Machos, Schrauber, alte Witwen

Assamstadt.  Ob große Politik, Bürgermeisterwahl oder Ortsgespräch. Mit einem bunten Reigen an Beiträgen sorgte auch heuer die erste Prunksitzung des Assamstadter Schlackohrn wieder für bestes Entertainment.

"Ist es die da, oder die da?" Mit diesem Rap begrüßte das Präsidentenduo Wachter & Zeitler das Narrenvolk am Sonntag zur Prunksitzung in Schlackohrhausen, gemeinhin als Assamstadt bekannt. Schließlich sind die Präsidenten nicht nur redegewandt, sondern können auch gut tanzen. Unter Begleitung von Hexen und Fascheboutze zogen die Schlackohrhäuser Regenten mit ihrem Hofstaat ein. "Humor ist Trumpf und soll es bleiben, bei allem, was wir Schlackohrn treiben!" An das Fasnachtsmotto wurde nochmals erinnert.

Das Schlackohrn-Gen wird weitervererbt. Dafür stehen das Kinderprinzenpaar Laura I. & Rene II. sowie deren Eltern, wie der Begrüßungsrede zu entnehmen war. Danach entschwand die drollige kleine Prinzengarde zu "Major Tom" mit dem Raumschiff, um ihren Gardetanz vorzuführen. Natürlich vollführte auch die große Prinzengarde einen klassischen Tanz. Das Prinzenpaar Yvonne I. & Jochen II. sind waschechte Schlackohren und bei den Wagenbauern "Hauptsach geschraubt" aktiv. Umrahmt wurde das bunte Programm der Prunksitzung von den Assamstädter Musikanten. Ob Tigerlied, "So ein schöner Doag" oder altgediente Faschingsschlager - diese Musiker bringen Wallung ins Blut.

Die Krise ist immer noch ein Thema in Schlackohrhausen. Davon sangen die zerlumpten Protagonisten des Schlackohrenchors: "Die ham uns tausendmal belogen" - es hagelte mächtig Manager- und Volksvertreterschelte. Und, warum waren die heiligen drei Könige die ersten Politiker? "Sie legten ihre Arbeit nieder, zogen schöne Gewänder an und gingen auf Reisen." Auch der Beitrag von Ehrenpräsident Horst Wachter ist eher dem politischen Kabarett zuzuordnen: Dass Verpackung und Inhalt nicht übereinstimmen müssen, ist aus der Werbung bekannt. Wachter nutzte dies, um mit scharfer Zunge die Politiker als Verpackungskünstler zu entlarven. Dabei ist es stets köstlich, wie sich der Ex-Präsident in Rage redet, wenn es um die große Politik geht. Neben letzterer ist das Ortsgeschehen stets ein Thema auf den Prunksitzungen. Beispielsweise die Bürgermeisterwahl oder der neu errichtete Spielplatz an der Windischbucher Straße. Da gab es zwei alte Witwen, die zur Wahlparty geladen waren. "Der neue Schulz ist da, nach 24 Jahr" sangen die rüstigen Damen. Die "Häffelesgucker" erheiterten schon das Publikum, als die Asmundhalle noch nicht gebaut war. Beim Beitrag verwandelte sich die Bühne in den neuen Spielplatz, der auch den Faschingsorden ziert. Äußerst putzig und ulkig waren die spielenden Kinder. Da beißt ein Nachwuchsschlackohr im Kinderwagen schon einmal in einen ganzen Laib Brot. Kindermund tut Wahrheit kund, wenn der Junior in die Apotheke geht, um Apfelsaft zu kaufen. Erst kürzlich hat die Mutter gesagt, dass das hier ein Saftladen sei. Schließlich trat bei den "Häffelesguckern" auch der Bürgermeisterkandidat Wutz auf. Letzter war den Wahlkampf eher spirituell angegangen und hatte versucht, mit romantischen Abenden zu punkten - was in der Gemeinde für viel Gesprächsstoff gesorgt hatte. Sonnenbrille, Lederjacke und Jogginghose - so gab Nico in seinem Soloprogramm den coolen Macho mit türkischem Migrationshintergrund. Nicole Scherer umriss die Sorgen und Nöte eines Teenagers und zeigte in ihrem Programmpunkt "Sturmfrei", wie die Jugend von heute feiert. Dabei bedurfte es keiner Extraeinladung für die Präsidenten, die zusammen mit Prinzengarde und Scherer die Bühne kurzerhand in eine Disco verwandelten.

"Mog i di, mogst du mi" - zünftige Hüttengaudi servierte die Gruppe "Tutti Frutti". Was zu "Hirtenmadl" mit gediegenem Tanz begann, kulminierte bald unter dröhnendem Techno-Sound ("Der Berg ruft") in Après-Ski-Stimmung. Hübsche Mädels in Dirndl und bärtige Burschen in Lederhosen - Verkleidung und Tanz gleichermaßen perfekt. Mit einer weiteren Tanzeinlage sorgten "Die Typen" für beste Unterhaltung. Mit "Dirty Dancing" hatten sich die Jungs eine anspruchsvolle Vorlage für ihren Beitrag ausgesucht. "Beeeekantmachung", das ist Polizeidiener Frank mit seiner Schelle. Er wühlte wieder im Gemeindeleben und stellte die Frage, ob nach Schlackohrenpilz und -sau der neue Kinderspielplatz nicht doch Schlackohrenpark getauft werden sollte. Die "Sau" bewacht ihn jedenfalls schon jetzt.

Formel-1-Narr und Schumi-Fan Prinz Jochen ließ es sich nicht nehmen, den zweiten Auftritt seiner Garde selbst anzukündigen: Schließlich waren jetzt "die heißesten Boxenluder von Schlackohrhausen" zu sehen. Akrobatische Glanzleistungen zeigten wie gewohnt die Schlackohrenpurzler kurz vor Schluss. Dabei sorgten sie wieder mit originellen Verkleidungen und Bühnendekoration für ein besonderes Ambiente - diesmal als italienische Pizzabäcker.

Die Darsteller fanden sich zum Finale auf der Bühne ein. Als diese wieder von der Bühne in die Halle tanzten, vermischten sich die Akteure mit dem Publikum zu einer einzigen feiernden Masse.

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Bildergalerie unter

www.tauber-zeitung.de


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Autor: CHRISTOPH FRANK | 09.02.2010

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