Eine Freiheit, die ständig neue Pflichten abverlangt

Einen eigenen Haushalt neben dem alltäglichen Schulstress zu meistern, ist keine leichte Aufgabe. Wie es funktioniert, zeigt Schüler Maximilian Breitinger. Er wohnt seit September in den eigenen vier Wänden.

Es ist 13 Uhr. Maximilian kommt von einem anstrengenden Schultag nach Hause. Doch anstatt sich an den gedeckten Tisch zu setzen und das von Mama gekochte Essen zu genießen, muss er erstmal selbst Hand anlegen.

Sechs Jahre ist es her, das er sein Elternhaus in Hardheim verlassen hat und nach Bad Mergentheim zog. "Mir hat die Schule in Tauberbischofsheim nicht mehr gefallen. Dann meldeten mich meine Eltern im Internat Maria Hilf an. Mit zwölf wäre es ja schließlich viel zu früh gewesen, alleine zu wohnen", erklärt der inzwischen 18-Jährige seinen damaligen Auszug.

Gerade stellt er einen Topf mit Wasser auf die Herdplatte. Sein Lieblingsgericht Spaghetti Bolognese steht heute auf der Speisekarte. Fürs Kochen hat er sich schon immer interessiert. Gefahr, hungern zu müssen, bestand also nicht. Auch die Wohnung ist tiptop aufgeräumt. Das wirkt für jungen Erwachsenen, noch dazu männlich, ziemlich ungewöhnlich. Aber Maximilian hält die Erklärung parat: "Sauberkeit war die Forderung meiner Eltern. Sie zahlen mir die Wohnung, aber ich muss sie rein halten und immer wieder ran ans Putzen." Das macht ihm zwar weniger Spaß und vor allem ans Spülen musste sich Maximilian erst gewöhnen. Doch das laufe inzwischen ganz passabel.

"Wenn ich fertig bin mit dem Essen, mache ich gleich den Abwasch. Dann sammelt sich nichts an und man hat gleich Fakten geschaffen." Auch im Internat hat der 18-Jährige gelernt, ohne Eltern auszukommen. Aber eigentlich blickt er mit einem ziemlichen Magengrummeln zurück auf seine Zeit im Maria Hilf. "Der strukturierte Alltag dort war ausschlaggebend, dass ich entschied, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Ein bisschen Freiraum brauchte ich", meint er zurückblickend.

"Im Internat steht man morgens recht früh auf, geht zum Gebet und frühstückt. Nach der Schule hat man Lernstunden und etwas Freizeit, bis es zum Abendgebet und Essen geht", schildert Maximilian seinen damaligen Tagesablauf. "Ich wollte meinen Rhythmus selbst bestimmen können." Bei der Suche nach einer Wohnung hatte er ziemliches Glück. Die gefundene ist nur wenige Minuten von der Schule entfernt. Zwei Zimmer, Küche und Bad. Die Einrichtung hat er selbst ausgesucht. Seine alten Möbel aus Kindertagen stehen noch zuhause. Dort verbringt er jedes zweite Wochenende. Seit seinem 18. Geburtstag ist vieles einfacher geworden. "Ich kann selbstständig nach Hause fahren, wann immer ich will, und meine Mutter muss nicht jedes Wochenende vorbeikommen, um große Einkäufe mit dem Auto zu erledigen."

Maximilian hat gelernt, wie wichtig es ist, Selbstverantwortung zu übernehmen. Auch, was das Lernen betrifft. Es ist nicht einfach, diszipliniert zu sein, wenn die Eltern keinen Druck machen. Doch Maximilian weiß, um was es geht, da er dieses Jahr sein Abitur schreibt. "Schon jetzt weiß ich, dass es ein großer Vorteil für mein weiteres Leben war, so früh gelernt zu haben, wie man auf eigenen Beinen steht."

Seiner Verantwortung ist er sich völlig bewusst. Manchmal kommt unerwarteter Besuch vorbei, weil es ja viel cooler ist, dass bei ihm keine Eltern sind. Dann aber ist Maximilian ganz strikt: "Größere Partys gibts hier nicht. Das ist nichts in einem Mehrfamilienhaus."

Auch wenn es so scheint, als hätte der Gymnasiast alles im Griff - bei einer Sache muss er bis heute passen: Wäsche waschen. Das erledigt seine Mutter. "Da habe ich ganz automatisch den Grund, regelmäßig heim zu fahren. Der richtige Ort, um sich vom Schul- und Haushaltsstress zu erholen."


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Autor: RAMONA HERZ | 21.01.2012

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