Schneller als ein Laser
Physiker der Uni Würzburg entwickeln neuartige Lichtquelle
Würzburg. Bauelemente, die Lichtteilchen abgeben können, sind für verschiedene technische Neuerungen wichtig. Physiker der Universität Würzburg haben an einem wichtigen Entwicklungsschritt mitgewirkt.
Warum strebt die Forschung nach Lichtquellen, die einzelne Lichtteilchen abgeben können? "Solche Quellen sind eine Grundvoraussetzung für neue Technologien zur Datenverschlüsselung", erklärt Professor Jens Pflaum vom Physikalischen Institut der Uni Würzburg. Entsprechend ausgestattete Bauteile würden es möglich machen, dass sich Daten bei ihrer Übertragung nicht mehr unbemerkt "fischen" lassen. Zum Beispiel könnten dadurch Online-Bezahlsysteme noch sicherer werden, weil eine Manipulation sofort auffiele und schnelle Gegenmaßnahmen möglich wären. Mit herkömmlichen Lichtquellen wie Lasern sei das nicht zu erreichen, denn sie geben stets sehr große Mengen von identischen Lichtteilchen oder Photonen ab, wie es in der Fachsprache der Physiker heißt.
Ein innovatives Bauelement, das einzelne Photonen ausschickt, stellen Pflaum und seine Kooperationspartner aus Stuttgart und Ulm jetzt in der Top-Zeitschrift "Nature Communications" vor. Die neuartige Lichtquelle hat gleich mehrere Vorteile: Sie besteht aus Standardmaterialien für organische Leuchtdioden, ist relativ einfach herzustellen und lässt sich elektrisch betreiben. Das Wichtigste: sie funktioniert bei Raumtemperatur. Denn vergleichbare optische Bauelemente aus Halbleitermaterialien, wie etwa aus Galliumarsenid, können bislang nur bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt betrieben werden.
Wie das neue Bauteil konstruiert ist? "Im Prinzip ähnlich wie der Pixel eines Displays, das jeder von seinem Handy kennt", erklärt Pflaum. Auf ein Trägermaterial - in diesem Fall ein Glasplättchen - wird eine elektrisch leitfähige Schicht aufgebracht. Darauf kommt eine Matrix aus organischem Kunststoff, in die einzelne Moleküle eines Farbstoffs eingebettet sind. Auf der Matrix wiederum werden elektrische Kontakte angebracht. Schließt man diese an eine Batterie an, fließt Strom zu den Farbstoffmolekülen und regt diese dazu an, beständig einzelne Lichtteilchen abzufeuern. Das haben die Physiker mit Photonenkorrelationsmessungen nachgewiesen.
Für diesen Fortschritt waren drei Kniffe entscheidend. Zuerst wurden mit chemischen Strukturen, bei denen jeweils drei organische Komplexe um ein Iridium-Atom gruppiert sind, die richtigen Farbstoffmoleküle gewählt. Kniff Nummer zwei: die Physiker haben für die richtige Verteilung der Farbstoffmoleküle in der Matrix gesorgt. Lägen die Moleküle zu eng beieinander, würden sie sich gegenseitig beeinflussen. Und drittens: "Wir haben die Grenzfläche zwischen den elektrischen Kontakten und der Matrix gut gestaltet", erklärt Professor Jörg Wrachtrup von der Uni Stuttgart. Das sei wichtig, damit die erforderlichen Elektronen, die Träger der elektrischen Ladung, überhaupt in die Polymermatrix injiziert werden können. In diesem Fall hatten die Wissenschaftler mit einem Kontakt aus einer Doppelschicht Aluminium und Barium Erfolg."Wir werden versuchen, die Matrix mit den Farbmolekülen und den elektrischen Kontakten auf verschiedene Trägermaterialien aufzubringen, um dadurch auch flexible Unterlagen wie etwa Folien einsetzen zu können", so Pflaum. Gelingen dürfte das mit einer Apparatur, die ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker arbeitet.
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Autor: JMU | 03.02.2012
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Das neuartige Bauteil, mit dem sich bei Raumtemperatur einzelne Photonen (roter Pfeil) erzeugen lassen, ist unten schematisch gezeigt und oben im Betrieb. Durch die kreisförmigen Kontakte fließt Strom, der die darunterliegenden Farbstoffmoleküle zum Leuchten anregt. Der optisch aktive Bauteilbereich hat zirka zwei Millimeter Durchmesser. Foto: Benedikt Stender
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