Wieder Wind in Segeln

Streit um Rotoren in Blaufelden-Wittenweiler beigelegt

Blaufelden.  Im Drama um den geplanten Windpark in Blaufelden-Wittenweiler gibt es offenbar doch noch ein Happy End: Nach einem jahrelangen Streit einigten sich die Kontrahenten auf einen Vergleich.

Auf dem Papier existieren die sieben Windmühlen schon seit über zehn Jahren: Der westfälische Unternehmer Michael Behlau, der heute in der Schweiz residiert, hatte schon einige Windräder in Hohenlohe gebaut, als er auf einer Anhöhe nördlich von Wittenweiler ebenfalls fündig wurde. Auch hier weht eine frische und vor allem beständige Brise, die sich gut in Strom verwandeln lässt.

Mehrere Einsprüche von Landschaftsschützern und Gutachten verzögerten jahrelang den Startschuss für das 23-Millionen-Euro-Projekt. Im Dezember 2009 warf Michael Behlau entnervt das Handtuch und verkaufte die Projektrechte an Mike Rico Trentzsch.

Kurz danach entbrannte zwischen den langjährigen Geschäftsfreunden ein erbittert geführter Streit um Unterlagen und Verträge, um Grunddienstbarkeiten und um erkleckliche Geldsummen im sechsstelligen Bereich - und die beiden Kontrahenten überzogen sich gegenseitig mit Strafanzeigen.

Während die Stapel mit den juristischen Schriftsätzen in die Höhe wuchsen, schrumpfte das ehrgeizige Windkraft-Projekt in Wittenweiler auf sieben leere Baugruben zusammen, aus denen im Frühjahr und im Sommer 2011 auch noch die Fundamente und die Armierungen ausgebaut wurden.

Der Zoff gipfelte im Juni 2011 in einem Insolvenzantrag, den das Unternehmen Behlau Real Estate GmbH gegen die Windpark Blaufelden GmbH & Co. KG und deren Geschäftsführer Trentzsch stellte und dem sich als Hersteller der Wege und Fundamente auch die Firma Seewind anschloss.

Vor dem Landgericht in Ellwangen legten die Gegner bei einer zivilrechtlichen Verhandlung in Sachen Grunddienstbarkeiten jetzt aber überraschend ihre Waffen nieder - und schlossen einen Vergleich, über dessen Details Stillschweigen vereinbart wurde.

Zumindest so viel ist aber bekannt: Die Insolvenzanträge werden zurückgezogen, die Projektrechte verbleiben bei der Firma "Windpark Blaufelden", die Firma Behlau wird nicht beteiligt und der "Windpark soll nun in die Umsetzung gehen", wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Mike Rico Trentzsch geht davon aus, dass sich spätestens im Herbst 2012 endlich die Rotoren in dem rund 56 Hektar großen Windpark drehen können. Für die sieben Anlagen mit einer Nabenhöhe von 105 Metern "brauchen wir keine neue Baugenehmigung", wie der Windpark-Geschäftsführer sagte, "sondern nur eine Änderungsanzeige beim Landratsamt." An interessierten Investoren bestehe kein Mangel. Für die immerhin 19 Kilometer lange Kabeltrasse zum nächsten Strom-Einspeisepunkt in Niederstetten zeichne sich eine Alternative im nur acht Kilometer entfernten Schrozberg ab, wo 8 von 14 Megawatt ins Stromnetz fließen könnten, so Trentzsch.


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Autor: HARALD ZIGAN | 10.02.2012

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