Herzliche Gastgeber

Bermaringen.  Er fährt mit dem Rad von Kairo nach Kapstadt: Hartmut Bögel aus Blaustein. Rund 12.000 Kilometer wird er bis nach Südafrika auf dem Sattel verbringen. Pünktlich zur Fußball WM will der Blausteiner sein Ziel erreichen. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

02.Februar

Hallo wieder,

ach was war das doch für ein schöner Tag heute. Unsere Etappe über 148 km führte uns plunderplatt durch die Wüstenlandschaft und ein gnädiger Wind unterstützte uns dabei noch.
Die ersten 80 km bin ich mit Ruben geradelt, der mir ein total angenehmer Gesprächspartner und Begleiter ist und der für seine zarten 25 Jahre schon mächtig viel studiert und getan hat und einfach klare Vorstellungen hat und das imponiert mich doch sehr.

Nach der Imbisspause am Lunch-Truck bin ich anfangs noch mit einer Gruppe mitgeradelt, habe mich dann aber zurückfallen lassen, da ich einige Fotos machen wollte. Am Morgen sind wir in den wunderschönen Sonnenaufgang hineingeradelt, der die Wüste in ein faszinierendes Licht tauchte. Am Nachmittag wiederum wirbelte der Wind viel feinen Sand auf und dieser schimmerte leicht rötlich am Horizont, was auch beeindruckend aussah.

An einer Wasserstelle stoppte ich, stieg vom Fahrrad und spazierte die 250 Meter dorthin wo viele Kamele und Ziegen versammelt und getränkt wurden und Kinder und Hirten die Tiere hüteten und Wasser mit einer modernen Pumpe aus dem Wüstenboden pumpten. Wie immer hier im Sudan eine sehr herzliche und freundliche Begegnung, ich durfte fotografieren und die Männer bestanden auf ein Foto mit ihrer Pumpe auf die sie ganz besonders stolz sind und die sicherlich vieles erleichtert hier.

Die Wüste hat einfach solch gigantische Ausmaße und unendliche Weiten. Man stelle sich nur mal vor man radelt von Nord nach Süd durch ganz Deutschland und alles, wirklich alles ist eine einzige heiße, ausgetrocknete, sandige Wüste und der Sudan ist um einiges größer als unser beschauliches, schönes, grünes Deutschland und zum allergrößten Teil eine einzige Wüstenlandschaft. Und obwohl wir Temperaturen am Nachmittag um die 44 Grad haben, steht der Sommer hier noch bevor. In den Monaten Mai bis September ist es dann einfach völlig unerträglich heiß und wir Radler lechzen an jeder sich bietenden Gelegenheit nach cool Softdrinks und plündern die Kioske und sind im Vergleich zu den Sudanesen doch wahre Weicheier, denn die bestellen die Felder und sorgen und kümmern sich auf einfachste Weise um ihren Lebensunterhalt und trinken heißen, zuckersüßen Tee und Wasser aus den Tonkrügen die überall am Wegesrand zu finden sind und machen um die Hitze nicht soviel Aufsehen wie wir. Das ist der feine Unterschied.

Interessant finde ich aber auch, wie schnell wir uns eigentlich alle hier in dieser für unsere Verhältnisse krass anderen Welt wohl fühlen; abseits von feinen Restaurants, hygienischen Klos und Duschen, abseits von Komfort und unbegrenzten Möglichkeiten und umgeben von aller einfachsten Hütten und Lebensverhältnissen... Wie schnell wird das fast schon zum normalen Alltag und fast schon zur Selbstverständlichkeit. Das liegt sicherlich am meisten an den freundlichen Menschen, denen wir hier jeden Tag begegnen dürfen und an dem gegenseitigen Respekt, der da immer zu spüren ist dabei.

Und wie gut geht es uns Radlern doch; zum Frühstück gab es heute Müsli mit Honig und -Achtung jetzt kommt’s – Fladenbrot mit NUTELLA; nach 80 km wartet der Lunch-Truck mit Thunfisch, Gemüsesandwiches und Energiedrinks. Am Camp gibt es wenn man ankommt heiße Suppe und am Abend stehen Nudeln mit Gemüse, Feta-Käse aus dem Sudan und Oliven aus Ägypten auf dem Speiseplan - wir haben also absolut keinen Mangel und das können die Menschen, denen wir am Wegesrand und in den Siedlungen hier begegnen leider wohl nicht jeden Tag behaupten – das macht schon auch betroffen. Morgen geht es die restlichen 60 km nach Khartoum und dort wartet ein 40 km langer Polizeikonvoi zum Campplatz auf uns und so alles klappt radle ich dann zur Familie Schilling, die in der Hauptstadt wohnt und arbeitet und darf dort ein Tag zu Gast sein. Darauf freue ich mich schon sehr.

Und Euch halte ich auf dem Laufenden.....wer ist Familie Schilling?? Und was macht Famlie Schilling in Khartoum????? Und woher kennt der Hardy denn die Familie Schilling?????? Fragen über Fragen...

Ach ja, zu guter letzt möchte ich noch herzliche Geburtstagsgrüße an Erwin Schrade und an Iris Peuker loswerden.....
Alles alles Gute und sonnigsten Grüße aus dem Sudan,
sendet und allen anderen
Hartmut

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