Plan fordert mehr Geld fürs Kindeswohl St. Vinzenz war einziger Pilotkindergarten in der Region Bad Mergentheim

Bad Mergentheim.  Noch in Arbeit ist ein Gesetz, das den Kindergärten mehr Personal bringen und so die pädagogische Arbeit verbessern soll. Pionierarbeit dazu hat der katholische Kindergartens St. Vinzenz geleistet.

Zuerst ein Plan, dann die politische Umsetzung und schließlich die Suche nach den nötigen Mitteln - so läuft es auch beim "Kindertagesbetreuungsgesetz". Mit ihm soll die Förderung im Vorschulalter qualitativ weiterentwickelt werden, wissenschaftlich fundiert und ausgerichtet an den individuellen Bedürfnissen.

Ein "Orientierungsplan für Kindertagesstätten" in Baden-Württemberg wurde erstellt. Für eine dreijährige Erprobung wurden aus 1445 Bewerbungen 30 Einrichtungen ausgewählt. Als einziger Kindergarten der Region war St. Vinzenz dabei. Maßgebend dafür waren die pädagogischen Schwerpunkte mit Naturerlebnis, viel Bewegung, Erfahrung von Geborgenheit und lebensnahem Lernen. Auch galten das Profil als katholischer Kindergarten mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund und die dadurch bedingte Sprachförderung als nützlich.

Zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen standen nun vor dem motivierten Erzieherinnenteam. Deren Schwerpunkt, so Kindergartenleiterin Edigna Fritsch, sei bei der Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation der Kinder gelegen, denn "wir wollen eine alters- und entwicklungsadäquate Förderung". Bewährtes - so das Thema Sprache - wurde weiter durchdacht, Neues wie die Bereiche Forschen und Entdecken ausprobiert. Wissenschaftlich begleitet wurde die Pilotphase durch Professorin Dr. Edeltraud Röbe aus Ludwigsburg.

Es folgte der für alle Beteiligten frustrierende politische Alltag. Anerkennende Worte des Kultusministers begleiteten die Übergabe der Abschlussurkunde an Edigna Fritsch in Stuttgart. Der Orientierungsplan wurde in den Kindergärten verteilt und sollte "umgehend" eingeführt werde. Land und Kommunale Landesverbände schlossen eine "Politische Übereinkunft", die den Orientierungsplan als "wichtiges Instrument für die frühkindliche Bildung" würdigte und die für die Umsetzung nötige Erhöhung des Personalschlüssels festlegte.

Keine großen Erhöhungen waren da vorgesehen: gerade einmal 0,2 bis 0,2 Stellen je Gruppe. Doch noch waren eine Gesetzesänderung, die Rechtsverordnung dazu und Verhandlungen über die Verteilung der Mehrkosten nötig.

Dabei muss dann auch noch geklärt werden, welche bisher gewährten Zuschüsse verrechnet werden und ob dann überhaupt eine Verbesserung übrig bleibt.

"Wir arbeiten weiter mit dem Plan", stellt Verwaltungsdirektor Peter Striffler für die katholische Kirche fest, "und natürlich hoffen wir dann auch auf mehr Geld."

Auch evangelische Kindergärten haben schon Vorleistungen erbracht. Längst habe man Erzieherinnen zu Fortbildungen geschickt, betont Pfarrerin Gabriele Arnold, Bad Mergentheim. Doch jetzt sehe es wieder einmal so aus, dass das Land "bei den Kindern und der Erziehung spart."

Auf jeden Fall sei der Kirchenbezirk bereit, so informiert sie in ihrer Funktion als stellvertretende Dekanin, gesetzliche Verbesserungen umgehend zu unterstützen und umzusetzen.

Auch Kerstin Müller, Leiterin der neuen Kindertagesstätte "Schatzinsel" in Weikersheim, ist der Orientierungsplan wohlvertraut. "Aber natürlich arbeiten wir danach", versichert sie. Dass seine Einführung einstweilen ausgesetzt sei, ändere daran nichts.

Fachbereichsleiter Kurt Fohmann von der Stadt Bad Mergentheim weist darauf hin, dass es durchaus um beachtliche Summen gehe, die die Kommune für die eigenen und für die kirchlichen Kindergärten ausgeben müsse. Gut 150 000 Euro habe man für 2011 bereits veranschlagt und wenn das Gesetz tatsächlich früher in Kraft trete, dann werde man den Mehraufwand auch finanzieren. Immerhin gehe es um das Wohl der Kinder "und das ist uns wichtig."


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Autor: PETER KESSLER | 04.09.2010

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