Für Zukunft der Stadt begeistern
Weikersheim. Immerhin gut 60 Bürger - Vertreter von Vereinen und Organisationen, etliche Ortsvorsteher, Gemeinderatsmitglieder und Mitarbeiter der Stadtverwaltung - folgten der Einladung zur Bürgerkonferenz.
Bürgerbeteiligung, so Bürgermeister Klaus Kornberger in seiner Begrüßung, habe in Weikersheim Tradition: Lokale Agenda 21, die als Leuchtturm zu wertende Gänsturm-Sanierung, die Marktplatzgestaltung. Die Bürgerkonferenz solle sensibilisieren, Perspektiven und Chancen einer nachhaltigen Stadtentwicklung ausloten und so dem Gemeinderat wertvolle Ansätze zur weiteren nachhaltigen Entwicklung von Kernstadt und Teilorten geben und "die Bürger für die Zukunft dieser Stadt begeistern".
Dass sich in den vergangenen zwölf Jahren bereits viel in Weikersheim getan hat, belegte Kornberger anhand eines bebilderten Rückblicks auf den dynamischen Entwicklungsprozess. Baugebiete, Gewerbepark, Kindertagesstätte, Seniorenheim und Generationenpark - nach der Aufführung des Erreichten dürfte mancher fast gezweifelt haben, dass es überhaupt erforderlich ist, in Weikersheim um ein perspektivisches Konzept zu ringen. Doch ohne ein solches dürfte es auch der generell gut aufgestellten Kommune schwer fallen, dem demographischen Wandel ein Schnippchen zu schlagen.
Zwar stehe Weikersheim angesichts der demographischen Zeitenwende noch recht gut da, so Jürgen Mühlbacher von der Kommunalentwicklung. Fast im Landesschnitt liegt die Kommune, der Landkreis insgesamt hat bereits deutliche Einwohnerverluste hinzunehmen. Da ist klares Gegensteuern zwingend.
Für Zuwachs sorgen kann etwa familiengerechte Gesamtgestaltung, die auch der Wirtschaft Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Flächen dafür gibt es: Mit Arrondierungsflächen, vorhandenen Baulücken, cleverer Leerstandsnutzung, potentiellen Entwicklungs- und Nachverdichtungsflächen hat die Potentialanalyse der Kommunalentwicklung über 60 000 Quadratmeter Entwicklungspotential auf 52 Flächen identifiziert, die Ortschaften - allen voran Laudenbach und Elpersheim - bieten noch mal ein annähernd gleich großes Potential. Alles zusammen stehen gut 17 Fußballfelder zur Verfügung, ohne weitere Flächen im schützenswerten Außenbereich anzutasten.
Drei Arbeitsgruppen setzten sich am Samstag hohe Ziele. Eine Gruppe bearbeitete das Themenfeld "Innenentwicklung, Sanierung, Ortsteile, Einzelhandel", die zweite widmete sich dem Feld "Demografischer Wandel, Bildung, Betreuung, Klimaschutz und Ökologie", die dritte setzte sich mit "Freizeit, Kultur, Verkehr, Stadteingang und Tauberwiesen" auseinander.
Für die Innenentwicklung der Gesamtstadt schlug Arbeitsgruppe 1 die Entwicklung eines Flächenmanagements und eine "Baulückenbörse" sowie reichlich Bürgerinformation vor, in den Ortsteilen wünscht man sich Nahversorgung etwa mit Dorfläden. Im übrigen könne die Kernstadt viel lernen von den funktionierenden Dorfgemeinschaften, bei denen jeder mit anpackt, so Nassaus Ortsvorsteher Kurt Kröttinger bei der Ergebnispräsentation. Mit kluger Sanierungssteuerung und ausreichend Parkraum will man den Einzelhandel stärken und außerdem zu lokalpatriotischem Einkauf ermutigen.
Mit einem langfristigen Bildungs- und Betreuungsmasterplan sei es wohl am ehesten möglich, dem demografischen Wandel konstruktiv zu begegnen. Für die Wirtschaft und damit den regionalen Arbeitsmarkt sei eine Stärkung der Werkrealschule unverzichtbar. In Sachen Energie und Klimaschutz wünscht sich die Gruppe engere Kooperation mit dem Bürgerforum und hofft generell auf ein Energiekonzept, das die Energieproduktion und -verteilung in kommunale Verantwortung nimmt. Sichere und barrierefreie Fußgängerwege im Inneren, strategische Landschaftsentwicklung im Außenbereich, die etwa die einzigartigen Steinriegel erhält, gehören ebenfalls zu den Handlungsempfehlungen der Arbeitsgruppe.
In AG 3 wurde schnell Schulterschluss zwischen den Vertretern von Kultur- und Sportbetrieb sichtbar. Dem bereits bei der Begrüßung von Klaus Kornberger angeführten Wunsch nach einer repräsentativen Stadthalle schloss sich die Gruppe vorbehaltlos an. Bauentwicklungen für den Kulturbereich wünscht man sich südlich, für den Sportbereich nördlich der Erschließungsflächen an der Tauber. Das Fazit der Arbeitsgruppe können auch die beiden anderen Gruppen teilen: Es gilt, im Großen zu denken. Joachim Wuester (Jeunesses Musicales Deutschland) brachte es auf den Punkt: "Wer keine großen Visionen hat, bekommt auch keine großen Zuschüsse."
Am 15. September werden die Ergebnisse der Bürgerkonferenz im Gemeinderat vorgestellt. Bürgermeister Kornberger lud die Bürger zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Stadt ein.
Zu wünschen ist, dass sich dann auch Vertreter des Gewerbe- und Handelsvereins einbringen, die am Bürgerkonferenz-Wochenende offensichtlich sämtlich durch andere Termine verhindert waren.
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Autor: INGE BRAUNE | 11.07.2011
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Konstruktive Arbeitsatmosphäre herrschte bei der Weikersheimer Bürgerkonferenz im Plenum wie in den Arbeitsgruppen-Sitzungen. Foto: Inge Braune
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