Verdoppelung am Mergentheimer Campus
Heilbronn/Bad Mergentheim. Auf dauerhaft höhere Studentenzahlen stellt sich die Hochschullandschaft in der Region Heilbronn-Franken ein. Das bekräftigten gestern Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beim Hochschulgipfel der IHK.
Mit einem anhaltenden Bedarf akademisch ausgebildeter Fach- und Führungskräfte rechnet die Industrie- und Handelskammer. "Das ist ein zentrales Zukunftsthema", rief am Montag IHK-Präsident Thomas Philippiak beim Gipfel mit Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg im Heilbronner Haus der Wirtschaft in Erinnerung.
Denn: "Trotz guter Meldungen sind wir hier nicht im grünen Bereich." Die Region Heilbronn-Franken hinkt bei der Hochschul-Ausbildung hinterher: Ganze 6,6 Studenten kamen rechnerisch im Wintersemester 2008/09 auf 1000 Einwohner im Großraum zwischen Heilbronn und der bayerischen Landesgrenze. Zu wenig, um den Bedarf in der Region zu decken - so die Einschätzung der IHK, die deshalb den Ausbau der Hochschule Heilbronn und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach fordert.
Letztere liegt zwar außerhalb der Region, hat aber hier mit dem entstehenden Standort Heilbronn und dem Bad Mergentheimer Campus zwei Standbeine. "In Mergentheim erlebt man den Impuls, den ein solcher Standort bietet", schaltete sich Oberbürgermeister Dr. Lothar Barth ein. Er sieht an der Schnittstelle zwischen sozialwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Bildungsgängen ein neues Potenzial für Bad Mergentheim und begrüßt deshalb die Ausbaupläne der Dualen Hochschule (DH). Für seinen Geschmack könnten sie in Bad Mergentheim "insgesamt schon noch gesteigert werden."
Die DH wird in den kommenden Jahren, so rechnete es ihr Rektor Professor Reinhold Geilsdörfer vor, ihre Studentenzahlen nahezu verdoppeln. Von etwa 2750 Studenten im Jahr 2009 werden die Kapazitäten bis 2012 auf 4365 Studenten steigen. Danach rechnet Geilsdörfer in den Folgejahren mit 5500 Studierenden. Für Bad Mergentheim bedeutet das: Von 442 Studenten 2009 wächst die Zahl auf 810 (2012) und danach gar auf 1000. Neu: Galt bislang das Augenmerk einer zeitlich begrenzten Spitze wegen der doppelten Abiturientenzahlen 2012, so richten sich Bildungseinrichtungen und Politik auf einen dauerhaften Trend ein.
Mit ihrer Umwandlung von der Berufsakademie zur Dualen Hochschule sei das Interesse auf Abiturientenseite deutlich gestiegen, zudem habe die Wirtschaft trotz Krise das Bildungs-Thema "stabil weiterverfolgt", so Geilsdörfer in seiner Bestandsaufnahme. Er sieht in Bad Mergentheim für einen medizinischen Bildungsgang, den so genannten "Arzt-Assistenten", und eine Erweiterung des "International-Business"-Bereichs durch die Schiene Marketing/Vertrieb Potenziale. Dafür müsse eine entsprechende räumliche Infrastruktur geschaffen werden, wies Geilsdörfer auf in Bad Mergentheim nötige Investitionen hin - Stichwort: "Schloss 10".
Wissenschaftsminister Peter Frankenberg bestätigte sehr zur Zufriedenheit von Wirtschaft und Kommunalpolitik den Bedarf von 10 000 Studienplätzen an der Hochschule Heilbronn mit ihren Standorten Heilbronn, Künzelsau und Schwäbisch Hall sowie der 5 500 Plätze an der Dualen Hochschule. Mit dem Programm für das Jahr 2012 habe das Land die Hochschullandschaft Heilbronn-Franken vorrangig gefördert. Die Studentenzahlen müssten sich nach 2012 verfestigen, so seine Forderung.
IHK-Präsident Thomas Philippiak hielt dagegen, dass es in der Region starke Fürsprache für die höheren Bildungseinrichtungen gibt. Für die Heilbronner Hochschule und die Außenstelle Heilbronn der DH erreicht das Engagement von Unternehmen, Stiftungen, Kommunen und IHK eine Größenordnung von beinahe 68 Millionen Euro. Zudem: Jede fünfte Stiftungsprofessor im Ländle wurde in Heilbronn-Franken eingerichtet.
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Autor: OLIVER BAUER | 09.02.2010
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Bildungsgipfel in Heilbronn: Minister Professor Peter Frankenberg (Dritter von links) diskutierte gestern bei der IHK mit Heinrich Metzger, Thomas Philippiak, Professor Reinhold Geilsdörfer (Mosbach), Professor Jürgen Schröder (Heilbronn) und Erhard Steffen (Aufsichtsratsvorsitzender des Heilbronner Hochschulrates). Foto: Bauer
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