"Nicht auf lange Bank schieben"
Althausen. Allein von intakter Natur und romantischer Postkartenansicht können Dörfer nicht leben. Auch sie brauchen energetische Maßnahmen, Straßenausbau und Neubaugebiet. Ein Beispiel ist Althausen.
Ortsvorsteher Herbert Renner steht an einem der fünf öffentlichen Dorfbrunnen, deren Alter bis auf das Jahr 1850 zurückgeht. Er prüft, ob sich der Brunnenkopf noch bewegen lässt oder schon befestigt wurde. Aus dem Brunnen schöpft eine Althäuser Bürgerin mit Plastikkanister das frische Quellwasser wie in früheren Zeiten. Sie gießt damit ihre durstigen Blumenkübel im Hof. Und weil Brunnenköpfe sozusagen der krönende Abschluss der Brunnensäulen sind, sollen sie in Althausen saniert werden. Der Zahn der Zeit und Umwelteinflüsse haben am Steinmaterial genagt. Zwei dieser Brunnenköpfe werden in diesem Jahr von einem Handwerker gerichtet, den die Stadt bezahlt. Wünschenswert wäre für Ortsvorsteher Renner, wenn zwei weitere im nächsten Jahr saniert werden könnten.
Dass nicht nur in Althausen manches nur in kleinen Schritten vorankommt, bedauert Renner, der seit 21 Jahren an der Spitze der 600-Seelen-Gemeinde steht, und nennt ein Beispiel: Vor drei Jahren wurde an der Bobstadter Straße im Bereich der ehemaligen Mühle ein Gehweg angelegt. Vor zwei Jahren wurde dann mit dem Bau einer Mauer zur "Böschungsabfangung" begonnen, und jetzt wird die "Böschungsabfangung" mit Natursteinen fortgesetzt.
Richtig freuen kann sich Renner, dass in diesem Monat mit der Teilerschließung des Neubaugebiets Mühläcker II begonnen wird, denn in den letzten Jahren wurde bei der Einwohnerzahl eine Stagnation festgestellt. Unter den Bauwilligen befinden sich Althäuser Bürger, aber auch Interessenten, die nach Althausen ziehen wollen, denn die Südhanglage ist leicht zu bebauen und die Entfernung zur Kernstadt ist auch mit dem Rad oder sogar zu Fuß zu bewältigen, nennt Renner einige Vorteile des Baugebiets, das 14 Plätze umfassen wird.
Wie andere Dörfer auch, hat Althausen, das, wie Renner betont, über eine intakte Natur und ein intaktes Dorf- und Vereinsleben verfügt - eine Wunschliste - Maßnahmen, die aus Sicht des Ortsvorstehers allesamt wichtig sind. Da geht es zum einen um den Ausbau der Dr. Goll-Straße von der L 514, die am Ortsrand vorbeiführt, bis zur Bobstadter Straße. Die Ortsstraße ist rissig, Bordsteine am Rathausplatz sind verschoben, "und der Gehweg muss ebenfalls saniert werden", fordert Renner. Diese und andere Maßnahmen hat Althausen für den Haushalt angemeldet, was allerdings bei den Haushaltsberatungen herauskommt, ist ungewiss.
Dringenden Handlungsbedarf sieht der Ortsvorsteher auch angesichts der 50 Jahre alten Turn- und Festhalle, die saniert und umgebaut werden soll. Renner nennt einige Gründe: Undichtes Eternitdach, fehlende Wärmedämmung, undichte Fenster, für den Sportbetrieb nicht mehr geeigneter Parkettboden, fehlendes Stuhllagerdepot, zu kleine Turngerätelager für Vereins- und Schulsport, Asbestbodenplatten im Flur. Auch aus energetischen Gründen sollte der aus dem Jahre 1938 stammende Kindergarten "dringend" in Angriff genommen werden, und der Ausbau der Straßenkreuzung Bobstadter Straße/Mühlweg "ist dringend erforderlich" und gehört für Renner zu jenen Maßnahmen, die "nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden können".
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Autor: JOACHIM W. ILG | 03.09.2010
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Die Idylle am Dorfbrunnen trügt: Zur heilen Welt gehören für Ortsvorsteher Herbert Renner (links) auch Sanierungsmaßnahmen zum Beispiel bei der Turn- und Festhalle oder beim Straßennetz in Althausen. Fotos: Joachim W. Ilg
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