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Autor: HUGO KISTNER, 30.01.2013

Zum großen Schatz verholfen

Die neue Filmdokumentation "Herrgottskirche zu Creglingen - Einzigartige Schönheit der sakralen Kunst" von Heimatfilmer Hugo Kistner aus Igersheim wird im März in Creglingen uraufgeführt.


Als Mitstifterin erweist sich die reiche Gattin Margaretha von Menzingen, Tochter des Rothenburger Patriziers Hermann Prell.

Zur Erstellung des Filmdrehbuchs hat Hugo Kistner intensiv recherchiert. Hier die Ergebnisse:

"Die Herrgottskirche südlich von Creglingen im Herrgottstal ist als Meisterwerk der fränkischen Gotik eine sehr bevorzugte Adresse in der deutschen Kulturlandschaft. Dieses auf dem Fundort einer geweihten Hostie gestiftete und schon 1389 geweihte sakrale Kleinod wurde eine regional bedeutende Wallfahrtskirche.

Doch bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts ist ein Rückgang der Fronleichnamswallfahrten zur ,Kirche unseres Herren Gott nachzuweisen. Die Opferstockeinnahmen sanken, bis schließlich 1503 die vom Markgrafen von Brandenburg- Ansbach eingesetzten Kapläne ihren stiftungsmäßigen, geistlichen Aufgaben nicht mehr nachkamen. Zu jener Zeit bekundeten die Bürger Creglingens ihr Interesse an der Wiederbelebung der niedergehenden Wallfahrt mit ihren finanziell sehr lukrativen Begleiterscheinungen, die sie durch eine reichhaltige Ausstattung der Kapelle gefördert wissen wollten.

In diesem Zusammenhang erkennen wir die Anschaffung des Marienaltars, das schönste wie auch berühmteste Schnitzwerk Tilman Riemenschneiders in den Jahren 1505 bis 1508. Zur Bereicherung der Kirche trug auch der vom Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Ansbach eingesetzte Creglinger Amtmann Stephan von Menzingen mit der Stiftung eines sakralen Meisterstücks bei. Von Menzingen und dessen reiche Gattin Margaretha, Tochter des Rothenburger Patriziers Hermann Prell, stifteten das viel beachtete in Secco ausgeführte Kolossalgemälde eines Christophorus auf der südlichen Chorwand. Ihm zu Füßen betet das adelige Stifterpaar in der körpernahen Tracht des 16. Jahrhunderts. Zur Linken kniet der Stifter mit abgelegtem Helm, und von ihm weiter links stehen seine drei Töchter. Das Familienwappen des heute noch in Mentzingen im Kraichgau blühenden Geschlechts, genannt ,Rabenritter, zeigt einen geflügelten schwarzen Raben, gleich im Stammwappen des Ahnherrn Raban. Rechts unten steht die Gattin Margaretha unter der Haube einer Patrizierin.

Ihr Familienwappen mit drei Backschaufeln erfuhr 1886 bei der Überarbeitung mit Kaseinfarben eine auffallende Veränderung. Bei dieser Restaurierung durch den Stuttgarter Professor Hans Kolb wurde auch das Wappen ihres Gatten durch eine Übermalung so verändert, dass das Wappentier, der geflügelte schwarze Rabe, nunmehr für einen Adler gehalten wurde. Erst neuerliche Forschungen erhellten das Geheimnis um die adeligen Stifter dieses sieben Meter hohen in Secco aufgebrachten und 1886 mit Kaseinfarben überarbeiteten ,heiligen Christophorus.

Beeinflusst vom Holzschnitt Albrecht Dürers watet der mächtige Christusträger mit dem Stab durch die gefährliche Flut und trägt dabei - von Meerjungfrauen und Melusinen beschützt - den Heiland der Welt und mit ihm ,die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern. Christophorus zählt zu den 14 Nothelfern und ist besonders Patron der Reisenden und Wallfahrer. Gemäß der Lehre der katholischen Kirche pflegte sicherlich auch das katholische Stifterpaar von Menzingen die Tradition, den Heiligen in der Fürbitte um die Entfaltung seiner übermenschlichen Macht und Kraft anzurufen.

Von Menzingen stand ehedem als oberster Stallmeister zu Diensten des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Ansbach und wurde 1506 zum Amtmann der Herrschaft Creglingen berufen. Er residierte im Stadtschloss Creglingen, hinterließ jedoch bei den Hintersassen in der ansbachischen Herrschaft Creglingen kein gutes Andenken. Sie wurden durch ihn so bedrückt, dass die Stadt ihn schließlich beim Reichskammergericht verklagte.

Schon 1507 erbte er das große Vermögen mit dem reichen Grundbesitz seiner Schwiegereltern. Daraufhin wurde er von der Stadt Rothenburg genötigt, ihr Bürgerrecht anzunehmen. Dazu war er aber nicht bereit, empfand er doch den Gegensatz zwischen dem adeligem Dienst und den bürgerlichen Verpflichtungen - mit der Auferlegung an Steuern und Abgaben - sehr stark. Bald entstand eine fortdauernde und sich steigernde Gegnerschaft mit der Reichsstadt und ihrer Führungsschicht, dem Patriziat.

Seine berechnende finanzielle Großzügigkeit, Verschwendungssucht und auch Ehebruch führten zu einer Entfremdung von seiner Frau, die 1514 nach Rothenburg zog und die Scheidung plante. Immer weiter verwickelte er sich in Streitfälle, die vom Markgrafen Friedrich duldsam geregelt, im Grunde aber ungelöst blieben. Um 1514 verlor er, längst fällig, auch seinen Dienst in Creglingen. Es folgten Streitigkeiten mit dem Markgrafen Casimir, die erst 1519 beigelegt werden konnten.

Schon 1512 hatte Stephan von Menzingen einen neuerlichen Dienstvertrag mit dem Herzog Ulrich von Württemberg mit der Bereitstellung von vier Pferden zum Kriegsdienst abgeschlossen, und zog dann auch 1519 für ihn in den Krieg gegen den Schwäbischen Bund.

Im Jahre 1522 erwarb von Menzingen vom Reichsküchenmeister Philipp von Seldeneck das kleine Schloss Reinsbürg. Es lag im Rothenburger Territorium, war jedoch ein markgräfliches Lehen und wurde 1730 abgebrochen. Hier, neben seinen erworbenen Grundbesitzungen um Weikersholz, gedachte er ein Rittergut auszubauen. Während deswegen der Gegensatz zur Reichsstadt weiter zunahm, verdarb er es sich durch sein adelsstolzes Benehmen und seiner Verschuldung auch immer wieder mit Standesgenossen, Bürgern, Nachbarn, Hintersassen und Gemeinden. Es kam zu einer kaum noch zu überschauenden Flut von Prozessen, am hartnäckigsten verflochten mit der Stadt Rothenburg.

Schließlich verfiel Stephan von Menzingen 1525, wenige Tage nach dem Ausbruch des Bauernaufstandes im Rothenburger Land, einer gewaltsamen Lösung. Er organisierte in der rebellierenden Stadtgemeinde gegen den Rat einen Ausschuss, der vieles bis hin zur Besetzung der Stadttore unternahm und bald auch das regierende Patriziat mattsetzte.

In Rothenburg hatten sich drei Fraktionen gebildet. Die ,evangelische Partei mit angesehenen und wohlhabenden Männern, die unter der Führung von Ehrenfried Kumpf die kirchliche Reformation erstrebte. Zudem hatte sich in Rothenburgs inneren Auseinandersetzungen auch die Fraktion der ,konservativen Partei der Patrizier und Verwaltung konzipiert, der die ,radikale Partei der geringeren und verschuldeten Bürger unter Menzingen ihren Kampf ansagte.

Offensichtlich wollte sich Stephan von Menzingen an der städtischen Ehrbarkeit rächen, wobei die religiösen Motive - die Unterstützung der protestantischen Partei - nur eine sekundäre und die Sympathie mit den aufständischen Bauern und Handwerkern gar keine Rolle spielten. Doch bald verlor er die Kontrolle über seine Verschwörung.

Am 15. 5. 1525, dem Tag der Plünderung und Niederbrennung der Burg Brauneck, stimmte die Stadt Rothenburg fast geschlossen einem Vertrag mit den Bauern zu. Die bäuerliche und innerstädtische Revolte war mit Hilfe des Markgrafen Casimir niedergeschlagen, der als Lehensherr jetzt den Rädelsführer Stephan von Menzingen fallen ließ.

Der Adel rächte sich bitter für die erlittenen Niederlagen. Ungezählte, ja Zehntausende von Bauern mussten im Bauernkrieg ihren Einsatz für vermeintliche Freiheit mit dem Leben bezahlen, ihre Anführer wurden erbarmungslos hingerichtet.

Stephan von Menzingen, Dr. Johannes Teuschlin, der als Prediger die Bauernaufstände angetrieben hat, und 15 weitere Bürger wurden auf dem Marktplatz zu Rothenburg am 1. Juli 1525 auf Befehl von Markgraf Casimir mit dem Schwert liquidiert. Der enthauptete Körper von Menzingens musste zur Abschreckung eine ganze Woche lang auf dem Marktplatz verbleiben.

Der Creglinger Chronist Dr. Walter Nasse bemerkte 1949 in seiner Festschrift: ,Die Creglinger werden ihm nicht nachgeweint haben. Doch vieles spricht dafür, dass der Freiherr und Ritter Creglingen auch zu ihrem größten Schatz, dem Marienretabel in der Herrgottskirche, verhalf. Es ist der Marienaltar, der trefflich genau in der Zeit seiner Administration zu Creglingen in den Jahren bis 1508 geschaffen wurde. Als möglicher Auftraggeber dieses sakralen Meisterwerks gilt sein Dienstherr Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Er war Patronatsherr der Herrgottskirche und lag finanziell, womöglich wegen der Vergleichung mit Tilman Riemenschneider, in der Schuld seines damals gut betuchten Creglinger Amtmanns.

Gewiss haben von Menzingen und seine Gattin dem Wunsch der Creglinger folgend beispielgebend zur Erstarkung der Wallfahrt hin zu der ,loblichen Capellen mit beigetragen. Sie stifteten das überdimensional große Gemälde des heiligen Christophorus, das bis heute in der Herrgottskirche bewundert werden kann."

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