Partner der

BZ-Gespräch: „Wir müssen aufzeigen, was wichtig ist“

|
Vorherige Inhalte
  • Eine der Flüchtlingsunterkünfte im Besigheimer Wasen im November in der Innenansicht. Vor einem Jahr im Frühsommer hat der CDU-Ortsverband unter der Führung von Uttam Das einen „Leitfaden für Flüchtlinge“ veröffentlicht.  1/2
    Eine der Flüchtlingsunterkünfte im Besigheimer Wasen im November in der Innenansicht. Vor einem Jahr im Frühsommer hat der CDU-Ortsverband unter der Führung von Uttam Das einen „Leitfaden für Flüchtlinge“ veröffentlicht. Foto: 
  • Uttam Das.  2/2
    Uttam Das. Foto: 
Nächste Inhalte

In kaum einem politischen Feld drehen sich die Debatten so häufig um Toleranz wie im Bereich Migration. Auch aus den Reihen der CDU wird häufig eine zu große Toleranz in der Ausländerpolitik kritisiert, etwa, wenn es um sogenannte Parallelgesellschaften geht, also um große Gruppen an Eingewanderten, die in Deutschland nach ihren Traditionen aus der Heimat leben, selbst wenn diese offenbar in Kontrast zum hiesigen Wertekanon stehen. Uttam Das (45) ist Vorsitzender der Besigheimer CDU und des Arbeitskreises Migration des Kreisverbands der Union. Der promovierte Jurist mit indischen Wurzeln ist Sozialrichter. Mit der BZ spricht er über die Grenzen der Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen und Werten – und darüber, warum Gesetze manchmal nur bedingt helfen.

Herr Das, sind die Deutschen zu häufig zu tolerant gegenüber der Intoleranz mancher Migranten?

Uttam Das: Viele Bürger sehen das so, nehmen Sie die Debatten über Parallelgesellschaften oder die Kinderehe, die gerade strafbar wird.

Jetzt zu Ihrer Meinung: Wo sollte die Grenze gezogen werden?

Natürlich dort, wo das Gesetz gegen eine Verhaltensweise spricht. Aber das ist nicht immer einfach. Ich denke, es gibt Dinge, die kann man nicht verordnen, da bleibt nur das Appellieren. Man kann zum Beispiel nicht alles vorschreiben, was zu Hause gemacht wird, man kann sich aber schon vorstellen, zu fordern, dass im öffentlichen Raum mehr Deutsch gesprochen wird. Wenn manche Muslime Frauen die Hand nicht geben wollen, kann man auch dieses Verhalten nicht anordnen, aber diese Weigerung öffentlich missbilligen.

Wenn sich die Themen „Toleranz“ und „Flüchtlinge“ kreuzen, ist das Frauenbild im Islam sehr schnell ein zentraler Punkt.

Ja. Aber ob man sich gegenseitig die Hand gibt, ist nicht allein entscheidend. In Indien macht man das auch oft nicht, unter anderem aus hygienischen Gründen. Wenn es aber ein Ausdruck ist, die Frau nicht zu akzeptieren oder gering zu schätzen, haben wir ein Problem, das wir auch ansprechen müssen. Aber, wie gesagt: Mit einer gesetzlichen Anordnung wird das nicht funktionieren.

Was kann man dann tun?

Man muss erst einmal darüber sprechen. Wenn man nur schweigt, gewinnt man sicher nichts. Man muss aufzeigen, was unserer Gesellschaft wichtig ist.

Und das soll helfen?

Es ist und bleibt aus meiner Sicht in vielen Fällen das einzige Möglichkeit. Per Gesetz ist es auch kaum zu verhindern, dass  einer jungen Frau, die erkrankt war, von Seiten der Familie eine Reha verweigert wird – mit der Begründung, sie müsse zu Hause bleiben, um den Vater zu pflegen. Ebenso wenig werden Sie verhindern können, dass eine Familie mit muslimischem Hintergrund Druck auf eine Frau ausübt, damit sie vorzeitig etwa in Erwerbsminderungsrente geht, weil ihr zehn Jahre älterer Mann in Altersrente geht – mit der Begründung, sie müsse ja rund um die Uhr für ihn da sein.

Hatten Sie diese Fälle als Sozialrichter auf dem Tisch?

Ja. Und dass es ein Problem gibt mit dem Frauenbild von manchen Muslimen, nicht mit allen, erkennen Sie am Sozialgericht zudem an Erfahrungen, von denen mir vor allem jüngere Kolleginnen berichtet haben: Da gab es Muslime, die einen Gerichtstermin nicht akzeptierten, weil auf dem Richterstuhl eine Frau saß. Begründung: Das wäre doch kein richtiges Gericht. Natürlich kommen diese Herren damit nicht durch. Hier haben wir klare rechtliche Druckmittel.

Mögen Sie eigentlich den Begriff „Leitkultur“?

Der Begriff polarisiert zwar. Aber die Gesamtidee, die dahinter steht, befürworte ich. Es soll dabei ja nicht um eine Überordnung gegenüber anderen Kulturen gehen, sondern um eine Vermittlung von Konventionen, die hier Konsens sind. Die müssen wir vermitteln. So wie das die Besigheimer CDU mit dem „Leitfaden für Flüchtlinge“ im vergangenen Jahr gemacht hat. Denn ob wir das wollten oder nicht: Deutschland ist ein Zuwanderungsland geworden. Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit umgehen. In jedem Fall darf man auch zu den Schattenseiten der Zuwanderung nicht schweigen. Man darf ruhig sagen, dass  Zuwanderung nicht automatisch zu Bereicherung führt. Das finde ich im Übrigen auch nicht intolerant.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Wappen
Ludwigsburg

Besigheim

Einwohner: 12018 (31. Dez. 2015)
PLZ: 74354
Regierungsbezirk: Stuttgart
Höhe: 202 m ü. NHN
Bürgermeister Steffen Bühler

www.besigheim.de/

Nachrichten aus Ihrer Gemeinde

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Partner der

Bietigheimer eine Runde weiter

Pishtar Dakaj hat mit seinem Gesang bei der Sendung „The Voice of Germany“ die Juroren überzeugt. weiter lesen