An der Lebenswirklichkeit orientieren

Main-Tauber-Kreis.  An der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen soll sich die Konfirmation orientieren. Das gilt jetzt in Württemberg. Der Schwerpunkt liegt darum nicht mehr beim Katechismus, sondern bei der Einsegnung.

Ein Jahr lang haben die jungen Menschen am Mittwochnachmittag zusammen mit ihren Pfarrerinnen und Pfarrern bedacht, was christlicher Glaube für ihr Leben und ihr Tun bedeuten kann. An alten Texten haben sie sich gerieben und die wichtigsten von ihnen auswendig gelernt. In den Gottesdiensten, die sie nicht immer ganz freiwillig besuchten, haben sie traditionelles Feiern und engagierte neue Versuche kennengelernt. Gemeindepraktika haben ihren Horizont erweitert. Nicht zuletzt haben sie auch heftig diskutiert, was die Christen dazu beitragen können, dass unsere Welt eine gesicherte Zukunft hat.

In diesen Wochen ist nun Zeit für den festlichen Abschluss, die Konfirmation. Wie seit Jahrhunderten üblich, wurden da bisher neben Bibeltexten die Hauptaussagen des Katechismus vorgetragen - also der vom Reformator Johannes Brenz geprägten Zusammenfassung des evangelischen Glaubens. Die Erwachsenen, so war es gedacht, sollten dabei ihr eigenes Wissen prüfen und auffrischen. Das ist jetzt vorbei, die württembergische Landessynode hat eine Neuausrichtung beschlossen, die jetzt in Kraft getreten ist.

Ihre eigenen Glaubenserfahrungen sollen die Konfirmanden jetzt im Konfirmationsgottesdienst zur Sprache bringen, mit ihren eigenen Worten und aktuell präsentiert. Die Feier soll in jedem Ort unter ein einheitliches Thema gestellt werden, das die Konfirmanden mitbestimmen. Dieses Thema kann ein Stück aus dem Katechismus sein oder ein elementares Leitmotiv wie "Baum" oder "Gemeinschaft". Auch ein biblischer Text oder ein Lied sind möglich.

Abgeschafft ist die "Verpflichtung" der Konfirmanden. Gefragt wird jetzt "nach dem Bekenntnis der Konfirmanden, der (Tauf-)zusage Gottes zu vertrauen und sie auf ihr eigenes Leben zu beziehen". Allerdings muss dieses Bekenntnis jetzt wieder "laut und deutlich" gegeben werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Segen, der den jungen Menschen ganz persönlich zugesprochen wird. Schließlich wird auch die - hierzulande längst verbreitete - Sitte erlaubt, dass das Abendmahl gleich im Konfirmationsgottesdienst gefeiert wird. Übrigens: Es ist nicht das erste Abendmahl für die Jungen und Mädchen, denn nach württembergischer Ordnung sind schon die Kinder zum Mitfeiern eingeladen.


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Autor: PETER KESSLER | 11.03.2010

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