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Interview: Weinbaupräsident Hermann Hohl über den Terrassen-Weinbau

Terrassierte Steillagen sind ein Aushängeschild für die Region. Das sagt Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbandes Württemberg. Im Interview spricht er über Ihre Bedeutung und die Probleme der Bewirtschaftung.

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  • Touristen und Erholungssuchende schätzen die Steillagen. Doch Arbeit in den Weinbergen ist mühsam, die Unterhaltung der Trockenmauern teuer. 1/2
    Touristen und Erholungssuchende schätzen die Steillagen. Doch Arbeit in den Weinbergen ist mühsam, die Unterhaltung der Trockenmauern teuer. Foto: 
  • Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, plädiert dafür, dass der Aufwand für die Bewirtschaftung von Steillagen finanziell gefördert wird. Sie prägen das Landschaftsbild der Region. 2/2
    Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbandes Württemberg, plädiert dafür, dass der Aufwand für die Bewirtschaftung von Steillagen finanziell gefördert wird. Sie prägen das Landschaftsbild der Region. Foto: 
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Herr Hohl, warum sind terrassierte Steillagen so wichtig für die Region?

HERMANN HOHL: Sie sind deshalb wichtig, weil sie landschaftsprägend sind. Sie sind ein Aushängeschild für die Regionen, in denen sie eine lange Tradition haben. Für den Tourismus liegt der Wert darin, dass sich die Menschen gerne in den Steillagen aufhalten und sie diese Kulturlandschaft gerne besuchen. Wenn diese Steillagen heute nicht mehr vorhanden wären, wäre dies ein Kahlschlag für den Tourismus in der Region.

Wie kann man die Steillagen retten?

HOHL: Die Steillagen müssen wirtschaftlich für die Betriebe sein. Und die Wirtschaftlichkeit ist abhängig von der Zeit, die man aufwendet, um Trauben zu produzieren. Das Zweite ist: Man kann diesen Wein nicht teurer am Markt verkaufen als Weine, die in leichter bewirtschafteten Lagen heranwachsen. Es gibt im Regal keinen Preisunterschied. Wenn der Verbraucher bereit wäre, an der Kasse einen oder 1,50 Euro mehr für diese Weine zu bezahlen, dann wäre das Problem gelöst, und die Steillagen wären nicht bedroht. Das ist aber nicht der Fall. Deshalb haben wir versucht, auf Brüsseler Ebene und auf Landesebene Steillagenprogramme auf den Weg zu bringen.

Sie fordern 5000 Euro Bewirtschaftungsbeihilfe pro Hektar. Wie ist der Stand der politischen Umsetzung?

HOHL: Mit dieser Forderung sind wir noch nicht sehr viel weitergekommen, weil das Land, insbesondere Landwirtschaftsminister Bonde, abwartet, wie es mit den anderen Förderprogrammen, zum Beispiel MEKA, weitergeht. Bonde kennt die finanzielle Ausstattung dieser Programme noch nicht und kann deshalb auch nicht sagen, inwieweit das Land bereit ist, noch etwas draufzulegen. Wir fordern nach wie vor die 5000 Euro. Das ist in etwa die Differenz des Arbeitseinsatzes zwischen der Bewirtschaftung einer Flachlage gegenüber einer terrassierten Steillage. Dadurch hat ein Wengerter noch nicht mehr, sondern es ist nur ein Ausgleich für den Arbeitsaufwand.

Um wie vieles höher ist denn der Aufwand, den man in Steillagen betreiben muss?

HOHL: In Normallagen muss ein Wengerter zwischen 400 bis 600 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr aufwenden, in der Steillage sind es 1200 bis 1500 Stunden. Hier schlägt die Instandhaltung der Mauer besonders zu Buche. Es fehlt aber auch die Möglichkeit, die heute verfügbare Technik einzusetzen. Vieles muss in Steillagen in Handarbeit erledigt werden. Auch der Pflanzenschutz ist sehr aufwendig.

In welchem Umfang hat die Bewirtschaftung von Steillagen in den letzten Jahren nachgelassen?

HOHL: Anlass ist oft der Generationenwechsel. Häufig hat der Vater den Wengert im Nebenerwerb betrieben. Möglicherweise jedoch lebt die nächste Generation nicht mehr im Ort. Oder sie ist beruflich so eingespannt, dass keine Zeit mehr für den Nebenerwerb bleibt. Der jungen Generation in Haupterwerbsbetrieben kann man die Arbeit in Steillagen nicht mehr zumuten. Diese Betriebe haben heute eine Größe, dass die Betreiber schon mit den Normallagen genug zu tun haben. Die terrassierten Steillagen sind ihnen nur ein Klotz am Bein. Wer heute im Haupterwerb steht, muss mit jeder Stunde, mit jedem Kostenblock rechnen.

In welchen Regionen sind bisher Steillagen in signifikantem Ausmaß aufgegeben worden?

HOHL: Dort, wo Genossenschaften wie die Felsengartenkellerei Besigheim ihre Steillagen querfinanzieren, ist die Problematik noch überschaubar. Wo dies nicht der Fall ist, werden Steillagen sukzessive aufgelassen. Das ist aktuell im Einzugsbereich von Stuttgart der Fall. An der Tatsache, dass dort ein Runder Tisch für den Erhalt der Steillagen eingerichtet wurde, kann man erkennen, welche Brisanz das Thema hat.

Welche Bedeutung haben die Steillagen am Mittleren Neckar für den Weinbau in Württemberg?

HOHL: Mit diesen Weinbergen kann man für die Region werben. Auch der Weinbauverband selbst wirbt mit den terrassierten Steillagen. Überhaupt findet der Weinbau in Württemberg überwiegend in steilen und steilsten Lagen statt. Das ist eine Aussage dem Verbraucher gegenüber, dass der Württemberger Wein etwas teurer sein muss, weil der Arbeitszeitbedarf hier höher ist als in anderen Anbaugebieten.

Was unterscheidet Wein aus Steillagen im Geschmack von Wein aus anderen Lagen?

HOHL: Geschmacklich lässt sich das nicht definieren. Das kommt immer auf die Ausbauphilosophie des Betriebes und des Kellermeisters an. In den Steillagen erzeugen wir aber die qualitativ besten Trauben. Das liegt an der längeren Sonneneinstrahlung und der Abwärme der Trockenmauern. Beides sorgt für ein optimales Kleinklima, das den Reben zugute kommt.

Sie haben regelrecht Alarm geschlagen wegen der drohenden Aufhebung des Anbaustopps von Reben in Europa. Ist diese Gefahr jetzt abgewendet?

HOHL: Die generelle Freigabe des Anbaus neuer Rebflächen - das ist abgewendet. Wir haben aber ein Autorisierungssystem bekommen und warten jeden Tag auf die Ausformulierung der Verordnung. In Deutschland bekommen wir jedes Jahr als zusätzliches Pflanzkontingent voraussichtlich 0,5 Prozent der bestockten Rebfläche. Das sind in Württemberg jährlich etwa 50 Hektar zusätzlich. Wenn dieses Kontingent noch nicht ausgereizt ist, werden Anträge auf zusätzliche Rebfläche, wenn sie den Vergabekriterien entsprechen, künftig automatisch genehmigt. Unter dem Strich gehen wir davon aus, dass wir jährlich zwischen 20 und 30 Hektar an Rebfläche in Württemberg wachsen können.

Welche Anstrengungen kann man noch unternehmen, um die Steillagen touristisch zu vermarkten?

HOHL: Meiner Ansicht nach müssen die Bevölkerung und die Touristen noch öfter in die Weinberge geführt werden. In dieser Hinsicht geschieht noch zu wenig. Wer einmal in einer terrassierten Steillage gestanden hat, erkennt erst, wie viel Arbeit und Aufwand hier betrieben wird. Dafür müssen wir Akzeptanz schaffen. Die Kommunen sollten auch noch stärker herausstellen, was es für sie bedeuten würde, wenn diese Lagen von ihrer Markung verschwinden würden. Gleiches gilt für die Gastronomie und die Hotellerie. Sie könnten mit ihren Gästen Touren unternehmen oder auch vor Ort einmal kochen, um deutlich zu machen, welchen Wert die terrassierten Steillagen für sie haben.

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Steillagen in der Region

Steillagen prägen das Landschaftsbild in weiten Teilen der Region. Die spektakuläre Landschaft und der Wein ziehen Wanderer, Erholungssuchende und Toursiten an. Doch die Bewirtschaftung ist mühsam und der Unterhalt der Trockenmauern teuer. In unserer Serie stellen wir die Steillagen ebenso vor wie den Wein, der dort wächst und jene, die in den Weinbergen arbeiten.

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