Den Vögeln vor der eigenen Haustür helfen
Bad Mergentheim. Trotz der sibirischen Kälte sind wieder mehr Vogelgesänge zu hören, ein Zeichen dafür, dass bald das Frühjahr beginnt. Dann kommen demnächst wieder Halbzieher und Zugvögel aus ihren Quartieren zurück.
Zusammen mit den Vögeln, die hier geblieben sind, suchen sie dann eine Heimstatt, in der sie nisten und ihre Nachkommen aufziehen können. Die Wohnungssuche für die gefiederten Sänger wird immer schwieriger, weil es immer weniger alte und morsche Bäume gibt und an modernen Häusern geeignete Brutnischen fehlen. Eine naturgemäße Gartenbewirtschaftung ist mangels natürlicher Nistplätze nur mit Nisthilfen erfolgreich.
Denn ohne Vögel haben sogenannte "Schädlinge" beste Vermehrungsbedingungen. Dagegen verzehrt ein einziges Meisenpaar mit seinem Nachwuchs jährlich etwa 70 000 Raupen und 20 Millionen Insekten. Deshalb werden in den Wäldern Nisthöhlen angebracht, damit auf natürlichem Wege Schwammspinner und Eichenwickler kurz gehalten werden. In Obstplantagen helfen Vögel, den Apfelwickler in Schach zu halten, und in Hausgärten sorgen sie dafür, dass sich die Blattläuse nicht zu sehr vermehren.
Mit einem vogelfreundlichen Garten schafft man ein vielseitiges Nahrungsangebot und mit Nisthilfen eine gute Lebensgrundlage. Belohnt wird man zusätzlich mit der spannenden Beobachtung der Gartenvögel vor der eigenen Haustür.
Die Naturschutzgruppe Taubergrund bietet am kommenden Samstag, den 11. Februar, im Mergentheimer Umweltzentrum in der Wettgasse in der Zeit von 9.30 bis 12.30 Uhr Nisthilfen aller Art, Bausätze und sachkundige Beratung an. Nistkästen aus Holzbeton zeichnen sich durch lange Lebensdauer aus, aber auch Nistkästen aus Holz können viele Jahre Vogelfamilien eine angenehme Behausung bieten. Ideal ist es, wenn Mütter und Väter zusammen mit ihrem Nachwuchs mit den Selbstbausätzen "ihren" Nistkasten bauen. Gemeinsam macht dies viel Spaß, und mit den Bauplänen kann nichts schief gehen. Mitglieder der Naturschutzgruppe haben schon mit Grundschulkindern Nistkästen gebastelt, die dann im Schulgarten bestens angenommen wurden. Vor allem die Buben genossen es mal gemeinsam mit Männern zusammen zu arbeiten und erstmals unter Aufsicht eine Bohrmaschine zu bedienen.
Die Naturschutzgruppe Taubergrund gibt für das Aufhängen der Nisthöhlen diese Empfehlungen: auf umzäunten Grundstücken ist es ideal, wenn die Nisthilfen in Augenhöhe hängen, denn dann können sie leicht ohne Steighilfe gereinigt und kontrolliert werden. Auf ungeschützten Standorten werden die Nisthilfen in 2,8 bis 3,5 Meter Höhe angebracht.
Wer Eulen oder Hohltauben eine Heimstatt bieten will, wählt eine Höhe von vier bis sechs Metern. Diese "Mieter" freuen sich, wenn ihre Einraumwohnung einladend mit einer Schicht Hobelspänen oder Sägemehl in der Bodenmulde ausgestattet ist. Ganz andere Wünsche haben Meisenehepaare. Sie wollen die Einstreu der Nisthilfe selbst besorgen. Weil in unserer Gegend der Wind zu 80 Prozent aus westlicher Richtung bläst, sollte das Flugloch nach Südosten geöffnet sein. Wird ein windgeschützter Standort gewählt, ist dies weniger wichtig. Wie viele gefiederte Mitbürger sollen beherbergt werden? Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Fehlen in den Nachbargärten Nisthilfen, dann kann an jedem zweiten Baum eine Wohnstätte geschaffen werden.
An einem Baum können zwei Meisenpaare brüten, ohne dass das Nahrungsangebot zu knapp wird. Um viele Vogelarten anzulocken, ist es notwendig, Nisthöhlen mit verschiedenen Einflugweiten anzubieten. Bei einem vielfältigen Lebensraum sollten 60 Prozent ein Flugloch von 32 Millimeter und 20 Prozent eine Öffnung von 26 Millimeter haben. Die übrigen 20 Prozent sollten für Halbhöhlen- oder Nischenbrüterhöhlen vorgesehen werden.
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Autor: TZE | 10.02.2012
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