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Im Wurmberg steckt die Schlange drin

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Die Felsengärten dürften der bekannteste Flurname auf Hessigheimer Markung sein: als Namensgeber der Besigheimer Genossenschaftskellerei, die ein Stück unterhalb ihre Erzeugnisse verarbeitet, als Klettergegend hoch über dem Neckar, aber auch als schwieriges Gelände, das das vor wenigen Jahren mit Millionenaufwand gegen weitere Erosion geschützt werden musste.

 Angesichts der steilen Felsen, die sich ein Stück hangabwärts gegen den Neckar neigen, erklärt sich der Flurname von selbst. Doch was ist mit den anderen Flurnamen im Ort, die sich häufig nur durch mündliche Überlieferungen deuten lassen oder deren Bedeutung im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte in Vergessenheit geraten ist? Wie erklären sich zum Beispiel „Fetzer“ oder „Eulenberg“, „Bild“, „Hirschgärtle“, „Katzenöhrle“, „Krotenschlund“, „Lugäcker“ oder „Steinbeiß“ und „Zeuerle“?

Einen Versuch der Erklärung unternahmen im Jahr 2008 damalige Grundschüler in Hessigheim. Die Idee dazu hatte  Jiri Hönes, der die Flurnamen damals zum Thema seiner Magisterarbeit an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg machte. Er wollte zeigen, dass auch schon Grundschulkinder in der Lage seien, „einen öffentlichkeitswirksamen Beitrag zur Erforschung des regionalen Kulturguts zu leisten“, wie er in seinem Vorwort zu der Magisterarbeit schreibt.

Drei Monante lang trugen 17 Jungen und Mädchen die Flurnamen in Hessigheim zusammen, befragten Einwohner, entwickelten Fragebögen, um Details zu erfassen, durchforschten Landkarten, Heimatbücher und das Internet. Mehr als 60 Flurnamen wurden schließlich erfasst, die im Rahmen der Magisterarbeit auch kartiert wurden.

Manche Namen, die es auch in anderen Kommunen gibt, erklärten sich für die Kinder von selbst: das „Hörnle“ zum Beispiel als Name für eine gekrümmte Bergspitze, oder „Hart“ als alter Begriff für Weidewald, in dem wohl Schweine gemästet wurden. Die „Hälde“ weist auf eine stark abschüssige Geländeform hin. „Fahr“ erinnert an die Anlegestelle für die Fähre von Hessigheim auf die andere Flussseite.

Doch nicht immer kamen die Kinder und der angehende Pädagoge zu wirklich eindeutigen Ergebnissen. Mitten im Ort liegt beispielsweise das „Zeuerle“, nach dem in der Nähe der Felsengartenkellerei eine Straße benannt ist. Der Name könnte bedeuten, dass der Boden dort sauer ist, er käme also von „Säuerle“. Möglicherweise aber trug auch ein Besitzer des Anwesens diesen Namen. In diesem Fall wäre es eine Verballhornung von „Cyriakus“. Schon 1622 wurde das Zeuerle erwähnt, haben die Schüler herausgefunden, damals unter dem Namen „Uff dem Zyrlin“.

Ungelöste Rätsel

Rätsel gab auch das „Katzenöhrle“ auf. Das Gewann zwischen Neckar und dem Hambachhügel, der Hügel, um den sich die Neckarschleife bildet ­– auch dieser Name ist rätselhaft – wurde schon 1522 unter dem Namen „Katzenörlin“ erwähnt. „Vielleicht ist der Name aus irgendeinem Spaß entstanden oder er bezieht sich auf die Form der Flur“, vermuteten die Schüler. Etwas einfacher hatten sie es mit einer der bekanntesten Weinlagen am Neckar, dem Wurmberg. Die terrassierten Steillagen liegen nordwestlich von Hessigheim in Richtung Besigheim. Möglicherweise hat es in dem Berg dort früher viele Würmer oder auch Schlangen gegeben. Denn das Wort Wurm hatte in früheren Zeiten auch die Bedeutung von Schlange oder Drache.

Die Flurnamen hatten in vergangenen Zeiten die Funktion, jedes Grundstück einer Gemarkung eindeutig zu bezeichnen. Darauf weist Jiri Hönes in seiner Magisterarbeit über die Hessigheimer Flurnamen hin. In Besitzverzeichnissen früherer Jahrhunderte wird jeder Acker und jede Wiese durch die Lage in einem bestimmten Gewann und die Angabe der „Anstößer“ (Grundstücksnachbarn) aufgelistet. Das liest sich dann etwa folgendermaßen: „2 ½ Morgen im Pfaffenacker neben Andreas Müller und der Egarten“. Diese Funktion haben die Flurnamen durch die Landesvermessungen im 19. Jahrhundert eingebüßt, da seither jede Parzelle mit einer Nummer versehen ist. Doch auch im Alltagsgebrauch waren und sind Flurnamen weiterhin unverzichtbar zur Verständigung über die genaue Lage, meint der Autor. sol

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