Mit der Reiherfeder

Igersheim.  10 000 Bachforellenbrütlinge setzt der Fischereiverein jährlich in der Tauber aus. Das Projekt "ist erfolgreich", weiß Gewässerwart Josef Dürr. "Produziert" werden die Fischchen in seiner Igersheimer Zucht.

Fische, die natürlich aufwachsen, können sich optimal an ihr Gewässer anpassen und dann auch erfolgreich vermehren. Mit seinem Bachforellen-Projekt will der Fischereiverein Bad Mergentheim den Bestand der heimischen Fischart nachhaltig auf breitere Schultern stellen. Die von Anglern und Gourmets sehr geschätzten Tauber-Bachforellen brauchen noch Hilfestellung. Der Verein setzt dafür Brütlinge aus. Die haben eine höhere Überlebenschance als die Naturbrut, denn die kritische Phase, also die Zeit vom Laichen über das Freischwimmen bis zu einem Wachstum auf rund drei bis fünf Zentimeter, haben sie schon erfolgreich hinter sich gebracht.

Von Dezember bis Anfang Februar herrscht im Bruthaus Hochbetrieb. "Das ist abhängig von der Wassertemperatur; bei uns ist die in der Regel im Januar ideal", erklärt Dürr. Er und sein Schwiegersohn Sandro Girardi sind dann ständig gefordert. Die beiden Fischwirte kontrollieren die befruchteten Eier mehrmals täglich. In den Edelstahl-Einsätzen in den Aufzuchtbecken im Bruthaus reifen zwischen 15 000 und 20 000 Eier heran - Basis für Besatzfische in allen Größen. Hygiene ist wichtig: Die Stiefel werden in einem Bottich am Eingang desinfiziert. Abgestorbene Eier müssen mit Pipetten entfernt, Zufluss und Qualität des etwa zwölf Grad kalten Quellwassers immer wieder überprüft werden. "Die Quelle entspringt gleich neben dem Bruthaus", sagt Dürr.

In der Natur fallen die Eier in die Laichgrube, die vom Weibchen durch Schläge mit der Schwanzflosee im Kiesbett angelegt wurde. Der Rogen wird von den Männchen befruchtet - Eier und Sperma stoßen die Forellen, dicht aneinander über der Laichgrube stehend, zeitgleich aus. Der befruchtete Laich reift dann heran. Fressfeinde nehmen sich ihren Anteil, Hochwasser kann die Gelege zerstören, abgelagerter Schutz oder Schlamm lässt die Eier verfaulen. "Die Natur machts mit Masse. Die muss aber da sein", weiß Dürr. In der Zucht sind die Bedingungen anders.

Dürr wässert ein Handtuch, während Girardi mit einem Kescher Fische aus einem der großen Becken holt. "Das Handtuch muss feucht sein, damit die Schleimschicht nicht zerstört wird, wenn ich den Fisch halte", erklärt der Züchter. Drei bis vier Jahre alt sind die Laichfische. Die heimischen Bachforellen hat Dürr "gehegt und gepflegt". Um die 40 Zentimeter groß sind die Weibchen (Rogner) und Männchern (Milchner). "Sie passen genetisch in die Region und sind optimal an unser Wasser angepasst."

Die erste Bachforellen-Dame wird über einer Schüssel "abgestreift" - auf den sanften Fingerdruck entlang der Flanken reagiert der Fisch mit der Eiabgabe: Der Rogen fällt in die "Befruchtungsschale". Ganz wichtig: "Da darf kein Wasser drin sein", erklärt Dürr. "Sobald Wasser an ein Ei kommt, schließt es sich ab; das Sperma kommt dann nicht mehr durch die Eihülle." Nach den Rognern sind die Männchen an der Reihe. Deren Milch wird ebenfalls in der Schüssel aufgefangen. "Ein Milchner reicht für bis zu 50 000 Eier, zur Sicherheit nehme ich immer drei Männchen", sagt der Züchter. Zur Befruchtung vermischt er Milch und Rogen mit einer Feder. Üblich sind Gänsefedern, Dürr nimmt eine Reiherfeder, die er bei seiner Zuchtanlage am Aschbach in Markelsheim gefunden hat. Die großen Vögel sind häufig am Bach zu sehen.

Die befruchteten Eier werden in Edelstahl-Rahmen gelegt, wo sie drei bis vier Wochen von frischem Quellwasser umspült und täglich kontrolliert werden. Dann schlüpfen die Fischchen. "Sie können noch nicht schwimmen und ernähren sich von ihrem Dottersack." Ist dieses Stadium erreicht, kommen die Fische in wasserdurchströmte Glaszylinder. Nach etwa zehn bis 14 Tagen ist der Dottersack aufgezehrt - erst dann beginnt die Brut zu schwimmen und zu fressen. Die Fische werden in die Becken im Bruthaus umgesetzt. "In der Natur fressen sie erst Plankton, dann kleine Bachflohkrebse und Insekten", weiß Dürr. Sechs bis acht Mal täglich werden die Fischchen mit einer Spezialmischung aus Fischmehl und -öl mit einer Korngröße ab 0,4 Millimeter gefüttert. Mehrere Stunden sind Dürr und Girardi täglich im Bruthaus tätig; sie sorgen für Sauberkeit in den Becken und wachen über die Gesundheit und das Wachstum der Brut. In weiteren rund drei Monaten wachsen die Bachforellen auf drei bis fünf Zentimeter an - groß genug, um in der Tauber ausgesetzt zu werden.


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Autor: HANS-PETER KUHNHÄUSER | 04.02.2012

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