Last-Minute in die A 3
Igersheim. In der Relegation zur Kreisliga A3 Hohenlohe hat der TSV Laudenbach das Last-Minute-Ticket gebucht. Die Vorbachtäler besiegten besiegen den SV Westernhausen in Igersheim vor 1100 Zuschauern mit 4:3.
92 Minuten waren gespielt, die 1100 Zuschauer rund um den gepflegten Rasen des Igersheimer Stadions hatten sich schon auf die Verlängerung eingestellt, als der überragende Jochen Wirth einem allzu sorglosen gegnerischen Abwehrspieler das Leder abjagte, nach innen passte und Goalgetter Philipp Mühleck nur noch einschieben musste: 4:3 für den TSV Laudenbach - grenzenloser Jubel bei den Vorbachtälern, die Spieler des SV Westernhausen noch in der Schockstarre, als kurz darauf der souverän leitende junge Unparteiische Felix Staudenmayer aus Ilshofen das packende Spiel abpfiff. Der TSV Laudenbach kehrt 14 Jahre nach dem Abstieg 1996/97 in die A3 zurück, der langjährige Bezirksligist SV Westernhausen ist auf dem sportlichen Tiefpunkt seiner fast 50-jährigen Vereinsgeschichte angelangt und in der nächsten Runde erstmals in der Kreisliga B vertreten.
Während sich die zahlreichen neutralen Zuschauer über eine hochspannende und torreiche Begegnung unter idealen Rahmenbedingungen in Igersheim freuen durften, waren die Fans beider Teams an diesem Abend einem wahren Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Zunächst waren die Laudenbacher oben auf, dann schlug der SV Westernhausen zurück, machte aus einem 0:2-Rückstand eine 3:2-Führung, ehe die Vorbachtäler dann endgültig den Spieß wieder umdrehten.
Schon der Auftakt der Partie hatte es in sich: Bereits nach vier Minuten durfte der Laudenbacher Anhang das erste Mal jubeln: Michael Beck hob einen Freistoß aus halbrechter Position nahe der Strafraumgrenze über die Mauer der Jagsttäler ins Netz. Nur zwei Zeigerumdrehungen später traf Jochen Wirth mit einem weiteren Freistoß, diesmal aus spitzem Winkel von links, die Querlatte des SVW-Kastens. In der 10. Minute war dann Laudenbachs junger Keeper Raphael Götz das erste Mal richtig gefordert, als er im Herauslaufen gegen Steffen Ostertag einen bösen Schnitzer in der TSV-Abwehr ausbügelte. Nun waren aber wieder die Laudenbacher dran: Nach einer Viertelstunde Spielzeit lief sich der agile Jochen Wirth auf dem linken Flügel frei, wurde von seinem Bruder Thomas mustergültig bedient und konnte von Torwart Dikel nur durch ein Foul gebremst werden. Marko Lüdemann verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:0. Ab Mitte der ersten Halbzeit kam der bis dahin enttäuschende A-Ligist besser ins Spiel, die Riesenchance auf den Anschlusstreffer wurde jedoch verpasst, denn Raphael Götz konnte in der 30.Minute einen zu schwach geschossenen Foulelfmeter von Markus Hofmann entschärfen. In der 38. Minute war es jedoch soweit: Nach einem Angriff über rechts scheiterte der in stark abseitsverdächtiger Position angespielte Jan Schmidt zunächst am glänzend reagierenden TSV-Schlussmann, Steffen Ostertag war jedoch zur Stelle und erzielte das 1:2. Nur fünf Minuten später war die Partie wieder offen, als Jan Schmidt ein schönes Zuspiel von Michael Haak aufnahm und Götz mit seinem platzierten Flachschuss keine Abwehrmöglichkeit ließ. Fast wäre der SV Westernhausen noch vor der Pause in Führung gegangen - eine scharfe Hereingabe von links köpfte ein Laudenbacher Abwehrspieler beim missglückten Klärungsversuch ans Lattenkreuz des eigenen Tores.
Möglichkeiten auf beiden Seiten, die besseren allerdings für den SVW, waren in der ersten Phase des zweiten Durchgangs zu verzeichnen. Gleich zweimal war Raphael Götz im Duell mit Steffen Ostertag Sieger: Zunächst verkürzte er im Herauslaufen geschickte den Winkel (47.), dann lenkte er in der 55. Minute einen raffinierten Schlenzer mit einer Glanzparade über die Latte. In der 66. Minute ließ die TSV-Hintermannschaft ihren Schlussmann völlig im Stich: Jan Schmidt mag sich stark gewundert haben, wie unbedrängt er das Leder annehmen und diesen kollektiven Laudenbacher "Defensiv-Blackout" zur 3:2-Führung nutzen konnte. Wer allerdings den SV Westernhausen nun auf der Siegerstraße wähnte, ließ wohl außer Acht, dass sich viele Abwehrfehler auf beiden Seiten wie ein roter Faden durch dieses insgesamt faire Relegationsspiel zogen. Den nächsten machte dann der SV Westernhausen: Bei weniger rustikalem Einsteigen des SV-Verteidigers auf der rechten Abwehrseite knapp innerhalb des Strafraums hätte der technisch sehr beschlagene, leichtfüßige und antrittsschnelle Jochen Wirth in der 74. Minute nämlich sicher nicht den zweiten Elfmeter für sein Team erwirkt. Der Laudenbacher Goalgetter Philipp Mühleck, den Coach Wolfgang Ulm - nach zwei schweren Muskelverletzungen in der Rückrunde - zunächst schonte und erst zur Halbzeit eingewechselte, ließ Torwart Joachim Dikel absolut keine Chance. Nach dem 3:3 waren über eine Viertelstunde lang keine nennenswerten Chancen mehr zu verzeichnen, auch die Dezimierung des SVW- Teams durch die gelb-rote Karte für den erst kurz vor der Pause eingewechselten Matthias Hofmann in der 79. Minute wirkte sich nicht aus. Größter Aufreger war in dieser Phase nur ein unglücklicher Zusammenprall, nach dem ein Laudenbacher Spieler einige Minuten auf dem Feld behandelt werden musste. - Tragisch für den SV Westernhausen, dass ein krasser Fehler in der Nachspielzeit so hart bestraft wurde. Der TSV Laudenbach hat sich dieses Glück aber erarbeitet und nicht unverdient gewonnen.
Statistik
Zuschauer: 1100 ; Schiedsrichter: Felix Staudenmayer (Ilshofen). Tore: 0:1 (4.) Michael Beck; 0:2 (15.) Marko Lüdemann (FE); 1:2 (38.) Steffen Ostertag; 2:2 (43.) Jan Schmidt; 3:2 (66.) Jan Schmidt; 3:3 (74.) Philipp Mühleck (FE); 3:4 (90+2) Philipp Mühleck
Bes. Vorkommnis: Gelb-Rot (79.) Matthias Hofmann (SV Westernhausen)
SV Westernhausen: Dikel, Groß, Zürn (43. Matthias Hofmann), Reibel, Haak, Markus Hofmann, Tittl, Schmidt, Geiselhardt (92.Bieber), Bauer, Ostertag.
TSV Laudenbach: Götz, Lang, Konrad, Täuscher, Jochen Wirth, Thomas Wirth, Sturm (80.Marius Wirth), Beck, Striffler (46. Mühleck); Wolfert , Lüdemann (87. Mollinger).
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Autor: HELMUT WÖRRLEIN | 15.06.2011
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Spieler, Betreuer und Fans ganz außer Rand und Band. Nach dem 4:3 gegen Westernhausen in Igersheim stand unumstößlich fest: Wir kicken eine Liga weiter oben. Fotos: Jens Hackmann
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