Vom Rekruten zum Ehren-Kommandeur
Niederstetten. Den Beginn seiner Bundeswehrzeit in Niederstetten hat Christian von Stetten in schmerzhafter Erinnerung. Die Blessur ist längst verheilt, tatendurstig startete er nun sein Amt als Tauberfränkischer Kommandeur.
Ihn hatten die wenigsten auf dem Zettel: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten ist seit Donnerstag der neue Tauberfränkische Kommandeur. Als Zehnter in der Galerie namhafter Vertreter aus Politik und Wirtschaft ist der Wahlkreisabgeordnete Schwäbisch Hall/Hohenlohe Bindeglied zwischen dem Bundeswehrstandort und der Region, Repräsentant des Regiments und gerne gesehener Gast in der Hermann-Köhl-Kaserne.
"Die wenigsten werden es wissen", räumte von Stetten den möglichen Vorhalt fehlenden regionalen Bezugs gleich beiseite, "ich habe 1991 hier oben meinen Wehrdienst begonnen." Die Zeit sei ihm allerdings in schmerzlicher Erinnerung: Kurz vor Weihnachten 1991 musste er sich im Lazarett einer Schulteroperation unterziehen. Alles verheilt, versprach von Stetten tatendurstig an sein neues Amt zu gehen und war dabei mindestens ebenso zackig wie sein Vorgänger Johannes Ulrich, Geschäftsführer der Hofmann Menü-Manufaktur.
Angesichts der positiven Standortentscheidung sehe er seiner Aufgabe mit großer Freude entgegen, so von Stetten, dessen Engagement für den Erhalt der Kaserne und des Regiments Bürgermeister Rüdiger Zibold würdigte. Die beiden Bundestagsabgeordneten Alois Gerig und Christian von Stetten, Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Wolfgang Reinhart, Assamstadts Bürgermeister Joachim Döffinger und Rüdiger Ollhoff aus Bad Mergentheim seien wichtige Fürsprecher für Niederstetten gewesen, so Zibold in einem kurzen Grußwort vor mehreren hundert Gästen in der Hermann-Köhl-Kaserne. "Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ganz offiziell den Dank der Stadt, der Bürger und des Gemeinderats zum Ausdruck zu bringen." Für Oberst Werner Hellinger hatte Zibold eine Überraschung im Gepäck: Da sich die Heeresflieger für den Tauberfränkischen Abend seit Jahren immer eine Fahne der Gemeinde ausleihen, gab es nun für die künftigen Abende eine Ortsfahne als Geschenk. Niederstettens Stadtoberhaupt war auch eine Woche nach der Bekanntgabe des Fortbestands noch die Erleichterung anzumerken. Kaum anders war es bei Gastgeber Oberst Werner Hellinger: "Es wäre mir schwer gefallen, die Auflösung des Standorts Niederstetten zu vermitteln." Ihm sei eine "ganze Lawine von Steinen vom Herzen gefallen". Hellinger nutzte den Anlass, den vielen Unterstützern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch den Soldatinnen und Soldaten sowie den Zivilbeschäftigten zu danken. "Sie alle haben den Flugplatz und das Regiment in die ,neue Bundeswehr überführt."
Mit Prägnanz und Augenzwinkern ließ Johannes Ulrich seine Zeit als Tauberfränkischer Kommandeur ausklingen. Den Einsatz der "GSG 4" - vier Golf spielende Golfer oder ein als "Leben aus dem Lande" titulierter Angelausflug eines "Halbschuhgeschwaders" an und in den Vorbach schilderte er als gesellige Höhepunkte. Besuche bei Eurocopter und in seiner Menü-Manufaktur wiederum gaben den teilnehmenden Vertretern des Regiments Einblicke in Wirtschaft. Auch der Umbau der Bundeswehr prägte seine Amtszeit, so Hofmann mit dem Hinweis auf das letzte feierliche Gelöbnis in Niederstetten. Absoluter Höhepunkt sei für ihn der Flugtag im September gewesen: "Falls jemand in naher Zukunft eine private Feier ab 25 000 Gästen plant: Sie sind bei den Organisatoren des Flugtags bestens aufgehoben."
Einen dicken Pluspunkt des Standorts Niederstetten - die zivil-militärische Zusammenarbeit am Flugplatz - stellte Michael Schäfer, ehemaliger Heeresflieger und heutiger Chefpilot bei ebm-papst, in den Mittelpunkt seines Vortrags: Die Landebahn, als Ausweichplatz für die Luftwaffe gedacht, geriet schon Ende der 60er ins Interesse der Sportflieger, was zur Gründung der Flugplatz-Betriebs-Gesellschaft Niederstetten-Mergentheim mbH und der Eröffnung des zivilen Flugverkehrs 1970 führte. Er sparte aber auch nicht aus, dass die Zivilluftfahrt 1979 zunächst für ein Jahr wegen einer Rollbahnsanierung quasi ausgesperrt wurde und danach fast vier Jahre lang der zivile Luftverkehr so gut wie unterbunden wurde. Statt dessen parkten Fahrzeuge auf der Bahn - ein schmerzliches Bild, an das sich auch Oberst Hellinger erinnern kann. Schäfer schilderte Höhenpunkte und Besonderheiten der Zusammenarbeit bishin zur Installation eines Instrumenten-Landesystems, damals ermöglicht von Professor Reinhold Würth, und der jüngsten Erweiterung der Runway. "Mit 1300 Metern Autobahn kommen Sie 1,3 Kilometer weit. Mit 1,3 Kilometern Piste, kommen Sie in die ganze Welt."
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: OLIVER BAUER | 05.11.2011
| Artikel twittern |
|
|
Übergabe des Kommandeurs-Stabs: Vorgänger Johannes Ulrich, der neue Tauberfränkische Kommandeur Christian von Stetten und Oberst Werner Hellinger beim Tauberfränkischen Abend in der Hermann-Köhl-Kaserne. Fotos: Oliver Bauer
MEISTGELESENE ARTIKEL
Zwischen Bachtal-Schönheit und Miss Deutschland
Sie ist Miss Bayern. Jetzt tritt sie auch bei der Wahl zur schönsten Frau Deutschlands an. Die Rede ist von Sarah-Lorraine Riek aus Syrgenstein. Ob sie nun die Krone ins Bachtal holt oder nicht – die 19-Jährige ist gewappnet.... mehr
Kritik nach dem Flop Motorentage: Veranstalter enttäuscht von Stadt und Polizei
Göppingen Die "Motorentage" waren ein Reinfall. Das gibt Michael Schellberg von den "Mad Mäxla" offen zu. Der Verein steht vor der Auflösung. Der Vorsitzende macht Polizeikontrollen für das Desaster mitverantwortlich.... mehrGarantierte Grundrechte gratis
Pforzheim Umsonst in der Fußgängerzone: Grünen-Abgeordneter Memet Kilic verteilte in Pforzheim Grundgesetz-Bücher in verschiedenen Sprachen.... mehr
Erste Patienten verlegt - Dermatologie zieht in Chirurgie
Ulm Der Krankenhaus-Standort Söflingen ist Geschichte: Als erste Abteilung ist die Uni-Hautklinik am Freitag mit zehn stationären Patienten in die neue Chirurgie eingezogen. Ein Testlauf für den Groß-Umzug am 15. Juni.... mehr
Bayerische FDP: Homburger ist ein "Vollpfosten"
München FDP-Vize-Parteichefin Homburger gesteht ihren Hass auf den FC Bayern, die bayerischen Parteifreunde wüten. Sie wird zum "Vollpfosten" erklärt.... mehr

ZURÜCK


