"Am besten von heute auf morgen aufhören"

Etwa 229 Millionen Zigaretten werden täglich in Deutschland gequalmt - obwohl die meisten Raucher "bald" aufhören wollen. Aber wie? Hausarzt Roland Rechtenwald erklärt die Erfolgschancen einzelner Methoden.

Es kommt beim Aufhören nur auf den Willen an. Fehlt der, kann man sich die ganze Tortur sparen", rät Roland Rechtenwald, Facharzt für Allgemeinmedizin, allen ratlosen Rauchern, die gegen ihren Drang zum täglichen Zug an der Kippe kämpfen.

Woher der überhaupt kommt, ist schnell erklärt: "Beim Inhalieren des Rauchs dockt ein Teil des aufgenommenen Nikotins an Rezeptoren im Gehirn an, die Botenstoffe ausschütten, welche wiederum das "Belohnungssystem" aktivieren. Es wird ein Glücksgefühl simuliert, das Lust auf mehr macht. Darum greift man immer wieder zur Zigarette", hält der Schweigerner Arzt fest.

Dass sich so eine Sucht nicht einfach so in Rauch auflöst, ist also klar. Deshalb gibt es viele, sogenannte externe Maßnahmen, die Rauchern versprechen, ohne großes Zutun rauchfrei zu werden. "Natürlich kann man es mit einer Hypnose, Akupunktur, Medikamenten wie Champix, die den Druck auf die Lust nach Rauchen verringern, Nikotinpflastern oder der E-Zigarette versuchen. Aber solange sich im Kopf kein Schalter umlegt, bewirken diese Methoden gar nichts", weiß der erfahrene Mediziner. Sie dienen nur zur Unterstützung, wirken kurzzeitig, aber nützen langfristig wenig. Vor allem von der momentan massiv beworbenen E-Zigarette, die durch die Spuren des Nikotins das sie enthält eher ein schlechter Scherz, als ein sinnvoller Weg für Nikotinsüchtige ist, von ihrer Abhängigkeit loszukommen, rät Rechtenwald ab. Die Erfolgsquote von externen Maßnahmen ohne interne ist also gering.

"Die beste, aber auch schwerste Methode, ist nun einmal, einfach von heute auf morgen aufzuhören", so die einfach Diagnose des Arztes. Erfolg ist dabei wahrscheinlicher, wenn sich der gewillte Entzugskandidat gerade in einer guten Lebensphase befindet, damit man nicht von zusätzlichem Stress belastet wird. Etappenweises Entwöhnen, wie beispielsweise in der ersten Woche nur noch vier Schachteln, in der nächsten nur noch drei, und bis zur fünften Woche gar keine mehr zu rauchen, berge ein viel zu hohes Rückfallrisiko und wirke zudem bedeutend seltener.

"Jugendliche haben es sowieso noch viel schwerer als Erwachsene. Ihr Gehirn ist extrem unreif, noch nicht voll entwickelt, weshalb sie ultraschnell süchtig werden. Natürlich unterliegen sie dann noch dem Gruppenzwang. Man raucht gemeinsam, als Ritual im Freundeskreis. Wo sollte da überhaupt Anlass bestehen aufzuhören?" fühlt sich Rechtenwald in junge Raucher ein. Für jungendliche Abhängige seien Sprüche wie "Rauchen kann zu Impotenz führen" eher utopisch. Denn in diesem Alter denke man noch nicht hinreichend an die bevorstehende Realität. Darum sei das perfekte Alter zum Aufhören Ende 20, Anfang 30. "Da wird man langsam durch jahrelangen Konsum von Raucherhusten am Morgen geplagt", so Rechtenwald. Vielleicht überwiegt ja im nächsten, bestimmt härteren Winter, der Überlebensdrang gegenüber dem Wunsch nach dem Zigarettenzug. Dass die Sucht befriedigt ist, wenn man auf dem Balkon halb erfroren ist, nützt dann auch nichts mehr.


Kommentare (2)

04.02.2012 16:28 Uhr |   gerhard rathfelder

aufhören mit rauchen von heute auf morgen

wirklich hilfreiche Informationen zu diesem Thema gibt es unter

www.nichtraucher-betriebsanleitung.de

Einfach mal googeln und stöbern.
04.02.2012 12:48 Uhr |   Sonja Hild

E-Zigarette ist kein Rauchentwöhnungsmittel

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn Hr. Dr. Rechtenwald sich über die elektronische Zigarette tatsächlich informiert hätte, wäre ihm bekannt, dass es sich hierbei nicht um ein Mittel zur Nikotinentwöhnung handelt, sondern um eine rauchfreie Alternative, Nikotin zuzuführen und bei Belieben langsam die Dosis zu senken.

Insofern ist sie natürlich nicht zur Nikotinentwöhnung geeignet. Das liegt in der Natur der Sache und dem Bestimmungsgemäßen 'Gebrauch des Produkts.

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Autor: PIA WILD | 04.02.2012

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