Wenn uns Fernsehen verblödet
Bad Mergentheim. Messerscharf analysierend und zuweilen verdrehend, entdeckte Kabarettist Kai Spitzl unter der Oberfläche das Absurde. Sein Auftritt im Kulturforum wurde vom Publikum mit reichlich Applaus honoriert.
Mit Kai Spitzl und seinem Programm "Spitzl-Kabarett" fand am Freitagabend im gut besuchten Kulturforum die Musikkabarett-Reihe 2011/2012 der Stadt Bad Mergentheim ihre Fortsetzung. Zu Beginn saß Spitzl, der für die St. Ingberter Pfanne, einem der renommiertesten deutschen Kleinkunstpreise, sowie 2010 für den begehrten Kabarett-Nachwuchspreis "Paulaner Solo" nominiert worden war, alleine auf einem Stuhl auf der Bühne. Dann begann er zu erzählen. Nur auf den ersten Blick stolperte er im Folgenden scheinbar konzeptlos von einer Belanglosigkeit zur nächsten. Ruhig, entspannt und gelassen startete er vielmehr einen Kreuzzug durch Deutschland und gelegentlich auch darüber hinaus. In diesem reihte er profane Beobachtungen aus dem menschlichen Miteinander und aus dem Gesellschaftlichen, bis hin zu Alltäglichem aus der Politik, sowie aus der Promiwelt, aneinander.
Mit größter Präzision, feinsinnig und spitzzüngig, ohne jedoch zu stark unter die Gürtellinie zu zielen, deckte er Dinge auf, über die ein gesunder Menschenverstand einfach irritiert stolpern muss. Dabei wendete Kai Spitzl die von vielen Kabarettisten praktizierte Methode an, das Banale akzentuierend und heroisierend in den Mittelpunkt zu stellen, indem er Fragen aufwarf oder Gedanken und Probleme aufgriff, die Verwunderung auslösten.
Mit viel Ironie und strohtrockenem Humor bot er vermeintlich leichte Lösungen an, die ebenso verwunderlich wirkten. Die Spannbreite seiner Themen war vielfältig. So war Spitzl das Fernsehen mit seinen Eigenheiten ein besonderer Dorn im Auge. Immer wieder nahm er mit frotzelndem und ironischem Humor TV-Sendungen und deren oft nur mäßiges Niveau aufs Korn. "Man meint, es handelt sich um die Persiflage einer Sendung, bis man merkt, die Spaßvögel meinen es ernst", oder: "Gucken Sie am Nachmittag ins Fernsehen, dann wissen Sie, warum es Flachbildschirm heißt", lauteten zwei seiner bilanzierenden Fazite.
"Sarkozy ist so klein, dass ich, als ich ihn mal gesehen habe, meinte, er sei ganz weit weg. Dabei stand er neben seiner großen Frau direkt vor mir", erzählte Spitzl, und zog sogleich ausführlich über den französischen Staatspräsidenten und Carla Bruni her. Aus seiner scheinbar tiefen ironischen Gelassenheit setzte er immer wieder aufs Neue blitzschnell zu verbalen Attacken an, die dann oft poetische Wendungen erhielten.
Zwischendurch griff Kai Spitzl zur Unterstützung seiner vielen Geschichtchen für einige Klänge in die Tasten des Klaviers. Unter anderem, wenn er "Jana aus Jena" besang, einer jungen Frau, die mit Ihrer Familie und zwei Katzen auf engstem Raum in einer kleinen Plattenbauwohnung lebt.
Zum Abschluss charakterisierte Spitzl "Geisterfahrer" als "sehr entgegenkommende Menschen". Er selber entpuppte sich zwar als Kabarettist, der den Humoransprüchen des Publikums sehr entgegenkam, jedoch als alles andere, denn ein "Geisterfahrer". Schließlich ist Spitzl einer, der genau weiß, in welche Richtung er möchte - nämlich zum feinsten Musikkabarett. Und das gelang ihm mit Bravour. Wobei der Akzent weniger auf dem Musikalischen lag, auch wenn er in seinen kurzen Kostproben da ebenfalls sein Können unter Beweis stellte.
Im Vordergrund stand vor allem das Kabarettistische. Und das beherrschte er glänzend. Intellektuell, ohne zu überbeanspruchen oder zu überfordern, sowie geistreich mit vielen humorvollen und trockenen Spitzen, zuweilen auch mit Nachdenklichkeiten, "spitzelte" sich der Kabarettist in rund eineinhalb Stunden stil- und treffsicher lässig durch seine vielen Geschichten, Erzählungen und Pointen.
Info Die nächste Kleinkunst im Kulturforum mit Musikkabarett findet am Freitag, 24. Februar, um 19.30 Uhr mit dem Duo "Zu Zweit", bestehend aus Tina Häußermann und Fabian Schleper, unter dem Motto "Ich wars nicht", statt.
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Autor: PETER D. WAGNER | 31.01.2012
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Kai Spitzl präsentierte am Freitag sein Programm "Spitzl-Kabarett" im Kulturforum in Bad Mergentheim. Genüsslich nahm der Kabarettist das deutsche Fernsehprogramm auf die Schippe. Foto: Peter D. Wagner
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