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Im Ausland lernt es sich leichter

Zwei Jungs, zwei Länder, zwei Sichtweisen: Silas Sckuhr und Rik Manzke - beide Schüler des Besigheimer Christoph-Schrempf-Gymnasiums - haben eine Zeit lang Schulen in Amerika und Italien besucht.

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Rik Manzke (rechts) ging ein Jahr lang in Italien zur Schule, Silas Sckuhr (links) sammelte drei Jahre lang Erfahrungen in den USA.  Foto: 

Es sind Erfahrungen fürs Leben, die beide nicht missen möchten. Der Walheimer Rik Manzke, 15, ging ein Jahr lang in Italien zur Schule. Silas Sckuhr, 16, aus Hessigheim lebte fast drei Jahre in den USA. Die Schüler des Christoph-Schrempf-Gymnasiums in Besigheim sind beide vor kurzem zurückgekehrt nach Deutschland. Ein Vergleich.

Umfeld: Rik Manzke hatte sich für den Klassiker entschieden: ein Schuljahr in einem anderen Land. Er wohnte in der Nähe von Perugia, der 90 000 Einwohner zählenden Landeshauptstadt Umbriens, in einem Dorf namens Solomeo. Die Gegend: ländlich. Viele Wiesen, Felder, Berge, Efeu an den Häuserfassaden, alte plaudernde Leute auf Bänken. Das Klima: heiß und trocken.

Silas Sckuhr verbrachte fast drei Jahre in den USA - mit seiner Familie. Sein Vater hatte beruflich in Detroit zu tun. Bloomfield Hills, ein 20 000-Einwohner-Städtchen, war das vorübergehende Zuhause der Hessigheimer. Das Wetter: Im Sommer wärmer als in Deutschland, im Winter extrem kalt. Bei minus 20 Grad fiel für eine Woche die Schule aus. Breite Straßen, lange Auffahrten zu schicken Häusern mit gepflegten Vorgärten - Silas Sckuhr beschreibt Bloomfield Hills so, wie man amerikanische Vorstädte aus Fernsehserien kennt.

Schule: Rik Manzke ging in die neunte Klasse eines italienischen Gymnasiums mit den Schwerpunkten Musik und Geschichte. Jeder Schüler muss dort mindestens ein Instrument beherrschen. Für den Walheimer ein Leichtes. "Ich spiele seit sieben Jahren Posaune", sagt er. Und nahm in Italien zusätzlich Gitarren-Unterricht. An den Schulalltag musste sich der Teenager erst gewöhnen. Das Anstrengende: Der Unterricht dauerte drei Stunden nonstop. Anschließend folgte eine zehnminütige Pause, dann wurde weitere zwei Stunden gebüffelt. Insgesamt fiel Rik Manzke das Lernen im Ausland leichter, sagt er. Musik und Geschichte seien eine Herausforderung gewesen. Das Niveau aller anderen Fächer sei deutlich unter dem in Besigheim geblieben. "Mathe, Bio, Physik und Chemie wurden in einem Fach zusammengefasst und nur zwei Stunden die Woche unterrichtet", erzählt er. Seine Noten hätten sich in Italien verbessert, nicht jedoch ohne eine ordentliche Portion Selbstdisziplin. "Die Lehrer standen vorne und erzählten nonstop. Jeder entschied selbst, wie viel er mitschrieb, wie an der Uni."

Mit dem Sitznachbarn ein Schwätzchen halten während des Unterrichts - ein Tabu, das die Lehrer schnell unterbinden. Zu spät kommen, ein Frevel, der sofort vermerkt wird. Wer unentschuldigt fehle, so Rik Manzke, werde so lange vom Unterricht ausgeschlossen, bis ein Schreiben der (Gast-)Eltern eintreffe. Die haben übrigens in Italien Zugriff auf eine Online-Datenbank, die Noten und Fehlzeiten der Schüler bündelt.

Auch Silas Sckuhr saß länger als von Besigheim gewohnt auf der Schulbank. An seiner Highschool in den USA - er besuchte die neunte bis elfte Klasse - dauerte eine Unterrichtseinheit 73 Minuten. Das Schulprogramm dauerte jeden Tag bis fast 15 Uhr. "Der Schulstoff ist dort deutlich einfacher als am Gymnasium", sagt er. Effekt: ausschließlich gute Zensuren. Silas Sckuhr vergleicht die Highschool mit einer Gesamtschule, an der man sich Wunschfächer und Schwierigkeitsgrade selbst zusammenstellen kann. Auffallend sei der Ehrgeiz der Schüler und Eltern gewesen. "Eine 3 akzeptiert dort niemand. Gute Noten sind ein Muss, schon allein deshalb, um auf eine gute Uni gehen zu können." Die Lehrer hat der 16-Jährige als entspannt, fast kumpelhaft empfunden. Viel Gruppenarbeit und persönliche Gespräche seien an der Tagesordnung gewesen. "Die Lehrer interessieren sich nicht nur für Leistungen, sondern auch für den Menschen."

Seit vermehrt Amokläufe in den USA auftreten, werde die Sicherheit an den Schulen großgeschrieben. Die Türen seien verschlossen, es gebe Sicherheitspersonal vor Ort und Kameras an jeder Ecke. Jeder Schüler müsse sich ausweisen.

Freunde: Rik Manzke lobt den Klassenzusammenhalt an seiner italienischen Schule. Prügeleien habe es keine gegeben, "wer sich nicht grün ist, ignoriert sich". Gelassen seien sie, die Italiener, nach dem Motto "Morgen ist auch noch ein Tag." Freundschaften seien schnell geschlossen, nach einem Streit sei der Freund allerdings schnell wieder weg.

Auch in den USA halten die Schüler zusammen, hat Silas Sckuhr festgestellt. Offen seien die jungen Leute, immer zu haben für einen Smalltalk. In die Tiefe gehe eine Freundschaft jedoch auch hier selten. "Wer sich an der Schule prügelt oder den Eindruck erweckt, Drogen genommen zu haben, wird suspendiert", sagt er.

Fettnäpfchen: Wer in Italien jemanden zu Hause besucht, sollte nicht mit leeren Händen kommen. Eine eiserne Regel, die Rik Manzke immer befolgt hat. "Die Italiener sind sehr gesellig, ein Gemeindefest zu schwänzen, geht gar nicht, da ist man schnell unten durch", erklärt der Walheimer.

Silas Sckuhr beschreibt die Amerikaner als patriotisch, die Nationalhymne sei allgegenwärtig - etwa in der Schule oder bei Sportveranstaltungen. "Am Anfang bin ich einfach sitzengeblieben, wenn die anderen gesungen haben. Ich bin ja kein Amerikaner", sagt der Schüler. Doch schnell habe er gemerkt, dass das eher keine gute Idee gewesen sei. An Amerika zu zweifeln, das Land zu kritisieren, sein ein Tabu. Wichtig auch: kein Spiel der schuleigenen Football- oder Basketball-Mannschaft zu verpassen.

Organisationen planen das Auslandsjahr für Schüler

Austausch Sowohl Rik Manzke als auch Silas Sckuhr hatten ihre Auslands-Aufenthalte seinerzeit privat organisiert.

Viele Schüler nehmen jedoch die Hilfe einer Organisation in Anspruch. Davon gibt es eine ganze Menge in Deutschland. Eine Übersicht gängiger Austausch-Organisationen sowie Infos zu den einzelnen Ländern gibt es online auf

NAD

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