Wenn Tauben in einer Kiste alle Sinne verlieren

Symbole für Glück oder Pech gibt es viele. Doch warum glauben wir an Weissagungen und Glücksbringer? Wieso sind wir aufgeklärt UND abergläubisch?

Wer kennt es nicht, dieses mulmige Gefühl, wenn einem eine schwarze Katze über den Weg rennt? Andere drücken heimlich die Daumen, damit das Glück ihnen Hold ist. Oder wir wünschen uns etwas, wenn wir eine Augenwimper entdecken. Auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert begleitet uns der Aberglaube fast jeden Tag. Ob in Form eines Symbols, als Ritus, oder auch als Teil eines Brauches. Doch nicht nur wir sind abergläubig. Im Tierreich gibt es den Aberglauben ebenfalls. Das hat 1948 der Verhaltensforscher Burrhus Frederic Skinner bei einem Experiment mit Tauben entdeckt.

Die Vögel wurden in einer Kiste eingesperrt, in die alle 15 Sekunden ein Leckerbissen fiel. Dabei entwickelten die Tauben seltsame Verhaltensweisen. Während sich einige immer wieder im Kreis drehten, steckten andere regelmäßig den Schnabel in eine bestimmte Ecke des Kastens. Und wieder andere machten schleudernde Bewegungen mit dem Kopf. Skinners Erklärung war ebenso einfach wie verblüffend: Die Vögel hätten genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Futter in die Kiste fiel, eine bestimmte Bewegung gemacht, und diesen Zufall unbewusst so interpretiert, als habe die Bewegung das Erscheinen der Leckerei ausgelöst. Folgerichtig versuchten sie weiteres Futter durch die gleiche Bewegung herbei zu zaubern. Bestärkt wurden die Tauben in ihrem neu entstandenen Aberglauben durch das Zusammentreffen von Bewegung und Futtergabe.

Durch das Experiment fand Skinner auch ähnliche Verhaltensmuster bei Glücksspielern oder Sportlern, die durch zufällige Verhaltensweisen Erfolg hatten. Zur Sicherheit machte der Spieler es beim nächsten Mal genauso, um den Erfolg nicht zu gefährden. Spielten zusätzlich noch Emotionen eine Rolle, verstärkte sich dieser Effekt bis zu dem Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Aberglaube ist in unserer Kultur seit langer Zeit verwurzelt. So geht die heutige Volkskunde davon aus, dass der Aberglaube gesunkenes Kulturgut unserer Vorfahren ist. Die Unglückszahl 13 passte damals nicht in das Duodezimalsystem, also das Zählen in Zwölferschritten, und sie war zudem noch eine Primzahl, die nur im Weg war. Auf solche und ähnliche Weise entstanden viele Formen des Aberglaubens, die bis heute Einfluss haben.

Quellen: www.ewi-psy.fu-berlin.de und www.br-online.de


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Autor: BENEDICT PANNWITZ | 28.01.2012

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