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„Region ist auf dem besten Weg zum Entwicklungsland“

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Chaotisch, das ist noch der mildeste Ausdruck für das, was Thomas Pulli vor einigen Tagen auf der Fahrt von Besigheim in Richtung Stuttgart widerfahren ist. Für ihn ist sein morgendlicher Weg zur Arbeit das beste Beispiel dafür, wie unzuverlässig die Bahn mittlerweile auf der Strecke der Frankenbahn geworden ist. Neben Pulli hatten sich zuvor darüber bereits auch andere Pendler beschwert, unter anderem in Briefen an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Ex-Bahnchef Rüdiger Grube. Auch regionale Politiker wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen haben sich längst eingeschaltet, damit die Zustände sich endlich wieder bessern, wie mehrfach in der BZ berichtet.

Am Dienstag, 24. Januar, begann Pullis Weg von Besigheim Richtung Stuttgart gegen 6.40 Uhr bei eisigen Temperaturen von sieben Grad minus. Um diese Zeit löste er am Bahnhof Besigheim eine Bahnkarte. Um 6.48 Uhr notiert er eine Anzeige am Bahnhof, dass der Zug mit Abfahrt um 6.50 Uhr an diesem Tag ausfällt. Um 6.52 erfährt er durch Gespräche am Bahnsteig, das auch der Zug um  7.01 Uhr ausfallen soll. Für ihn stellt sich die Frage, ob das wohl auch für den geplanten Zug um 7.17 Uhr gilt. „Meine Füße sind jetzt schon eiskalt, der Bäcker am Bahnhof Besigheim ist übervoll“, notiert Pulli.

Unsicher wie es weitergeht, fährt Pulli um 6.55 Uhr mit dem Auto zum Bahnhof nach Bietigheim-Bissingen und nimmt einen Fahrgast mit, der dringend in Richtung Stuttgart muss, weil er keine Gleitzeit im Geschäft hat, also pünktlich an der Arbeitsstelle auftauchen muss. Um 6.23 Uhr verpasst er knapp die S 5 nach Stuttgart, ebenso einen Zug, der nach seinen Recherchen vermutlich von Pforzheim nach Stuttgart fährt. Um 7.24 Uhr, so notiert er, fährt auf Gleis 8 ein „massivst überfüllter Zug“ aus Richtung Besigheim ein, in dem sich die Fahrgäste derjenigen Züge drängeln, die um 6.50 Uhr, 7.01 Uhr und 7.17 Úhr in Besigheim abfahren sollten. Von Bietigheim aus fährt Pulli nach Ludwigsburg, wo er in die  S-Bahn umsteigt. Zu seinem Pech fährt die S 4 aber wegen Bauarbeiten nur bis Kornwestheim, wo er auf Gleis 7 ankommt. Nach dem Übergang zu Gleis 2 steigt er in die „überübervolle S5“ nach Zuffenhausen, wo er wieder auf die Fahrgäste von den vorgenannten ausgefallenen Zügen in Ludwigsburg sowie Kornwestheim trifft. „Völlig entnervt“ trifft er um 8 Uhr in seinem Geschäft ein.

Wenn es nur dieses eine Mal gewesen wäre.  Doch allein zwischen dem 2. Januar und dem 26. Januar hat Pulli 27 Störungen verschiedener Art notiert, darunter allein 19 Zugausfälle, teilweise wie am 24. Januar direkt hintereinander, geht aus seiner Liste hervor. Bei extremer Kälte seien Heizungen ausgefallen.

Pulli und seiner Frau Dorothea meinen deshalb, „dass unsere Region hier auf dem besten Weg zum Entwicklungsland ist.“ Hinsichtlich des Verkehrsinfarktes sei es in der Region nicht mehr fünf Minuten vor zwölf, sondern längst danach. „Und wenn dann noch Fahrverbote wegen der Feinstaubwerte dazukommen sollten, wird gar nichts mehr gehen (oder besser fahren)“, schreibt das Ehepaar. „Die Aussichten erscheinen uns mehr als düster.“

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