Jetzt "im Hause Württemberg"

Oberstetten.  Die evangelischen Christen in Oberstetten haben wieder einen eigenen Pfarrer. In einem festlichen Gottesdienst in der St.-Bonifatius-Kirche wurde Tobias Schneider von Dekan Reinhard Tröster ordiniert.

Die kleine Gemeinde Oberstetten im Vorbachtal wurde Zeugin eines außergewöhnlichen Ereignisses, das der Kirchenchor musikalisch würdig umrahmte. Normalerweise werden die evangelischen Pfarrer am Ende ihrer Ausbildungszeit, des Vikariats, an ihrem bisherigen Dienstort ordiniert - Tobias Schneider (31) aber war Gastvikar in der rheinischen Kirche und hat dort sein zweites Examen abgelegt. Weil es aber, so der Dekan, "im Hause Württemberg für Pfarrer eine Perspektive und noch viele Pfarrhäuser gibt", sei der junge Theologe "hierher heimgeholt und aufgenommen worden im nördlichsten Dekanat der Landeskirche".

Der ist er schon familiär verbunden: Seine Mutter ist Vorsitzende des Finanzausschusses der evangelischen Landessynode. In den nächsten Jahren wird Tobias Schneider nun mit einem halben Auftrag die Pfarrstelle Oberstetten versehen und zur anderen Hälfte "Pfarrer zur Dienstaushilfe" (PDA) beim Dekan sein. Dabei vertritt er zunächst auch Pfarrerin Eva Zähringer, die voraussichtlich bis Januar 2011 in Elternzeit ist. "Pfarrer und Pfarrerinnen stehen nicht höher als die anderen Gemeindemitglieder" - der Dekan nützte seine Ordinationspredigt zu wohlüberlegten grundsätzlichen Überlegungen über das Amt in der evangelischen Kirche. Allesdings stünden sie "zwischen biblischem Text, dem Kontext unserer Zeit und ihrer eigenen Person, die vom Beruf kaum zu trennen ist". Sie trügen die Verantwortung der Verkündigung und der Verwaltung der Sakramente. Da sollten sie wie die ganze Kirche "bereit sein aufzubrechen, ein neues Lied anzustimmen und Gott auch Wunder zuzutrauen". Ob sich ein Pfarrer nun als "Hirte oder Manager des Gemeindeaufbaus" sehe oder als "radikaler Wanderprediger oder Lehrer", das sei von der individuellen Persönlichkeit abhängig. Tobias Schneider, so Reinhard Tröster, wolle sich "lieber als Begleiter sehen, der ein Stück des Weges mitgeht und der beispielhaft vorlebt, was Christsein heißt". Er reihe sich damit ein in eine "lebendige, offene und vom Evangelium berührte kirchlichen Tradition", die die gesamte Pfarrerschaft des Bezirks vertrete. Altes Testament und biblische Archäologie sowie Praktische Theologie seien die Schwerpunkte seines Studiums gewesen, berichtete Tobias Schneider in seiner Vorstellung. In seinem Dienst wolle er Altes und Neues Testament zusammenbringen und "als Christ die Freude zeigen". Und so rief der Dekan nach der Verpflichtung des neuen Pfarrers auf sein Amt die Gemeinde auf, "Tobias Schneider zu begleiten und für ihn einzutreten". Als Zeugen der Ordination lobte Pfarrerin z. A. Juliane Jersak, Massenbach, die "Vielseitigkeit der Gaben" ihres Kollegen sowie seine "Geduld, Ruhe und Gelassenheit". Sein ehemaliger Mentor Pfarrer Norbert Stephan, Rees, würdigte ihn als "Pfarrer, der auf die Menschen zugeht und das Gespräch sucht".

"Wir haben einen guten Fang gemacht", stellte zufrieden Kirchengemeinderatsvorsitzender Erich Haag beim Empfang im Dorfgemeinschaftshaus fest. Tobias Schneider könne jetzt auch Neues entwickeln. Für den Kirchenbezirk Weikersheim hieß Ruth Hartung, die Vorsitzende der Bezirkssynode, den neuen Pfarrer willkommen. Er sei hier jetzt einer von 25 Pfarrern für die 36 Kirchengemeinden des Bezirks. Ihre Freude über die "tatkräftige Verstärkung" im Niederstettener Kirchendistrikt zeigte Pfarrerin Christa Epple-Franke, Vorbachzimmern. Die Kinderkirche versicherte singend: "Hier bei uns, da geht es fröhlich zu."

Auch im Namen von Ortsvorsteher Günter Jakob hieß Bürgermeister Rüdiger Zibold den neuen Seelsorger und seine Frau, eine Ernährungswissenschaftlerin, in Oberstetten willkommen. Die Hohenloher seien ein "umgänglicher Volksstamm", versicherte er und bot Tobias Schneider eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kommune und Kirche an.


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