Von Lachern können sie zehren

Bad Mergentheim.  Sie haben ein Herz für die Kinder, und sie haben auch ein Herz für die Senioren: Die Kolping-Narrengilde "Lustige Gesellen" bot den älteren Bürgern am Sonntagnachmittag drei unterhaltsame Stunden.

Nahezu das gesamte Geschehen des Vorabends bei der ersten Prunksitzung der Lustigen Gesellen wurde auch den Senioren geboten, denen Kolpingvorsitzender Alois Baumann und Sitzungspräsident Andreas Schweizer gewünscht hatten, dass sie der Nachmittag einmal aus dem oft einsamen Alltag herausführen wolle, um ein Stück Lebensfreude zu genießen und davon zu zehren.

Mit den Wachbacher Musikanten unter Leitung von Werner Gebert auf der Empore ging es voller Schwung Schlag auf Schlag. Da tanzte die Schafherde ihren Quellen-Entdeckungstanz, es zogen Elferrat und Hofstaat ein, und schon wirbelte die muntere Purzelgarde über die Bühne. "Wie Ihr schon seit Jahren wisst, bin ich hier tätig als Chronist", formulierte Jürgen Michelberger, für den Annegret Bartosch wieder ein ausgefeiltes Protokoll über das Stadtgeschehen geschrieben hatte. Tauber-Park, Hackschnitzelwerk, eingefrorene Notwasserleitungen, Südumgehung und Stadtjubiläum samt Neujahrsempfang kamen zur Sprache, während Tanzmariechen Milena Hahn diese Probleme schnell vergessen ließ. Und was wäre der Seniorennachmittag ohne Peter Biggen, der mit spitzer Zunge als Milchling vom Brunnen herab beobachtet hat, was in der Stadt vor sich geht: "Bringt unsere Innenstadt voran" - so sein Appell an die Verwaltung angesichts von "gleich vier Brillengeschäften in der Burgstraße".

Mit großer Spannung erwartet natürlich der Politgesang der acht "Tauberspatzen", die recht kritisch und gekonnt politische Themen ansprachen und den Finger in manche Wunde legten, in die Hände spuckten und mit "Weine nicht, kleine Angie" für Stimmung sorgten. Abwechslung brachte zwischendurch die Schautanzgruppe mit ihrem "Abba-Fieber" und das gemischte Ballett mit viel Anmut und Farbe bei den "Vier Jahreszeiten". Bayerische Mentalität verrieten aus Würzburg Michael Hermann und Ulrich Stark als "Schüler und Lehrer" bei der Gegenüberstellung der Lehrer von heute und gestern.

Und dann kamen sie: die beiden unverwüstlichen "Kurzdialogiker" Günter Ulshöfer und Heinz Köberle, die seit 49 Jahren ihre Paraderolle als Mergentheimer Originale mit närrischem Scharfsinn abspulen, mit überraschenden Erkenntnissen und Aussagen zur Ereignissen im Jahreslauf. Und sie nahmen, wie der Milchling vorher schon, kein Blatt vor dem Mund und hatten damit natürlich stürmischen Beifall sicher.

Was Karlheinz Haug als "Teilzeit-Sitzungspräsident" ankündigte, entpuppte sich nach dem Tanz der Prinzengarde als "zarteste Versuchung", sprich lila Männerballett als Elferrats-Ehrengarde. Und die zehn Männer strengten sich mächtig an, um ihren Part über die Bühne zu bringen und legten ob der vielen Zugabe-Rufe auch noch eine Teilwiederholung aufs Parkett. Hatten die Senioren bei freiem Eintritt auch Kaffee und Kuchen serviert bekommen, so erwiesen sie sich in Anwesenheit vieler auswärtiger Gäste als dankbares Publikum. Die vielen Mühen der Veranstalter waren ihnen am Schluss einen Dank in klingender Münze wert, als die Kurzdialogiker als Aushängeschild der Kolping-Fasnacht am Ausgang standen. mm


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09.02.2010

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