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Den Kommunen geht Wohnbaufläche aus

Steigende Bevölkerungszahlen und die Flüchtlingswelle sorgen für Wohnungsdruck in den Kommunen. Doch der Platz zum Bauen fehlt, und der Konflikt mit der Ökologie ist programmiert. Zwei Beispiele aus Besigheim und Walheim.

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In Besigheim wird derzeit das Baugebiet Bülzen-Ost erschlossen. Weitere Erweiterungsmöglichkeiten im Flächennutzungsplan gibt es nicht.  Foto: 

Zügig schreiten die Erschließungsarbeiten im neuen Besigheimer Baugebiet "Bülzen-Ost" voran. Wenn es weiter so gut läuft, könnten die Arbeiten noch vor Jahresende abgeschlossen sein, hofft der Besigheimer Bürgermeister Steffen Bühler. Ende 2016, so seine Schätzung, werden die ersten Häuser auf den 4,14 Hektar Bauflächen stehen. Danach werde sich das Baugebiet "relativ rasch entwickeln". Darauf deute die hohe Nachfrage nach den Bauplätzen hin.

Und danach? Danach ist erst einmal Schluss mit der baulichen Entwicklung Besigheims. Im aktuellen Flächennutzungsplan sind laut Bühler keine weiteren Flächen mehr für die Wohnbebauung ausgewiesen. Möglicherweise schon im kommenden Jahr werde die Stadt deshalb ein Fachbüro mit Untersuchungen beauftragen, an welcher Stelle der Gemarkung noch eine Bebauung möglich ist und zugleich das Gespräch mit der Region suchen, in welchem Umfang Besigheim ein Kontingent an Wohnbauland zugebilligt wird. Wo dies auf der Gemarkung geschehen kann, ist "noch nicht spruchreif", sagte Bühler.

Die Erkenntnis, dass mehr Wohnraum dringend notwendig ist, beginnt sich auch in der Regionalversammlung durchzusetzen. Das haben die Haushaltsberatungen in der vergangenen Woche gezeigt. Diese Diskussion verfolgt Bühler mit großem Interesse. Als Mittelzentrum in schöner Lage mit guter Infrastruktur und der Verkehrsanbindung per Bahn an die Regionen Stuttgart und Heilbronn benötige die Stadt ein "kleines Potential" an neuem Wohnraum. Von einem Bevölkerungsrückgang, wie er den Berechnungen der Region für den Wohnungsbau bisher zugrunde liegt, kann in Besigheim keine Rede sein. Laut Bühler ist die Stadt in den vergangenen Jahren jährlich um 60 bis 80 Einwohner gewachsen.

Dabei sei die Stadt verantwortungsvoll mit ihren Bodenresourcen umgegangen, hebt der Bürgermeister hervor. Sie habe ihr Flächenkontingent keinesfalls offensiv ausgeschöpft und auch die Möglichkeit der Verdichtung im Inneren geprüft. Im neuen Baugebiet "Bülzen-Ost" werde sogar mit Klauseln in den Kaufverträgen darauf geachtet, dass keine dauerhaften Baulücken entstehen.

Eines steht für Bühler fest, sollten neue Baugebiete ausgewiesen werden: "Die Konkurrenz mit der Ökologie wird verschärft auftreten." Damit ist weniger die politische Auseinandersetzung gemeint als der alltägliche Kampf mit dem behördlichen Naturschutz, der im Landratsamt seinen Sitz hat. "Er wird sich ein Stück zurücknehmen müssen", fordert Bühler. Dies sei notwendig in einer verdichteten Region, wo viele Menschen wohnen und folglich auch "die meisten Wohnungen benötigt werden".

Wie schwierig es im Einzelfall sein kann, zusätzlichen Wohnraum gegenüber der Region durchzusetzen, zeigt ein Beispiel aus Walheim. Hier versuchen Bürgermeister Albrecht Dautel und sein Gemeinderat am Ortsrand in Richtung Kirchheim, dort wo auch ein Netto-Markt errichtet werden soll, acht Bauplätze durchzusetzen. Das ist mühsam und zäh, machen Dautels Schilderungen gegenüber der BZ deutlich, zumal die betroffene Fläche im Flächennutzungsplan nicht als Wohngebiet ausgewiesen ist. Um dennoch dort Häuser bauen zu können, musste der Bedarf nachgewiesen werden, eine so genannte Plausibilitätsprüfung war notwendig.

Deren Ergebnis: Walheim hat bereits 1,5 Hektar Fläche mehr ausgewiesen, als der Ort benötigt. Dieses Ergebnis weckt den Zorn des Bürgermeisters, der die Argumente der Region für realitätsfern hält. Der Gemeinde seien bei der Prüfung 2,5 Hektar unbebaute Fläche im Ort selbst angerechnet worden. Die aber gehört Privatleuten, "ich selbst habe keinen Zugriff auf die Grundstücke", sagt der Bürgermeister.

Seit Jahren gehe die Region davon aus, dass die Bevölkerung im Ort schrumpft, klagt er. Im letzten Flächennutzungsplan wurde die Wohnbaufläche in Walheim deshalb bereits von fünf auf drei Hektar zusammengestrichen. Dabei sei Walheim Jahr um Jahr gewachsen, sagt Dautel, und zähle heute 3100 Einwohner. Die Prognosen der Region stimmten deshalb "hinten und vorne nicht". Die Gemeinde habe mit Projekten wie dem ehemaligen Sioux-Areal die Möglichkeiten der Innenverdichtung ausgenutzt. Jetzt drehe der Wind in der Region. "Das wird spannend", sagt Dautel.

Druck durch Flüchtlingswelle

Flüchtlinge Sollte der zunehmende Zahl von Flüchtlingen den schnellen Bau neuer Wohnungen erfordern, dann werden die Kommunen in Gebiete gehen müssen, "die bisher tabu waren", sagt Steffen Bühler, Bürgermeister von Besigheim und Kreisvorsitzender des Städtetages. Er rechnet damit, dass Flüchtlinge "in erheblichem Umfang" ihre Familien nachkommen lassen werden. Die Flächen, die zum Bau von Wohnungen notwendig wären, "haben wir aber nicht", sagte Bühler. Der reguläre Weg zu neuen Baugebiete führt über den neuen Flächennutzungsplan, der 2020 in Kraft treten soll. Wenn schon vorher Wohnungen benötigt werden, "dann muss man uns irgend etwas geben".

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Wappen
Ludwigsburg

Besigheim

Einwohner: 12018 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74354
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 202 m ü. NHN
Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

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