Pferdemarkt-Empfang im Romschlössle

Creglingens ausgewogene Knechtschaft

Creglingen.  Vor ganz besonderen Herausforderungen steht Creglingen seit 40 Jahren: Am Dienstag jährte sich die Unterzeichnung der Eingemeindungsverträge, das Jubiläum liefert das Motto für den 92. Pferdemarkt.

"40 Jahre Knechtschaft?" fragen die Creglinger in diesem Jahr als Motto bei ihrem traditionellen Pferdemarkt. Das Motto sei keine Idee der Gemeinde gewesen, betont Bürgermeister Uwe Hehn am Mittwoch beim Empfang im Romschlössle. Die Idee sei einem Gespräch mit den am Pferdemarkt-Umzug beteiligten Gruppen entsprungen, so Hehn weiter. Er liefert die Antwort gleich hinzu: "Wer knechtet wen? Ich denke, es ist ausgewogen", meint der Schultes über die vor 40 Jahren erfolgte Eingemeindung von elf eigenständigen Orten. Am 7. Februar 1972 wurden die Verträge unterzeichnet, blickt Hehn zurück.

Seither ist Creglingen von der Fläche betrachtet eine Großstadt und von der Einwohnerzahl her eine Kleinstadt. 4600 Menschen leben heute in der Kernstadt, den elf Teilgemeinden und den dazugehörigen Wohnplätzen. "Wir haben elf Könige, eine Ortssprecherin (Sabine Kutterolf für Creglingen) und einen Kaiser", so Hehn über die Aufgabenteilung in der Stadt und den Teilorten. Und weiter: "Vor 40 Jahren war die Welt im ländlichen Raum noch in Ordnung." Demografie oder Wohnumfeldverbesserung standen nicht auf der Tagesordnung, auch das Thema "Ortskanalisation" wurde entspannter betrachtet. Vorschriften waren etwas legerer.

Strukturwandel und Fortschritt sieht Hehn als große Herausforderungen für die Flächengemeinde. Kanalisation, DSL - all das kostet, und eben in Creglingen nicht einmal, sondern zigfach, um die Anforderungen zu meistern. Trotzdem: "So eine Vielfalt und Engagement treffen sie selten woanders an", sagt Hehn im Kreis der zahlreichen Ehrengäste des Empfangs. "Wir sind eine Stadt der Feste und Feiern, das verdanken wir unseren Bürgern." Er selbst habe gerade eine Runde durch die Ortsteile absolviert und an den örtlichen "Rehessen" teilgenommen. Nun folge mit dem Pferdemarkt der Auftakt zu einem bunten Reigen an Veranstaltungen. Hehn: "Wir haben ein vitales Leben und gehen mit unseren Problemen gut um."

Das zieht sich auch als roter Faden durch die traditionelle Vergabe der Creglinger Pferdchen, mit denen engagierte Bürger und treue Begleiter der Stadt ausgezeichnet werden. Waren im Vorjahr alle Ausgezeichneten irgendwo an Veranstaltungen beteiligt oder ins Programm eingebunden und fehlten deshalb beim Empfang, so kommen diesmal die Geehrten auch direkt in den Genuss der Anerkennung.

Zuvorderst zwei Neu-Creglinger: Bernd Emde und seine Frau Barbara Marquardt-Emde leben erst seit eineinhalb Jahren in der Stadt. Die aus Wiesbaden ins Taubertal gezogenen Eheleute engagieren sich vielfältig, pflegen örtliche Grünflächen, mähen im Romschlössle-Garten den Rasen und sind sogar als "Straßenkehrer" unterwegs, ohne Ansprüche zu stellen. Hehn: "Wer kehrt heute noch Straßen?" Das imponierende Engagement würdigt Hehn mit einem Pferdchen.

Auch Manuela Naser als stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins, nimmt eines der kleinen Rösser in Empfang. "Stellvertretende Vorsitzende - das sei die Bezeichnung für den Arbeitsposten", so Hehn über Manuela Naser.

Als Organisatoren des Rosenblütenfests erhalten Elfriede Metzger und Willi Hain als Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaft der Gartenfreunde Creglingen die Würdigung der Gemeinde. Das Rosenblütenfest sei ein absolutes Aushängeschild der Stadt Creglingen. "Diese Werbung könnten wir als Stadt nicht bezahlen", sagt Hehn über den Stellenwert des Fests und die Arbeit des Vereins, der vergangenes Jahr auch beim Medienpreis der TAUBER-ZEITUNG einen Sonderpreis gewonnen hatte.

Mit Hans Manger (Aub), der dem Pferdemarkt seit 1964 die Treue hält, Roland Ehrmann (Schäftersheim), dessen Familie seit den 1950er Jahren immer wieder Pferde vorführt, und dem Reit- und Fahrverein, vertreten durch Yvonne Schneider, erhalten drei treue Wegbegleiter des Pferdemarkts Urkunden als Anerkennung.

Die Geehrten, wie auch die Gäste des Empfangs, lassen sich auch ein Macco-Törtchen schmecken. "Süßes ist immer gut", so Hehn, der die Bürgermeister Frank Menikheim (Igersheim), Rüdiger Zibold (Niederstetten), Thomas Schreglmann (Külsheim), Joachim Döffinger (Assamstadt), Robert Melber (Aub), Michael Volkert (Bieberehren) und Bürgermeister-Stellvertreterin Irmgard Mittermeier (Rottenburg) begrüßen kann. "Württemberg, Baden, Bayern - wir könnten fast eine UNO gründen." Neben Vertretern der Banken und den Familien Schnell und Wirthwein von den gleichnamigen Unternehmen sowie Christine Misbach (ITW Münster), Polizei und Bundeswehr geben sich vor allem viele Creglinger Bürger beim Empfang ein Stelldichein. Mit den Worten "Frank ist krank", entschuldigt Erster Landesbeamter Dr. Ulrich Derpa das Fernbleiben des Kreisoberhaupts und fasst in seinem Grußwort einige Eckpunkte der Kreispolitik zusammen. Den traditionellen Scheck hat er - im Gegensatz zum Landrat kürzlich in Niederstetten - nicht vergessen. Er sei keine Erstattung der Kreisumlage, aber ein kleiner Trost am Creglinger Nationalfeiertag. "Wir malen uns die Nullen zum Scheck selbst dazu", erwidert Hehn schlagfertig.


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Autor: OLIVER BAUER | 09.02.2012

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