Milchbauern schauen über den Tellerrand hinaus

Main-Tauber-Kreis.  Erstmals fand in diesem Herbst eine Zusammenkunft der "European Dairy Farmers" (Europäische Milchlandwirte) in Süddeutschland statt.

Klaus Keim aus Hardheim-Schweinberg im Neckar-Odenwald-Kreis ist schon über zehn Jahre Mitglied bei dieser Organisation und gehört zu den wenigen süddeutschen Landwirten, die über den nationalen Tellerrand hinweg schauen und sich international austauschen. Die "European Dairy Farmers" (EDF) ist ein Zusammenschluss führender Milchbauern, die ihre Erfahrungen und Kenntnisse austauschen wollen. Die Organisation wurde 1990 in Stoneleigh in Großbritannien gegründet, dementsprechend ist die Hauptsprache Englisch. Mitbegründer der EDF waren die DLG (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) und das vTI (Von Thünen Institut früher FAL).

Unter der Leitung von Folkhard Isermeyer vom vTI wurde ein Kostenvergleichsprogramm geschaffen, in dem alle Kosten der Milchproduktion erfasst werden. Inzwischen können über 260 internationale einzelbetriebliche Leistungs- und Kostendaten auf dem jährlich stattfindenden EDF-Kongress verglichen werden. Über welche Probleme diskutieren gerade die europäischen Milchbauern? In Luxemburg war das Jahr 2011 das trockenste Jahr seit 1976 , so wurde nur ein Drittel einer normalen Grassilageernte eingebracht. Wegen der gestiegenen Futterkosten werden verstärkt Fleischrinder geschlachtet.

In Schweden wird verstärkt über den Einfluss der Futterproduktion auf klimarelevante Gase diskutiert. In Polen steht der Milchpreis im Fokus der Milcherzeuger. Während in Mitteleuropa die Trockenheit die Futtererzeugung beeinträchtigte, wuchs in Irland das Gras besonders gut. Dadurch wird die Milchquote um drei Prozent überschritten. Dagegen wird die Milchquote in Belgien leicht unterschritten. In den Intensivgebieten macht die Überdüngung mit Phosphor und Nitrat Sorgen. In der Schweiz herrscht wegen des starken Schweizer Frankens ein chaotischer Milchmarkt mit Butterbergen und fallenden Erzeugerpreisen. In Frankreich wurden wegen der Frühjahrstrockenheit verstärkt Ganzpflanzensilage von Getreide gewonnen. Auch wird mit Hilfe des Luzerneanbaus eine Proteinunabhängigkeit angestrebt. In Großbritannien mussten letztes Jahr viele Tiere wegen "Rinder-TB" geschlachtet werden. Gestiegene Produktionskosten bei Futter, Dünger und Treibstoff gleichen die etwas erhöhten Milcherzeugerpreise nicht aus. Auch die spanischen Milcherzeuger leiden unter den rasant gestiegenen Produktionskosten und den oligopolistischen Nachfragestrukturen. In Deutschland herrschten dieses Jahr extreme und regional sehr unterschiedliche Wetterbedingungen. In manchen Regionen war es zu trocken in andern zu nass. Den deutschen Milcherzeugern macht weiterhin die Biogaserzeugung mit steigenden Pachtpreisen in Gebieten mit hoher Viehdichte zu schaffen.

Die 60 internationalen Teilnehmer am EDF-Treffen im Neckar-Odenwald hatten ein umfangreiches fachliches Programm. Sie besichtigten unter anderem den Betrieb Sans und Schönit GbR in Walldürn und Keim in Hardheim. tze


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Autor: SWP | 07.11.2011

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