Schwesterliche Stubenmusik

Markelsheim.  Es ist ein veritables Familienunternehmen: "Jakobs Stubenmusik" aus Markelsheim sind vier Schwestern, die mit viel Spaß bei der Sache Volksmusik lebendig erhalten. Damit hat das fröhliche Quartett viel Erfolg.

"Unser Opa hat Wert darauf gelegt, dass wir alle ein Instrument erlernen", erklärt Jutta Michler die den vier Mädels praktisch schon in die Wiege gelegte musikalische Vorbelastung. "Hausmusik war für uns nichts Ungewohntes". Irgendwann freilich hatten andere Dinge Vorrang - Liebe, Hochzeit, Familiengründung. Alle vier auf dem Jakobshof in der Bachgasse aufgewachsenen Hofmann-Schwestern sind bodenständig geblieben, haben ihre Ehemänner im Ort gefunden und leben mit ihren Familien hier in Markelsheim.

Im Jahr 2000 schlug dann aber die Geburtsstunde des fröhlichen Quartetts. Conny Lehr bekam zu Weihnachten von ihrem Mann ein Hackbrett geschenkt. Das brachte das musikalische Familienunternehmen ins Rollen. Zusammen mit ihren Schwestern Beate Olkus, Jutta Michler und Karin Staudt begann Conny, in Trachten gewandet, Volksmusik zu machen. Erster öffentlicher Auftritt war bei der Krönung der Markelsheimer Weinkönigin 2001. Seitdem sind die Mädels äußerst gefragt.

Eine weitere familiäre Verzweigung führte dazu, dass die "Stubenmusik" eine kongeniale Partnerschaft eingegangen ist mit einer Blasmusiktruppe, die sich ebenfalls alten Volksweisen verschrieben hat: die "Zwiefach-Boarischen". Deren Flügelhornist Josef Staudt ist Ehemann von Karin. Zusammen treten "Jakobs Stubenmusik" und "Zwiefach Boarische" als "Tauberfränkische Wirtshausmusi" auf und fahren hier einen Erfolg nach dem anderen ein - zuletzt bei einem umjubelten Auftritt in der Alten Füllerei in Distelhausen (wir berichteten).

Viel Probenarbeit wartet auf die Stubenmusikerinnen vor den Auftritten. Denn immer wieder wird das Repertoire erweitert mit neuen, alten Titeln. Vor allem Jutta Michler und Beate Olkus graben fast vergessene, schöne Melodien aus. Das Internet ist ihnen dabei eine Hilfe, der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und der Landesmusikrat Baden-Württemberg bieten Fundgruben für alte Weisen. Aber auch aus dem Publikum kommen oft Lied- und Vers-Vorschläge und bei anderen Chören kann das ein oder andere Lied adaptiert werden.

Mit dem bloßen Reproduzieren ist es freilich nicht getan. Jutta Michler: "Wir schreiben oft die Texte um, vom Bayerischen auf Markelsheimerisch zum Beispiel oder auch vom männlichen auf den weiblichen Interpreten." Das örtliche Idiom ist den vieren wichtig. "Wir singen Dialekt. Wer Hochdeutsch erwartet, hat verloren", lacht Conny Lehr. Bei den oft lustigen Texten sollte das Publikum nämlich gut zuhören (können). Wenn nicht, ergeben sich seltsame Situationen, wie bei einem Auftritt im ostfriesischen Emden: "An einer Stelle, wo eigentlich alle lachen, war es hier total still", erinnert sich Jutta und alle vier denken sich lachend an diese kurze Schrecksituation zurück. In der Regel allerdings hat "Jakobs Stubenmusik" schöne Erlebnisse. Ihre Familien stehen voll hinter den Auftritten, die sie oft zusammen mit den "Zwiefach-Boarischen" als Wirtshausmusi absolvieren. "Unsere Männer sind unsere Roadies", lachen die vier. Dem Publikum gefällt das zünftige und urige Programm, Folgeauftritte sind bei jeder Aufführung fast garantiert.

Immer mehr wurden in den letzten Jahren die rein musikalischen Auftritte zu regelrechten Shows, angereichert mit Gesang und kleinen Szenen, bei denen dann auch die Männer gern mal eingesetzt werden. "Und der Auftritt geht immer mit einer Flasche Wein los", so Conny. "Da sind wir schon Markelsheimer!" An langen, lustigen Abenden wird das gemeinsame Auftrittsprogramm ausgearbeitet, das dann mit viel Spontanität in die Tat umgesetzt wird. Da die Vortragenden mindestens genau so viel Gaudi haben wie das Publikum, springt der Funke rasch über.

Nach Möglichkeit wird die Musik pur gespielt. Mikrofon und Lautsprecher werden nur eingesetzt, wenn es die Raumgröße erfordert. Vor 600 Menschen in der Wandelhalle aufzutreten, ist für die Markelsheimer Volksmusiker mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Sie spielen aber auch im kleinen Wirtshausstüberl oder etwa auf dem Fellhorn, hoch über Oberstdorf. Sie singen mit Chören in Kirchen der Umgebung oder gestalten, wie in diesem Jahr, die Maiandacht am Fürstenbild zwischen Harthausen und Oesfeld mit. An Festzügen nehmen sie mit eigenem Wagen teil, zusammen mit den Zwiefach-Boarischen haben sie die Patenschaft für die Beschilderung des Markelsheimer Weinfasses an der B 290 übernommen. Ein Highlight war der Fernsehauftritt der Schwestern in der SWR-Sonntagstour im Mai 2008.

Eine besonderes schöne Tradition wird in diesem Jahr fortgesetzt: Die Stallweihnacht im Jakobshof. Die fand 2004 zum ersten Mal statt. "Wir dachten, es kommen 100 Leute", erinnert sich Conny Lehr. "Dann wurden es 500." Beim zweiten Termin, 2006, waren es schon 800. Im vergangenen Jahr war terminlich keine Fortsetzung möglich, doch in diesem Jahr gibt es wieder eine Stallweihnacht mit gleich zwei Terminen - am kommenden Sonntag, 15 und 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, die ganze Familie übernimmt die Bewirtschaftung - und dass die Preise familienfreundlich sind, ist selbstverständlich. Der Erlös wird wie immer einem guten Zweck gespendet. 2006 waren 1200 Euro für die ghanaische Partnergemeinde Teteman zusammen gekommen.


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