Rumänien als Filmland

Würzburg.  Der österreichische Filmregisseur Hans Weingartner stellt heute in Würzburg seinen neuesten Film "Die Summe meiner einzelnen Teile" vor. Die Vorpremiere weist auch auf das Filmwochenende im März hin.

Hans Weingartners neuer Film kommt am 2. Februar in die deutschen Kinos. Mit der Vorpremiere möchte die Filminitiative Würzburg auf das 38. Internationale Filmwochenende hinweisen, das vom 22. bis zum 25. März stattfindet.

In diesem Jahr steht das Filmland Rumänien im Fokus. Seit dem völlig überraschenden Erfolg des Kurzfilms "Traffic" von Catalin Mitulescu beim Filmfestival von Cannes im Jahre 2004 zeigte sich, dass Rumänien zu einem der wichtigsten europäischen Filmländer des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts aufsteigen würde. Der Durchbruch beim europäischen Publikum gelang Cristian Mungiu mit seinem Film "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage", der 2007 mit der Goldenen Palme ebenfalls in Cannes ausgezeichnet wurde. Beide Filme sind Vertreter eines Kinos, das mit minimalen Budgets, aber großer künstlerischer Kraft auftritt.

Heute spricht die europäische Filmkritik wie selbstverständlich von der "Neuen Rumänischen Welle" oder dem "Rumänischen Kinowunder". Die jungen Autoren der Generation der "Dezemberkinder" (ein Verweis auf die Revolution gegen die Ceaucescu-Diktatur im Dezember 1989) gehen nicht nur mit großer Ehrlichkeit und Schärfe die Probleme an, die die Aufarbeitung der Diktatur, der Umbruch und der "wilde Kapitalismus" der Folgejahre mit sich brachten, sondern schaffen dabei auch formal strenge und künstlerisch anspruchsvolle, aber nicht "formalistische" Filme.

In der jüngsten Zeit rückt neben der genannten Aufarbeitung der revolutionären und postrevolutionären Situation in Rumänien auch das Verhältnis des Landes zu den reichen und selbstgefälligen Gesellschaften Westeuropas ins Blickfeld der Autoren.

Auf der Seite der Komödien, die im neuen rumänischen Kino keineswegs fehlen, zeigt sich in alter Frische die Traditionslinie eines surrealen, sarkastischen Humors.

Am Filmwochenende sind markante Beispiele r jüngster Zeit zu sehen, das Drama "Medalia onoare" (2009) von Peter Calin Netzer, "Morgen" von Marian Crisan (2010) sowie die Komödie "Wedding in Bessarabia" (2011) von Nap Toader.

Mit aktuellen Dokumentarfilmen regt das Filmwochenende zu Diskussionen über umweltpolitische Themen an. So ist genau ein Jahr nach dem Erdbeben in Japan und der dadurch verursachten Reaktorkatastrophe in Fukushima der Film "Into Eternity" zu sehen, der im Stile einer Science-Fiction-Reportage beschreibt, wie die Menschheit mit dem von ihr verursachten Atommüll umgeht.

Der Film berichtet über die Baumaßnahmen am finnischen Atommüllendlager Onkalo und geht der Frage nach, wie die Menschheit es überhaupt schaffen soll, ein Bauwerk zu erstellen, das mehrere 100 000 Jahre intakt und sicher bleibt.

Ein weiterer Top-Dokumentarfilm im Würzburger Programm ist "Eco-Pirate: The Story of Paul Watson". Er porträtiert den Gründer der Tierschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society, die sich mit teils radikalen Mitteln für den Schutz der Wale und anderer Meereslebewesen einsetzt.

Eine der interessantesten und anrührendsten aktuellen Produktionen des deutschen Kinos ist ebenfalls in Würzburg zu sehen: der Gewinner des Publikumspreises beim Festival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken 2012, "Puppe, Icke und der Dicke" von Felix Stienz - ein Roadmovie zwischen Paris und Berlin mit skurrilen, einzigartigen Figuren.

Info Weitere Informationen zum 38. Internationalen Filmwochenende erhalten Sie auch am 26. Januar ab 20 Uhr im Programmkino Central, Hofstraße, Würzburg, wo der Vorstand der Filminitiative Würzburg zu Interviews und Gesprächen bereitsteht.


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Autor: SWP | 26.01.2012

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