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Containersiedlung für Flüchtlinge

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Das Gelände des ehemaligen Bauhofes in der Nähe der Mundelsheimer Käsberghalle ist einer von drei Standorten, die für die Aufstellung der Wohncontainer im Gespräch sind.  Foto: 

Bisher ist Mundelsheim bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen relativ gut weggekommen. Bis zum Jahresende reichen die vorhandenen Unterkünfte, die die Gemeinde zur Verfügung stellen konnte, indem sie alte Häuser kaufte und renovierte, so gerade hin.

Aber nächstes Jahr ändert sich das. Nicht dass die Zahl derjenigen, die in Deutschland Zuflucht suchen, zugenommen hätte – im Gegenteil. Bei der Einwohnerversammlung in Mundelsheim, die mit 400 Teilnehmern gut besucht war, berichtete Martin Schliereke, Leiter des Fachbereichs Asylbewerber und Aussiedler im Landratsamt Ludwigsburg, die Zahl der im Landkreis eintreffenden Flüchtlinge sei von 3781 im Jahr 2015 auf rund 1800 in diesem Jahr gesunken. Für nächstes Jahr rechnet er mit 1600 Menschen.

30 weitere Flüchtlinge

Die Flüchtlinge werden aber im kommenden Jahr aus der zwei Jahre dauernden vorläufigen Unterbringung, für die Stadt- und Landkreise zuständig sind, in die Anschlussunterbringung überführt. Und dafür sind die Kommunen verantwortlich. Mundelsheim erwartet deshalb 2018 zusätzlich mindestens 30 Flüchtlinge, für die Platz geschaffen werden muss.

Wie das denn sei mit der Rückführung, wurde aus dem Publikum gefragt. Martin Schliereke erklärte, dass bei einer Anerkennungsquote von 60 Prozent, wohl zwei Drittel bis drei Viertel der Flüchtlinge „die nächsten Jahre“ bleiben werden. 2016 sei es gelungen, 700 Menschen zur freiwilligen Rückreise zu bewegen.

Das Architekturbüro Ludwig und Ulmer aus Murr hat im Auftrag der Gemeinde drei mögliche Standorte für Containersiedlungen ins Auge gefasst. Die Architekten haben ausgerechnet, dass man für 40 Flüchtlinge 20 Containermodule plus ein Servicemodul für Gemeinschaftszwecke, wie Waschmaschinen, brauchen wird. Zusammengestellt zu Wohngruppen können mit den Containern fünf Wohneinheiten mit 64 Quadratmetern für je acht bis zehn Bewohner gebildet werden. Jedem Flüchtling steht eine Fläche von acht Quadratmetern zur Verfügung.

Ein möglicher Standort ist der alte Bauhof neben der Käsberghalle. Er bietet wegen seiner Lage gute Voraussetzungen für eine soziale Integration und hat den Vorteil, dass sich eine Bushaltestelle in der Nähe befindet. Allerdings ist die Fläche über die geplanten 21 Container hinaus nicht erweiterbar. Die erwarteten Kosten betragen 620 000 Euro für die Container und die Aufbereitung des Platzes.

Hartplatz oder Kläranlage

Zweite Alternative ist der Hartplatz bei der Kläranlage. Er hätte die gleichen Vorteile wie der alte Bauhof, käme aber mit 530 000 Euro etwas günstiger, weil die Fläche nicht so aufwendig vorbereitet werden müsste. Zudem bestehen hier Erweiterungsmöglichkeiten.

Den dritten Standort sehen Architekt und Gemeindeverwaltung auf bisher privaten Flächen hinter der Kläranlage. Das Areal müsste noch durch einen asphaltierten Weg erschlossen werden, weshalb mit Kosten von 656 000 Euro zu rechnen ist. Weiterer Nachteil ist die etwas abseitige Lage, was Integration und soziale Kontrolle erschwert.

Eine Zuhörerin machte auf die Geruchsbelästigung durch die Kläranlage aufmerksam und stellte indirekt die Frage, ob man Menschen hier unterbringen sollte. Aus dem Publikum wurde gefragt, wer überhaupt komme. Familien wären den Mundelsheimern am liebsten. Martin Schliereke sprach indessen von einer Mischbelegung, die man anstrebe. Ein Großteil der Unterzubringenden seien nun mal alleinstehende Männer.

Dass der Hartplatz möglicherweise zum Flüchtlingscamp wird, wurmte einige Mundelsheimer besonders. Der Platz habe die Gemeinde seinerzeit ziemlich viel Geld gekostet, erinnerte ein Zuhörer. Ein anderer Redner monierte, dass für die Asphaltierung eines Stücks Radweg nie Geld da gewesen sei und jetzt die Flüchtlinge eine asphaltierte Zufahrt bekämen. Wie auch manch anderer Zuhörer fand Andreas Link, Gemeinderat und erster stellvertretender Bürgermeister, die Nähe zu den Mundelsheimer Freizeiteinrichtungen „nicht glücklich“. Er schlug einen bisher nicht diskutierten Standort an der Hessigheimer Straße vor.

Bürgermeister Holger Haist und Martin Schliereke stimmten die Mundelsheimer darauf ein, dass sie wohl für die nächsten fünf Jahre mit den Flüchtlingscontainern leben müssten. Der Gemeinderat wird sich in seiner nächsten Sitzung am 14. Dezember für den endgültigen Standort entscheiden.

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