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INTERVIEW: Gemeinsam den demografischen Wandel bewältigen

Demografischer Wandel, Transparenz und Offenheit bei Entscheidungen sowie das ehrenamtliche Engagement waren die Schwerpunkte des Interviews mit Igersheims Bürgermeister Frank Menikheim.

Autor: HANS-PETER KUHNHÄUSER |
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Igersheim gilt als"Wohlfühlgemeinde". Das liegt sicherlich auch daran, dass es hier viele Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren - in Vereinen oder im Bürgernetzwerk. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?

FRANK MENIKHEIM: Es wird darum gehen, den demografischen Wandel zu bewältigen. Das betrifft ganz besonders auch das Ehrenamt. Die jungen und mittelalten Menschen werden weniger und sie haben oft nicht die nötige Zeit, weil sie durch Beruf und Familie schon stark beansprucht sind. Deshalb muss es gelingen, dass insbesondere noch mehr Ältere sich engagieren und sichso zu bewältigende und überschaubare Engagements ergeben, also eine Verteilung auf viele Schultern.

Von solchen Engagements würden alle profitieren, die Gesellschaft sowieso, aber auch die Ehrenamtlichen selbst. Sie könnten aktiv am Leben teilhaben und noch Gutes dabei tun, auch für sich selbst, denn zwischenmenschliche Kontakte sind der beste Schutz vor Vereinsamung und geistiger Alterung. 60- bis 70-jährige Alleinlebende verbringen drei Viertel ihrer Zeit allein. Wenn wir es schaffen könnten, dass viele Menschen, die jetzt noch in ihrem"Schneckenhaus" sitzen, in diesem Punkt umdenken und sich einbringen, wäre viel erreicht.

Was kann die Gemeinde tun, um ehrenamtliches Engagement zu fördern?

MENIKHEIM: Wir stellen sehr vielen Vereinen Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung, auch unsere Sportstätten. Auch eine kleine jährliche Geldzuwendung bekommen die Vereine. In den Ortschaften gibt es Gemeinschaftshäuser zur Pflege des Dorf- und Vereinslebens, als Treffpunkt und für Veranstaltungen. Punktuell unterstützen wir bei Baumaßnahmen. Jüngstes Beispiel war der Bau eines Ausweichrasensportplatzes durch den SV Harthausen, den die Gemeinde Igersheim mit 35 000 Euro unterstützt. Wichtig ist auch unsere hauptamtliche Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche, Frau Kaufmann-Kreußer, die häufig auf Anfrage Kontakte herstellen undHilfestellungen bei einzelnen Themen leisten kann. Auch ich als Bürgermeister pflege engen Kontakt zu den Ehrenamtlichen und den Vereinen und habe stets ein offenes Ohr für deren Anliegen.

Transparenz, Offenheit und das"Mit-auf-den-Weg-nehmen" der Bevölkerung bei grundsätzlichen Entscheidungen sind Stichworte, die in der allgemeinen Diskussion zum Verhältnis Regierung/Verwaltung und Bürger häufig fallen. Wie weit ist Igersheim in diesem Bereich?

MENIKHEIM: Transparenz und Offenheit sind bei uns gegeben, Bürgerbeteiligung wird großgeschrieben.

Bei der"Zukunftswerkstatt" im Jahr 2007 hat die Bürgerschaft gesagt, was in der Gemeinde angepackt und umgesetzt werden soll. Vieles davon wurde aufgegriffen. Auch im Rahmen des Audits"Familiengerechte Kommune" haben wieder Bürger an einer neuen Zielvereinbarung mitgewirkt. Gemeinderat, Bürgernetzwerk und Verwaltung sind stets offen für Anregungen und Anliegen der Bürger und genießen nach meinem Eindruck deren Vertrauen, was ich für sehr wichtig halte.

Einen maßgeblichen Anteil daran hat auch die Tatsache, dass es bei uns im Gemeinderat keine"Parteipolitik" gibt, sondern jeder nach seinem Sachverstand und dem berühmten"gesunden Menschenverstand" entscheidet.

Die Bürger haben ein gutes Gespür dafür, dass dies zu den besten Ergebnissen führt und honorieren dies. Die Verwaltung ist ebenfalls anerkannt als leistungsfähig und hilfsbereit.

Das alles istüber Jahrzehnte so gewachsen. Insofern glaube ich, dass sich die Igersheimer sowohl gut vertreten, als auch"mitgenommen" fühlen.

Das Kinderbetreuungsangebot ist gut ausgebaut, die Nachfrage ist da. Wenn Igersheim als Wohnort weiter attraktiv bleiben will, muss hier weiter gehandelt werden. Gibt es da schon konkrete Vorstellungen und Zeitpläne?

MENIKHEIM: Wir haben in der Tat ein sehr gutes Angebot. Wir können Ganztagesbetreuung vom ersten Lebensjahr bis zur 9. Klasse durchgehend anbieten, auch bei der Kleinkindbetreuung für unter Dreijährige ist der momentane Bedarf gedeckt. Mittelfristig rechnen wir gerade bei den Kleinkindern mit steigendem Bedarf, ebenso bei der Ganztagesbetreuung von Schulkindern.

Dem Bedarf bei den Kleinkindern können wir möglicherweise Rechnung tragen, indem wir 2014 eine Altersgemischte Gruppe in eine reine Kleinkindgruppe umwandeln.

Bei den Schulkindern muss man sehen, dass wir einen Antrag auf Einführung einer Gemeinschaftsschule stellen werden. Wenn alles klappt, haben wir dann ab 2013 ein Ganztagesangebot für alle Schüler, bis Klasse 4 freiwillig und ab Klasse 5 für die künftigen Gemeinschaftsschüler verpflichtend. Das Angebot unseres Horts muss dann so angepasst werden, dass es die schulischen Angebote ergänzt.

Wir wollen auch weiterhin versuchen, die verschiedenen Bedarfslagen möglichst gut abzudecken. Die Gemeinschaftsschule als Schulform ist eine große Chance für den Schulstandort Igersheim, die wir ergreifen müssen.

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