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Kaum noch Spuren von Ziegelei

Im hinteren Teil der Mühlgasse befand sich einst eine Ziegelei. Davon kündet indes heute nichts mehr. 1878 wurde die Produktion in das Gebiet Spindelberg verlegt. Am Eingang ist die Gasse vom früheren Mühlengebäude geprägt.

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In der Mühlgasse 15, wo heute dieses restaurierte Fachwerkhaus steht, befand sich früher der Brennofen der Ziegelei.  Foto: 

In ihrem "Denkmalpflegerischen Werteplan" von 2007 haben die Experten von der Landesdenkmalbehörde auch Gebäude erfasst, die sich in der Mühlgasse befinden - darunter auch die frühere Ziegelhütte, von der heute allerdings kaum noch Spuren vorhanden sind, und die Stadtmühle.

Beide Einrichtungen lebten vom Flusswasser der Enz. Auf die ehemalige Ziegelei ging Joachim Pansin im Jahr 1998 in den Besigheimer Geschichtsblättern ein. Darin stellt er zunächst fest, dass in Besigheim spätestens seit 1422 Ziegeleiprodukte hergestellt wurden und beruft sich dabei auf Friedrich Breining und dessen Buch "Alt-Besigheim".

Demnach hat es möglicherweise auch in Besigheim schon im 14. Jahrhundert eine Bauverordnung gegeben, die dem Bauherrn empfahl, das Dach seines Hauses nicht mit Stroh, sondern mit einem feuerfesten Material zu decken - also mit Ziegeln. Breining erwähnt einen Bericht von 1780, nach dem es damals "in Stadt und Amt nur Ziegeldächer, keine mit Stroh gedeckten Dächer mehr" gab.

Da sich die Gefahr von Bränden durch die Herstellung von Brandmauern oder die "Ausfachung" von Fachwerkbauten reduzieren ließ, vermutet Pansin, dass es in Besigheim auch vor der Zeit um 1422 schon eine Ziegelhütte gab. Dafür spricht im Übrigen auch die erwähnte Verordnung.

Ob die frühere Ziegelhütte im hinteren Teil der Mühlgasse die erste im Ort gewesen ist und seit wann sie existiert hat, weiß auch Pansin nicht genau zu sagen. Auch der "Werteplan" gibt darüber keine Auskunft. Jedenfalls befand sich die ehemalige Ziegelhütte in der Mühlgasse 12 bis 15. Das Gebäude Mühlgasse 14 steht heute nicht mehr. Die noch vorhandene Doppelscheune aus dem Jahr 1802 mit dem ehemaligen Ziegeltrockenraum in der Mühlgasse 12 gehörte aber laut dem Besigheimer Häuserbuch zum Komplex der Ziegelei. In der Mühlgasse 15 stand das Herzstück der Ziegelei: der Brennofen.

Die beiden Scheunen in der Mühlgasse 12 wurden verkauft, als Friedrich Ziegler 1878 seine neu erbaute Ziegelhütte im Spindelberg in Betrieb nahm. Am Südende der Mühlgasse wurden Pansin zufolge somit noch bis 1877 Ziegel produziert.

Heute ist von der früheren Ziegelhütte in der Mühlgasse nichts mehr zu sehen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass im Mittelalter alle feuergefährlichen Anlagen an oder vor der Stadtmauer errichtet wurden, erscheint aber der Standort nicht zufällig gewählt. An der Enz gab es das nötige Wasser für die Ziegelherstellung. Zudem konnte das Holz für den Brennofen über den Fluss herangeflößt werden. Im Spindelberg dauerte es dann mit dem Wasser erstmal ein paar Jahre. Die dortige Ziegelei musste auf den Ausbau der örtlichen Wasserversorgung warten.

Vor der Stadtmauer war - zumindest bis zur Stadterweiterung im 15. Jahrhundert - auch die noch vorhandene ehemalige Bürgermühle an der Enz in der Mühlgasse 4 platziert. Die Obere Enzmühle gab es laut schriftlichen Quellen bereits seit 1153.

Im Jahr 1524 ging die Mühle in den städtischen Besitz über. 1639 wurde sie verpfändet, damit die Besigheimer ihre damaligen Kriegslasten zahlen konnten. Im Jahr 1773 kaufte der Besigheimer Ratsherr und Müller Georg Conrad Fackler das Mühlengebäude. Der Sohn des neuen Besitzers modernisierte dann 1803 den vorderen Teil der Mühle. 1905 wurde daraus eine Kunstmühle mit Walzen und Turbinen.

Besondere Bedeutung hatte die frühere Bürgermühle für die örtlichen Gerber, die sich in der Mühlgasse und in der Vorstadt an der Enz niederließen. Erwähnenswert ist schließlich auch noch die Geschichte des verputzten Fachwerkhauses in der Mühlgasse 10. Dieses Haus wurde um 1690 anstelle des vorher bestehenden Almosenhauses errichtet und war bis 1751 ein öffentliches Armenhaus. Bezeichnenderweise lag es außerhalb der Kernstadt. Dem "Werteplan" zufolge musste der Käufer des Gebäudes die untere Stube noch bis zum Jahr 1839 für Arme und Bettler zur Verfügung stellen.

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Denkmal damals - heute

Besigheim verfügt über eine große Anzahl historischer Gebäude, viele von ihnen im Fachwerkstil. Sie alle sind in einem Werteplan dokumentiert. Die Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung erläutert ihre Geschichte und die heutige Nutzung in einer Serie.

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