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„Wir können recht zufrieden sein“

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Heinrich Blasenbrei-Wurtz erläuterte Besuchern die Energiegewinnung der Röcker’sche Mühle an der Enz. Sie ist Teil des „Erneuerbare Energien-Pfads“ durch Besigheim.   Foto: 

Als im April 2012 das Wind­rad beim Husarenhof auf Ingersheimer Markung in Betrieb genommen wurde, ging für Heinrich Blasenbrei-Wurtz ein langer Weg zu Ende. Denn schon zehn Jahre zuvor hatte sich der Ingenieur aus Besigheim, heute Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft Ingersheim, für diese Art der Energiegewinnung nur ein paar hundert Meter entfernt eingesetzt und war regelrecht abgeschmettert worden.

Nicht nur dass Blasenbrei-Wurtz im Gemeinderat von Besigheim keine Unterstützer für das Projekt fand, dass fünfmal kleiner ausgefallen wäre als das jetzige Windrad. „Durch den Gemeinderat und durch die Verwaltung ging ein regelrechter Aufschrei“, erinnerte er sich im Gespräch mit der BZ. Der heftigste Widerstand kam jedoch ausgerechnet aus der Ecke des Naturschutzes, von einem Naturschutzwart im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde. Blasenbrei-Wurtz wollte das Windrad in der früheren Kirschenanlage der Stadt bauen, wo viele Bäume längst marode gewesen seien. Weil dort aber Hornissen, Gliederwespen, Greifvögel und viele andere Tierarten lebten, sprach der Naturschutzwart von einem Frevel.

Ein „Totschlagargument“, das Wirkung zeigte. Das Projekt war zu Fall gebracht. „Die Öffentlichkeit hatte dazu keine Meinung“, erinnert sich Blasenbrei-Wurtz. Die Kirschenanlage wurde ein halbes Jahr später gerodet. An Einwände der unteren Naturschutzbehörde kann sich der Ingenieur nicht mehr erinnern.

Zehn Jahre später war der Widerstand immer noch groß, aber von dem „ganz zugespitzten Gegensatz zwischen Artenschutz und Windkraft“ war innerhalb von BUND und NABU nicht mehr die Rede. „Klimaschützer und Artenschützer haben sich zusammengerauft“, sagt Blasenbrei-Wurtz, der selbst dem BUND angehört. Es zeigte Wirkung, dass bis dahin 15 000 Windkraftanlagen in Deutschland gebaut worden waren. Das Hin und Her zwischen Befürwortern und Gegnern der Windkraft habe sich auf einem „viel höherem Niveau“ als noch zehn Jahre zuvor abgespielt.

Die Veränderungen in der Energiepolitik sind auch an andere Stelle der Stadt Besigheim deutlich zu spüren. Heinrich Blasenbrei-Wurtz und seine Mitstreiter in der Energie-Gruppe der Lokalen Agenda  schreiben es zu einem guten Teil ihrer Hartnäckigkeit zu, dass zwischen Kläranlage und Freibad eine Reihe von umweltfreundlichen Energieanlagen entstanden ist. Strikte Ablehnung stand auch hier am Anfang, als die Lokale Agenda-Gruppe etwa 2005 zum ersten Mal vorschlug, das Faulgas, das auf der Kläranlage entsteht, nicht länger einfach abzufackeln, sondern für ein Blockheizkraftwerk zu nutzen. Es dauerte einige Jahre, bis sich die Idee durchsetzte, nachdem ein Ingenieurbüro die Wirtschaftlichkeit dieses Unternehmens durchgerechnet hatte.

Geheizt, geheizt, geheizt

Schließlich entwickelte die Lokale Agenda die Idee einer Wärmeleitung von der Kläranlage bis zum Freibad, um über diese Schiene entlang der B 27 und der Straße Auf dem Kies Industrieunternehmen, die Schulgebäude, Sporthallen und das Freibad mit Energie aus umweltfreundlichen Heizungen versorgen zu können. Das habe sich zwar nicht in vollem Umfang realisieren lassen, sagt Blasenbrei-Wurtz, doch in der Stadtverwaltung sei das Bewusstsein für umweltfreundliche Energie heute stark ausgeprägt ist – auch eine Veränderung, die sich die Agenda-Gruppe gerne auf ihre Fahnen schreibt. Dokumentiert hat sie den Fortschritt in ihrem „Erneuerbare Energien-Pfad“.

Beispiel Freibad: „Früher wurde dort geheizt, geheizt, geheizt“, sagt der Ingenieur. Heute gibt es eine thermische Solaranlage für das Duschwasser, eine weitere für das Beckenwasser und seit kurzem auch ein Blockheizkraftwerk mit einem hoch effizienten Brennwertkessel, der das Freibad und das nahe Flüchtlingsheim mit Energie versorgt. Sein Fazit: „Wir können recht zufrieden sein.“

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