Meine Politik - Wo finde ich sie?

Das Desinteresse der Jugend an Politik ist groß. Diese Einstellung zeigte sich auch in einer Umfrage von Jugend Spezial. Svetlana Alenitskaya von der Bundeszentrale für politische Bildung sucht nach Gründen.

Die Politik in Deutschland ist irgendwie Wischiwaschi, alles ist so kompliziert. Also ich weiß nicht, ob ich wählen gehe", meint die 17-jährige Emilia Seitz aus Bad Mergentheim. "Ich setzte mich auch gar nicht mit den Parteien auseinander, man kann so wenig mitbestimmen und das Thema Politik ist einfach langweilig", erklärt sie. Allerdings zeigt sie soziales Engagement: "Ich habe auch schon ein Praktikum im Altersheim gemacht, das gefällt mir."

Diese Tendenz kann auch Svetlana Alenitskaya von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bestätigen. Die Referentin im Fachbereich Veranstaltungen weiß, dass sich nur rund ein Drittel der Jugendlichen für Politik interessieren. "Das erscheint sehr wenig, in den 70er Jahren waren es zwei Drittel politisch interessierte Jugendliche. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich rund 70 Prozent der Jugendlichen gesellschaftlich engagieren", erklärt sie. Ähnlich ist es bei den Schwestern Anna-Lena (16 Jahre) und Caroline Kremer (16 Jahre) aus Boxberg. Während ihnen die Politik einfach zu weit von ihrem jetzigen Leben entfernt ist und weder sie, noch ihre Freunde sich in Jugendparteien engagieren, setzen sie sich für ihr Umfeld ein. "Ich war schon einmal Klassensprecherin", erzählt Sophia. Dort sehe man auch, dass sich etwas ändert.

Irma Metzler aus Bad Mergentheim, die zwar immer die Nachrichten schaut und sich für Politik interessiert, fällt es schwer, alles zu verstehen. "Es ist einfach so kompliziert", findet die 17-Jährige. Obwohl sie es schade findet, kann die 21-jährige Moyo Stumptner aus Bad Mergentheim das verstehen. "Politik kann schon verwirrend sein, trotzdem ist es wichtig zu wählen." Alenitskaya sieht mehrere Gründe für das Desinteresse mancher: "Viele haben ein Misstrauen gegenüber der Politik, sie sehen keinen Zusammenhang zwischen politischen Entscheidungen und dem eigenen Leben, oft haben sie auch keine Mitwirkungsmöglichkeit oder wissen zu wenig, wie sie mitwirken können. Außerdem lastet heute ein großer Druck im Alltag auf den Jugendlichen, einige sind durch die Anforderungen, die die Gesellschaft an sie stellt, sehr belastet."

"Wer mitbestimmen will, wer an die Macht soll, muss wählen gehen, das ist ein Bestandteil unserer Demokratie", findet der 18-jährige Tobias Busch, frisch gewählter Vorsitzender der Jungen Union Bad Mergentheim.

Auch der Politikwissenschaftsstudent Frederick Wunderle, der sich in der SPD und bei den Jusos in Bad Mergentheim engagiert, findet Politik sehr wichtig. "Politik ist meine Leidenschaft, ich finde ein Mindestmaß an Interesse sollte jeder haben.

Warum es Jugendliche schwer haben, in der Politik gewählt zu werden, erklärt sich Svetlana Alenitskaya so: "Ich spekuliere, dass es zwei Gründe gibt: Zum einen gehen die Jugendlichen selbst nicht zum Wählen und zum anderen vertrauen die Erwachsenen den Jugendlichen nicht. Deshalb ist mein Appell an die Politik, den Jugendlichen zu vertrauen, sie ernst zu nehmen und mit ihnen auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren, denn in den Jugendlichen steckt viel Potential für die Zukunft. Dazu muss man ihnen aber auch Gestaltungsmöglichkeiten bieten, ihnen positives Feedback und Motivation geben."


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Autor: FRANZISKA GABEL | 20.03.2010

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