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Kernkraft: EnBW bereitet den Rückbau von Block II vor

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An Öffentlichkeit hat es Kraftwerksbetreiber EnBW bisher wahrlich nicht mangeln lassen. Schon vor Jahren machte die Leitung des Atomkraftwerks in Neckarwestheim die Runde durch die Gemeinderäte der Anlieger-Kommunen, bei mehreren Info-Tagen konnte sich jedermann über das Verfahren der Stilllegung und des Abbaus der beiden Kraftwerksblöcke informieren. Im Januar 2016 wurden Info-Broschüren an 60.000 Haushalte in der Region verteilt.

 Gestern ging es in der Reblandhalle in Neckarwestheim um einen weiteren Schritt: um die Umweltverträglichkeitsprüfung und  damit um die Frage, welche Auswirkungen sich beim Rückbau auf Wohngebiete, Landschaft, auf Luft und Boden ergeben, wenn das Kraftwerk zurückgebaut wird. Kraftwerksbetreiber EnBW stellte bei diesem Termin seine Konzeption vor, die von Sachverständigen, Vertretern des Umweltministeriums, der Kommunen und nicht zuletzt der Anti-Atomkraft-Bürgerinitiativen diskutiert und bewertet wurde. Wer auf öffentliches Interesse gehofft hatte, wurde enttäuscht: Die Ränge blieben leer.

Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung erfüllt EnBW eine wesentliche Voraussetzung für den Rückbau von Block II. Der Antrag für Block I wurde bereits im Jahr 2013 gestellt. Dieses Verfahren geht seinem Ende entgegen. In Kürze erwartet EnBW darüber eine Entscheidung, wie Vertreter des Energieunternehmens in der Sitzung deutlich machten. Block II allerdings läuft noch ein paar Jahre, längstens bis 2022. Um sofort nach der Genehmigung mit dem Rückbau beginnen zu können, werden wichtige Verfahrensschritte wie die Umweltverträglichkeitsprüfung schon jetzt betrieben. Den Vertretern der Bürgerinitiativen wäre es allerdings deutlich lieber gewesen, wenn die Genehmigung für Block I bereits vorliegen würde. Die Fragen, die sich für eine Umweltverträglichkeitsprüfung von Block II ergeben, wären dann deutlich präziser zu stellen, so ihre Argumentation.

Schon in diesem Jahr hat EnBW mit dem Bau eines Rückbauzentrums und eines Abfalllagers auf dem GKN-Gelände begonnen, um die Abfälle sortieren und verladen zu können, wie mehrfach berichtet. Die Umweltverträglichkeitsprüfung umfasst alle Gebäudeteile entlang der Kreisstraße Richtung Neckarwestheim, die direkt dem Kernkraftblock II zugeordnet sind, auch den Kühlwasserturm. Die EnBW will mit dieser Untersuchung sicherstellen, dass der Abbau keine sicherheitsrelevanten Auswirkungen hat und alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um radioaktive Stoffe fernzuhalten. Strahlenschutz und die Überwachung der Emissionen gehören ebenfalls dazu.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung geht allerdings noch einen gehörigen Schritt weiter, wie Frank Dröschler deutlich machte, dessen technisches Büro damit von der EnBW beauftragt ist. Sie betrachtet alle denkbaren Belastungen am Standort in Neckarwestheim und ebenso mögliche Wechselwirkungen. Betrachtet wird beispielsweise die Frage, wie und in welcher Menge radioaktive Stoffe über die Luft freigesetzt werden und Menschen, Tiere und Pflanzen beeinträchtigen ­– wenngleich Dröscher davon ausgeht, dass die Werte deutlich niedriger sind als bei einem Betrieb von GKN II. In der gleichen Weise werden die Auswirkungen auf den Neckar beobachtet und die Frage der Wirkung der  direkten Strahlung in der Umgebung des Kraftwerkblocks.

Aber es sind nicht nur die nuklearen Gefahren, die untersucht werden. Es geht auch um ganz profane Emissionen beim Restbetrieb und beim Abbau, um die baulichen Anlagen, den Einsatz von Baumaschinen, um das Verkehrsaufkommen ringsum, kurz gesagt, um Lärm, Erschütterungen und Dreck, der bei der Zerkleinerung der teils riesigen Gebäude unvermeidlich anfallen wird.

Mit dem gestrigen Termin ist die öffentliche Beteiligung längst nicht beendet. Was folgt, ist die Auslegung sämtlicher Antragsunterlagen durch das Umweltministerium. Dazu können Einwände gemacht werden, die bei einem öffentlichen Termin erörtert werden.

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