DAS WAR DIE WOCHE: Ihr Nachbar lügt - Sie aber auch
Hat zu Guttenberg in der Kundus-Affäre gelogen? - die Frage beschäftigte in dieser Woche die nationale Politik. Schon fordert die Opposition den Rücktritt des Verteidigungsministers, sollte der tatsächlich die Unwahrheit gesagt haben.
Während Pinocchio vom Lügen nur eine lange Nase bekam, hat selbiges manch einem Lügner - zumindest beruflich - das Genick gebrochen. Man erinnere sich nur an die Watergate-Affäre.
Doch wir müssen uns nicht aufs große politische Parkett geben, um Lügner zu treffen. Wir können uns an die eigene Nase packen: Laut einer 2002 erschienen Studie lügen wir bis zu 200 Mal am Tag. Meist flunkern wir, um uns in besseres Licht zu rücken oder um andere vor unangenehmen Wahrheiten zu schützen - Nein Schatz, du hast nicht zugenommen . . .
Und Sie? Wann haben Sie zum letzten Mal gelogen oder wenigstens ein klein wenig geflunkert? Lange her? Glaub ich nicht! Sie können es zugeben, Sie sind in bester Gesellschaft. Bill Clinton beteuerte: "Ich hatte keinen Sex mit dieser Frau." Graf Münchhausen brachte es mit seinen Lügengeschichten zu Ruhm weit über seine Zeit hinaus. Und Notlügen im Wahlkampf - à la "Mit uns keine Mehrwertsteuererhöhung" oder "Die Renten sind sicher" gehören fast zum guten Ton.
Wenn wir bereits beim Ton sind, auch der spielt bei der Lüge eine Rolle. Lügner machen sich durch ihre Tonlage verdächtig: die rutscht beim Lügen nämlich nach oben. Sie sollten also die Ohren spitzen, wenn ihr Gegenüber anfängt zu säuseln. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Gesprächspartner sich häufig die Lippen leckt, sich ins Gesicht fasst oder oft blinzelt.
Ob sich zu Guttenberg bei seinem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss am 22. April nach Clintonschem Vorbild häufig an die Nase fasst, bleibt abzuwarten. Mit Münchhausen gesagt: Man darf gespannt sein, ob er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht.
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Autor: KATHARINA GABEL | 20.03.2010
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Redakteurin Katharina Gabel
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