Mit diesem Ansturm nicht gerechnet
Weikersheim. Nie hätte sie damit gerechnet, dass sich so viele Gäste zum "Nachhaltigkeitsforum Ländlicher Raum" anmelden würden, so Martina Klärle bei der Begrüßung der 140 Gäste im Gewehrhaus Schloss Weikersheim.
In den vergangenen Jahren hatte Professor Martina Klärle bereits zweimal hochkarätige Symposien veranstaltet - 2004 anlässlich ihrer Berufung zur Professorin, 2006 anlässlich des zehnjährigen Firmenjubiläums und der Gründung des Steinbeis-Transferzentrums. Anlass 2012 ist die Umwandlung des Unternehmens mit seinen inzwischen 17 Mitarbeitern in eine GmbH.
Bereits seit dem Jahreswechsel firmiert das Unternehmen als "Klärle - Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt mbH", den feierlichen Übergabeakt an die neuen Geschäftsführer Claudine Balbach und Andreas Fischer-Klärle reichte die Inhaberin jetzt nach. Grund für die Umwidmung ist das hessische Hochschulgesetz, das seinen Professoren die nebenberufliche alleinige oder auch teilweise Geschäftsführertätigkeit nicht gestattet. Letztlich war der Zwang von außen der Professorin wohl gar nicht so unlieb: Schon etliche Jahre hatte die langjährige Mitarbeiterin Claudine Balbach die "Verwaltungsphobie" der Chefin aufgefangen. Die bleibt natürlich als Gesellschafterin an Bord. Das Team setzt auf kurze Wege: Auch Ehemann Andreas Fischer-Klärle ist Geschäftsführer. Der diplomierte Maschinenbau-Ingenieur mit reichem Erfahrungsschatz aus der Autoindustrie und die Diplom-Vermessungsingenieurin teilen sich die Aufgaben - und werden in naher Zukunft ein zusätzliches Feld bestellen: Die Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt wird die der Herausforderung der Elektromobilität annehmen.
Glückwünsche zum Start in neuer Form hatten bereits zu Beginn der Forumsveranstaltung Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger, der Erste Landesbeamte Ulrich Derpa und der Mergentheimer OB Udo Glatthaar - Stadt, Kreis und Kurstadt haben bereits mehrfach von Klärle-Projekten profitiert - in ihren Grußworten überbracht. Um auch im Energiebereich umzusetzen, was die Technik möglich macht, muss der Staat schon mal übergeordnete Interessen gegen individuellen Widerstand durchsetzen. Ortwin Peithmann, Doktorvater der vor einigen Jahren selbst zur Professorin berufenen Schäftersheimer Wissenschaftlerin, setzt da zunächst auf Informations- und Orientierungsmittel vom Infoflyer bis zum Modellprojekt. Zur Verfügung stehen auch ökonomische und fiskalische Instrumente.
Als Mittel zur Umsetzung ganzheitlicher Energiekonzeptionen empfiehlt Martina Klärle etwa beim Thema Windkraft auch die Überplanung von Teilflächen - und zwar möglichst interkommunal. Umfassende Potentialanalysen lassen sich mit Abstandsgeboten und etwa Analysen von Sichtbeziehungen so zusammenführen, dass mancher Konflikt gar nicht erst provoziert wird.
Konfliktpotenziale gibt es reichlich. Ob Windradbau, ob Photovoltaik: sie stehen immer wieder in Konkurrenz zu Naturschutzbelangen, wie der Diplomgeograf Joachim Ettwein erläuterte. Er hält die meisten Konflikte für lösbar: Eingrünung und Anpassung an die Landschaft bei Freiflächenphotovoltaik, Vermeidung von "Verspargelung" durch Konzentration von Windenergieanlagen machen viele Eingriffe für Bürger akzeptabel, clevere Umsetzungen ermöglichen relativ friedliche Koexistenz von Flora und Fauna mit der Technik. Um Einzelfallprüfungen allerdings führe kein Weg herum. Die Diplom-Geoinformatikerin Sandra Lanig stellte Beteiligungsmodelle für Bürger und Behörden vor: Am von Martina Klärle und ihrem FH-Team entwickelten Online-Rechner etwa kann jedermann mit dem regionalen erneuerbaren Energiemix experimentieren. Die Online-Modelle für den Main-Tauber-Kreis waren in den Veranstaltungspausen gefragt.
Die aktuell noch herrschende "Kompetenz- und Steuerungszersplitterung" beklagt Klaus Mandel, Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken. Zwar gilt der Regionalplan noch bis September, ob aber bis dahin die Kommunen durch verbindliche Planungen ein rechtliches Vakuum verhindern können, hält er für fraglich.
Regionale Praxisbeispiele stellten Ahorns Bürgermeister Elmar Haas, Solarparkprojektierer Jochen Link, Wasserkraftwerk-Spezialist Karl Kuhn am Beispiel Igersheim und Friedhelm Preuss, Mitinitiator des Neubronner Windparks und Mitgründer der Naturkraft Tauber GmbH vor. Mit dem "Nachhaltigkeitsforum Ländlicher Raum" hat die neue "Klärle - Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt mbH" offensichtlich ins Schwarze getroffen: Etliche der 140 Teilnehmer hatten selbst die doch recht weite Anfahrt aus Freiburg, Ravensburg, Kaiserslautern nicht gescheut. Zur Zielgruppe von kommunalen und regionalen Entscheidungsträgern hatten sich auch interessierte Bürger gesellt, die sich freuten, statt Fachchinesisch nicht nur von Franz Alt klare Worte zu hören.
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Autor: INGE BRAUNE | 14.01.2012
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Rund 140 Personen - überwiegend regionale Entscheidungsträger - nahmen am "Nachhaltigkeitsforum Ländlicher Raum" teil, zu dem Martina Klärle anlässlich der Firmenumwandlung in eine GmbH eingeladen hatte. Fotos: Inge Braune
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