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Bürgerbegehren gegen Baugebiet?

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Die Käsberghalle war mit rund 400 Mundelsheimer gut gefüllt, als es am Montag um das neue Baugebiet ging.  Foto: 

Das geplante Neubaugebiet „Seelhofen IV“ erregte die Gemüter bei der Einwohnerversammlung am Montag, zu der sich rund 400 Zuhörer in der Käsberghalle eingefunden hatten. Wie mehrfach berichtet, möchte die Gemeinde Mundelsheim noch bevor der derzeit gültige Flächennutzungsplan 2020 ausläuft, ein 2,5 Hektar großes, bisher landwirtschaftlich genutztes Areal erschließen.

Auf der Fläche, die an die seitherige Bebauung im Gebiet Seelhofen angrenzt, hält Margarethe Stahl, Stadtplanerin bei der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE), 43 Grundstücke mit einer durchschnittlichen Größe von 400 Quadtratmetern für realisierbar. Sie sollen mit Einfamilienhäusern, teilweise auch mit Doppelhäusern, bebaut werden. Bisher war das Gebiet in 20 Flurstücke aufgeteilt, die 13 Eigentümern gehörten. Mit ihnen hat Heiko Richter (KE) den Erwerb ihrer Grundstücke durch die Kommune bereits notariell vereinbart.

Wenn alles läuft wie geplant, könnte der Gemeinderat in einem Jahr das Bebauungsplanverfahren mit dem Satzungsbeschluss abschließen. Ende 2019 oder Anfang 2020 könnten die ersten Bauwilligen damit beginnen, ihre Häuser zu errichten.

Zehn Eigentümer wollen nach der Umlegung ein Baugrundstück zurückkaufen. Für Bürgermeister Holger Haist ist das ein Zeichen, wie hoch die Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken in Mundelsheim ist. „Wir bauen hier nur für den innerörtlichen Bedarf”, wurde er in der Versammlung nicht müde zu betonen, weshalb die Grundstücke auch nur in Zusammenhang mit einem Baugebot veräußert werden sollen.

Und wie zur Bestätigung erhob sich aus den Reihen der Zuschauer eine Mundelsheimer Einwohnerin, die fragte, ab wann sie sich in eine Käuferliste für eines der Grundstücke eintragen könne. Mit einer solchen Liste konnte Holger Haist indes noch nicht dienen. Man werde rechzeitig öffentlich darüber informieren, ab wann die Grundstücke zum Verkauf stünden, beschied er der Interessentin.

Christian Erz verwies auf die 212 Unterschriften, die die Initiative „Bürger gegen Neubaugebiet Seelhofen IV“ bereits gesammelt habe. Wesentliche Argumente seiner Mitstreiter gegen „Seelhofen IV“ sind die weite Entfernung zum Ortskern, der lange Schulweg, die fehlende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, die Zersiedelung der Landschaft und die unzureichende Erschließung über nur eine Straße. Die Planung ist für ihn deshalb im wahrsten Sinne des Wortes eine „Sackgassenplanung“.

Bürgermeister Haist erklärte, die Argumente der Aktivisten gegen das neue Baugebiet habe man auch schon gegen „Seelhofen IIIa „und „Seelhofen IIIb“ vorbringen können. Man habe es aber mit mündigen Bürgern zu tun, die selbst entscheiden könnten, wie weit sie von der Ortsmitte wegziehen.

Dass er selbst sich jetzt für „Seelhofen IV“ einsetze, obwohl er bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans vor zwölf Jahren für das potenzielle Baugebiet Rozenberg gewesen sei, das näher an der Ortsmitte liege, begründete er mit der Gleichwertigkeit beider Baugebiete. Beide seien damals mit der zweitbesten Note „B“ - auf einer Skala von „A“ bis „E“ - bewertet worden. Die Gemeinde habe sich eben für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden müssen.

Ein Zuhörer erklärte an die Adresse der Skeptiker, man müsse demokratisch gefasste Entscheidungen halt akzeptieren, auch wenn man sie persönlich für falsch halte. Den Gegnern der Seelhofen-Bebauung wollten Teile des Publikums ihren selbstlosen Einsatz für die Erhaltung der Landschaft ohnehin nicht so recht abnehmen, zumal sie alle im Gebiet Seelhofen wohnen. „Die Menschen im Seelhofen fürchten ja nur, dass sie in Zukunft nicht mehr in ihrer idyllischen Randlage leben können“, äußerte eine Zuhörerin. Überhaupt war zu beobachten, dass die Wortbeiträge der Seelhofen-Befürworter etwas stärkeren Applaus bekamen als die der Gegner.

Diese gegenteilige Meinung  ficht die Initiative gegen „Seelhofen IV“ aber nicht an. Den von der Gemeinde gewählten Weg, sich die Grundstücke schon im Vorfeld notariell zu sichern, hält Martina Kneisel, von Beruf Anwältin, für mutig und rechtlich gefährlich. Man könne gegen die Gemeinderatsbeschlüsse vorgehen. „Das ist keine gebongte Nummer“, erklärte sie. Es sei schon vorgekommen, dass Aufstellungsbeschlüsse wieder hätten aufgehoben werden müssen. Deshalb wird es in Mundelsheim eine weitere Runde geben. Christian Erz, der betonte, man sei nicht per se gegen neue Baugebiete, sondern halt nur gegen dieses, kündigte an, seine Initiative werde jetzt ein Bürgerbegehren, die Vorstufe zu einem Bürgerentscheid, in Gang setzen.

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