Bausünde oder beste Lösung?

Trafostation am Bad Mergentheimer Zwillingshaus in der Diskussion

Bad Mergentheim.  Die Trafostation hinter dem Zwillingshaus im Stadtkern ist manchen Bürgern ein Dorn im Auge. Verärgerte sprechen von "Bausünde" und "Stilbruch". Das Stadtwerk dagegen sagt: "Beste Lösung" gefunden.

Mit einem Autokran wurde die Trafostation des Stadtwerks hinter dem Zwillingshaus, in dem sich einst die Tourist-Information befand, aufgestellt. Das hat zwar bislang zu keinem öffentlichen Aufschrei geführt. Aber ein Stein des Anstoßes ist der Zweckbau trotzdem.

Immer wieder meldeten sich bei uns in letzter Zeit Bürger zu Wort, die sich über das fensterlose Häuschen beschweren. Denn das kahle Funktionsgebäude befinde sich mitten im Stadtkern, umgeben von historischen Gebäuden, in unmittelbarer Nähe zum Münster. Einheimischen und Touristen würde es beim Vorübergehen ins Auge fallen.

Für jene, die an einer Bewahrung des historischen Stadtbilds besonders interessiert sind, ist die Trafostation gar "ein hässliches Umspannwerk", das an ein "denkmalgeschütztes Haus mitten in der Stadt geklatscht wurde". Damit würde sich Bad Mergentheim selbst schaden, meinen Kritiker.

Der Standort der Trafostation sei nicht nur mit dem Denkmalamt und der katholischen Kirchengemeinde abgestimmt worden. Er entspreche sogar dem ausdrücklichen Wunsch des Denkmalamtes. Dies erklärt der Geschäftsführer des Stadtwerks Tauberfranken, Dr. Norbert Schön, auf Anfrage unserer Zeitung.

Ein alternativer Standort sei zwar gesucht, aber nicht gefunden worden, weil der Platz entweder zu klein oder zu weit entfernt für die Stromeinspeisung der Haushalte gewesen sei. Dazu muss man wissen, dass die Trafostation die Funktion hat, den vom Stadtwerk Tauberfranken kommenden Strom mit einer Spannung von 20 000 Volt haushaltsgerecht auf 400 Volt herunter zu transformieren. Wichtig sei dabei, dass die Umspannstation "im Lastschwerpunkt" der Versorgung stehe, wobei sich das Versorgungsgebiet auf die Bereiche Ledermarkt, Fußgängerzone und Münster erstrecke.

Der Vorgänger der neuen Trafostation stand im Keller des Zwillingshauses, das von der Stadt an die Kirche (Stiftung St. Johannes) verkauft wurde. Sie will das Gebäude zusammen mit dem Caritasverband einem neuen Zweck zuführen (wir berichteten). Aus diesem Grund und weil die alte Station an ihre Leistungsgrenzen gestoßen sei, habe sie ersetzt werden müssen, begründet Norbert Schön und erklärt weiter: Das Zwillingshaus soll saniert und mit einem neuen Anstrich versehen werden. Die Trafostation soll den gleichen Anstrich und die gleichen farblichen Fassungen erhalten. Zudem sei vorgesehen, dass unmittelbar hinter der Station, also zum Durchgang vom Hof zum Marktplatz hin, ein kleiner Abstellraum im Zusammenhang mit dem entstehenden Gastronomiebetrieb der Begegnungsstätte im Zwillingshaus angebaut werde. Die Station und der Raum sollen dann mit einem gemeinsamen, schräg geneigten Dach gedeckt werden, stellt Schön in Aussicht und betont, dass dies vom Landesdenkmalamt vorgeschrieben worden sei. Auf die Frage, warum man den neuen Trafo nicht einfach in die Erde gesetzt habe, sagte er, die Station müsse von außen zugänglich sein, und die Abwärme müsse "ordnungsgemäß abgeführt" werden. Für Norbert Schön vom Stadtwerk Tauberfranken sei die "beste Lösung" gefunden worden.

Peter Striffler, Direktor des Katholischen Verwaltungszentrums Bad Mergentheim, sagte unserer Zeitung, "die Trafostation wollten wir da nicht haben". Aber es sei der einzige Standort gewesen, den das Denkmalamt akzeptiert habe. Er sprach von einer Kompromisslösung unter Berücksichtigung der Belange des Denkmalamtes.


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Autor: JOACHIM W. ILG | 09.02.2012

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