Ponys als Partner fürs Leben

Pferdemarkt Creglingen: Kinderhände verwandeln Vierbeiner in Schönheiten

Creglingen.  Die Sonne scheint, aber der Wind pfeift schneidend über die Höhe. Die Kälte hält eine Handvoll Kinder aber nicht ab, sich um ihre Ponys zu kümmern. Die Tiere werden für den heutigen Pferdemarkt herausgeputzt.

"Wir züchten norwegische Fjordpferde und original Shetlandponys", erklärt Jutta Betzing. Es ist die größte Zucht in der Region: Zwanzig Fjordponys tummeln sich auf dem Hof und in den Koppeln im Creglinger Ortsteil Erdbach, darunter ein für die Zucht zugelassener ("gekörter") Deckhengst. "2011 wurden fünf Fjordpferdefohlen bei uns geboren." Dazu kommen zwölf original Shetlandponys. Zwei Hengste sind "im Deckeinsatz". Chef der Ponys ist der weiße, kinderliebe "Grimsel". Er ist 25 Jahre alt und hat schon für zahlreiche, hochprämierte Nachkommen gesorgt.

Nico spielt heute Cowboy und springt in einer Teepause übermütig über die Strohballen. Justin, Hanna, Kim und Johanna wärmen sich lieber die Hände an ihren Tassen. Dann geht es wieder an die Pferde - den Kindern macht das Striegeln sichtlich Spaß.

Jutta Betzing hatte "schon immer den Traum Reitlehrerin zu werden". Nach dem Abitur machte sie in Schwäbisch Gmünd eine Lehre zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Reiten. Dort lernte sie den Landwirt Heinz Hügelschäfer aus Creglingen kennen, damals ein Pionier der Biolandwirtschaft. Vor 15 Jahren übernahm das Paar Hügelschäfers elterlichen Betrieb in Erdbach. Der Hof wird im Nebenerwerb geführt. Wildpflanzenanbau und Ponyzucht sind die wichtigsten Erwerbszweige.

"An den Nachmittagen findet Reitunterricht für Kinder statt, der Schwerpunkt liegt auf dem pferdegerechten Umgang mit dem Tier und auf dem sicheren und korrekten Reiten in der Natur", erzählt Jutta Betzing.

Warum nordische Pferderassen? "Fjordpferde und Shetlandponys sind robuste, leistungsbereite Pferde, die menschenfreundlich, wenig schreckhaft und ideal für das Wanderreiten geeignet sind", sagt die Züchterin. In ihren Herkunftsländern Norwegen und Schottland werden sie als Arbeitspferde eingesetzt. "Sie haben einen kräftigen Körperbau und können große Leistungen bringen." Die Pferde werden an Menschen verkauft, "die einen Partner für ihr Leben mit dem Pferd suchen", so Betzing. Die Tiere seien ideal zum Wanderreiten.

Shetlandponys sind für die Züchterin eine sehr gute Ergänzung für Reitkinder, "weil die kleinen Pferde Kindern das Gefühl von Harmonie und Erlebnissen in der Natur geben können". Sie passen von den Größenverhältnissen "wunderbar zu Grundschulkindern". Kinder können sicher mit ihnen umgehen und werden nicht überfordert. Und: "Ein Shetlandponyhuf auf dem Zeh ist kein Weltuntergang - das sieht bei Großpferden schnell ganz anders aus."


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Autor: MICHAEL WEBER-SCHWARZ | 08.02.2012

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