Sie kommt einfach nicht weg davon

Eine Schachtel Zigaretten raucht die 18-jährige Stephanie am Tag. Das sind 23 Stück. Eine Menge, findet selbst die Schülerin. Doch der Weg weg vom Glimmstängel ist gar nicht so einfach, weiß sie zu berichten.

Noch fünf Minuten bis zur Pause. Stephanie wird schon ganz hibbelig und schaut ungeduldig auf die Uhr. Mit dem Klingeln kommt der Erlös. Schnell geht sie auf den Pausenhof und zündet sich eine Zigarette an. "Vielleicht ist diese innere Unruhe auch nur Einbildung, aber ich bin es gewohnt, in jeder Pause eine rauchen zu gehen", sagt die 18-Jährige.

Ihr Rhythmus lässt sich klar darstellen: eine Zigarette vor der Schule, eine in jeder Pause, eine nach der Schule, eine nach jedem Essen und natürlich auch eine beim Nachmittagskaffee. Ihre erste Zigarette rauchte Stephanie als sie zehn war. "Ein paar Mädchen aus meiner Klasse rauchten, so wurde das schnell ein Gruppenzwang." Mit 13 wurde sie dann abhängig und findet es selbst erschreckend, darüber nachzudenken. Ihren Eltern verheimlichte Stephanie lange diese Abhängigkeit. Sie qualmte auf dem Weg zur Schule und hatte immer ein Deospray gegen den Geruch zur Hand. Drei Jahre ging das so. Einen Teil davon verbrachte sie im Internat. Dort merkten es ihre Eltern sowieso nicht.

"Mit 16 wollte ich mich nicht mehr verstecken müssen und beichtete es meiner Mama. Als Nichtraucherin war sie natürlich ziemlich sauer und wollte mir das Rauchen verbieten. Sie sah aber schließlich ein, dass es besser ist, wenn ich zuhause im Garten rauche, statt heimlich um die Ecke", berichtet die Gymnasiastin. Ihre Mutter war auch der Anlass für die bisher drei Versuche, die Nikotinsucht zu bekämpfen. Zweimal versuchte Stephanie gemeinsam mit ihrem Freund von einem Tag auf den anderen aufzuhören. Aber ihre Willenskraft war nie stark genug. Ihr längster "Entzug" hielt eine Woche.

Das war vor einem Monat. "Meine Mutter erzählte mir von einem Kollegen, der durch Elektrotherapie mit dem Rauchen aufhörte. Sie wollte, dass ich das auch versuche." Bei diesem Verfahren wird dem Körper über zwei Elektroden ein geringer elektrischer Wechselstrom zugeführt. Die Nikotinrezeptoren sollen dabei zerstört werden und der Körper befindet sich danach sozusagen in einem Nichtraucherzustand. "Ich musste zwei Kugeln in den Händen halten und habe mich dabei etwas komisch gefühlt. Psychisch war ich natürlich immer noch abhängig. Allerdings wurde mir danach beim Rauchen schlecht, da mein Körper das viele Nikotin nicht mehr vertrug", schildert Stephanie ihr Erlebnis, "anfangs war ich noch motiviert und dachte, ich schaffe das. Doch nach einer Woche bekam ich Schlafstörungen, wurde launisch und unruhig. Ich habe mich wirklich schlecht gefühlt." Somit scheiterte auch dieser Versuch und Stephanie griff erneut zur Zigarette. Normalerweise sollte man solch eine Therapie dreimal wiederholen. Mit 70 Euro pro Sitzung geht das aber ganz schön ins Geld. Im Vergleich zu ihren monatlichen Ausgaben für die Zigaretten erscheint es jedoch gering. Summiert man den Schachtelpreis, ergibt das 150 Euro. Vorerst hat sie es jedoch aufgeben, sich das Rauchen abzugewöhnen und findet: "Wer wirklich aufhören möchte, für den ist die Therapie eine gute Sache. Alle anderen aber zahlen umsonst."

Den größten Nachteil am Rauchen sieht sie darin, dass man sich ständig nach der Zigarette richtet. Auch im Moment beschäftigt sie etwas. In ihrer Packung ist nur noch eine Zigarette. Nachschub zu bekommen ist gar nicht so einfach, wenn man noch nicht volljährig ist.


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Autor: RAMONA HERZ | 04.02.2012

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