hemmschwelle hätten. "Kunst ist so toll, jedes Kind sollte sich darin ausprobieren können", sagt Raithel.

Info Weitere Gespräche "Am Beckenrand" gibt's im Internet.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Am Beckenrand

Sommerferien – Gelegenheit das Freibad zu besuchen. Was liegt da näher, als am Beckenrand mit bekannten und weniger bekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Was haben die Gesprächspartner für ein Verhältnis zu den Menschen und der Stadt, in der sie leben? Was bewegt sie in Beruf und Freizeit? Wie erleben sie ihre Heimat? Diese und andere Fragen klären BZ-Redakteure in den nächsten Wochen bei Gesprächen am Beckenrand.

mehr zum Thema

Wappen
Ludwigsburg

Besigheim

Einwohner: 12018 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74354
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 202 m ü. NHN
Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

12,5 Jahre Haft: „Unglaubliche Dimension der Schrecklichkeit“

Der 40-jährige Spanier, der im Februar in Vaihingen seine beiden Kinder getötet haben soll, muss für 12,5 Jahre in Haft. Er soll zudem in eine geschlossene Psychiatrie. weiter lesen