Fata Morgana wegen Hitze

Bermaringen.  Er fährt mit dem Rad von Kairo nach Kapstadt: Hartmut Bögel aus Blaustein. Rund 12.000 Kilometer wird er bis nach Südafrika auf dem Sattel verbringen. Pünktlich zur Fußball WM will der Blausteiner sein Ziel erreichen. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

01.Februar 2010

HALLO ins verschneite Deutschland!

Die 40 Grad Marke ist nun locker überschritten und ab Nachmittag ist es wirklich backofenheiss auf dem Rad, selbst im Camp im Schatten möchte man sich so wenig wie möglich bewegen; es sei denn der Nil lockt zu einem erfrischenden Bad, doch das bedeutet einen längeren Fußmarsch in der Hitze... tja, so habe ich doch bisweilen schwierige Entscheidungen zu treffen.

Heute Nacht um 0:00 Uhr hatte ich noch wohlige 29 Grad im Zelt; erst gegen Morgen kühlt es leicht ab und so sind die Morgenstunden auf dem Rad bei 23 Grad ein wahrer Genuss. Unsere Etappen auf dem Weg nach Khartoum liegen etwa 150 km auseinander und sind doch überschaubar, da es eine gute Strasse ist und es absolut flach durch die sandfarbene Wüste geht. Durch die Hitze kann die ein und andere Fata Morgana den Sinnen einen Streich spielen und man denkt da taucht ein riesiger See in der Ferne auf... Viele Kamelherden durften wir erblicken, die karawanenhaft von in weiße Gewänder gehüllten Kameltreibern mit dem klassischen Turban auf dem Kopf durch die Wüste geführt werden.

Entlang der Straße liegen verstreut etliche teils skelettierte, teils mumifizierte Kadaver und für mein Empfinden etwas makaber lag in unmittelbarer Nähe eines solchen, total vertrockneten Kamels unser "dead camel desertcamp".

Traumhaft klar und unendlich prachtvoll ist der Sternenhimmel und dank des prallen Vollmondes sind die Nächte sehr hell. Das wiederum hat den Nachteil, dass man auch des Nachts weit zu laufen hat, wenn man das Wüstenklo fürs große Geschäft aufsuchen muss. Bewaffnet mit einem dicken Spaten und einer Rolle Klopapier zieht man dann los und buddelt sich erstmal eine Grube bevor man sich dem eigentlichen Geschäft widmen kann; nach getaner Tat schaufelt man die ganze Pracht dann wieder zu und markiert die Stelle damit nicht der nächste genau wieder dort anfängt zu buddeln... noch Fragen?????

Unsere Route hat 100 km nach Dongola den Nil nun verlassen, der hier einen Knick macht und auf den wir erst wieder in Khartoum stoßen werden. Noch nie zuvor habe ich erleben dürfen, wie sehr alles Leben und Gedeihen von einem einzigen Fluss abhängt, wie hier in dieser unendlich weiten und trockenen Wüste.

Viel Kummer macht mir doch mein Hintern; dachte ich doch vor der Tour, dass ich auf diesem Gebiet wohl recht abgehärtet bin, muss ich mich nun mit einer schmerzenden, entzündeten Druckstelle rumplagen und die wird natürlich nicht besser wenn man jeden Tag wieder sie malträtiert auf dem harten Ledersattel... Auf der Chinatour hatte ich da längst nicht solche Probleme.....aber da muss ich jetzt wohl oder übel durch und wende alle mir bekannten Strategien und Salben und Entlastungen an.

Unterschlagen habe ich im übrigen noch die Katja als deutsche Radlerin; aber da sie in Südafrika lebt habe ich sie einfach in die südafrikanische Schublade gesteckt, da sie auch dort die meisten Kontakte hat- man sehe es mir nach.

Ab morgen werde ich dann mit der Malariaprophylaxe beginnen und ich hoffe ich werde das Doxycicllin gut vertragen und vor allem keine extreme Sonnenempfindlichkeit davon bekommen, denn sonst müsste ich mir wohl hier was anderes zur Prophylaxe besorgen denn an Sonne ist wahrhaftig kein Mangel. Auch heißt es ab Äthiopien dann lange Klamotten ab dem Nachmittag anzuziehen, denn das ist natürlich der allerbeste Schutz überhaupt und ich denke mal da muss ich mich noch gut erziehen, da ich ja doch zu gerne so wenig wie nur möglich gekleidet mich in dieser Hitze aufhalte
.
Ägypten hat den Africa Cup gewonnen; ich glaube die Sudanesen haben eher zu Ghana gehalten, auf die ja unsere Jungs dann im Juni bei der WM treffen werden; aber das sei nun hier nur am Rande bemerkt als Gesprächsnotiz meiner Unterhaltungen, die ich an unseren Rastplätzen entlang der Strecke heute mit einigen Sudanesen geführt habe. Fußball ist nun mal die schönste Nebensache der Welt... naja, vielleicht ein bisschen wichtiger als das. Was mir irgendwie gefällt ist der Ruf zum Gebet vom Muezin; wenn es nicht gar so ausartet wie in Dongola als ab 5:00 Uhr über eine Stunde lang in voller Sequenz zum Gebet aufgefordert wurde; keine Ahnung was an diesem Tag von wichtigerer Bedeutung war als sonst wo weitaus weniger intensiv der Ruf ertönt. Für mich ist das immer Anlass mich auch zu sammeln und auf meine Art meine Gedanken und mein Gebet an den Gott zu tragen der mir am nächsten ist und ich fühle da auch absolut einen Widerspruch dabei. Und anscheinend brauche ich so was wie ein Rufen dafür, denn in den weit entlegenen Wüstencamps vergesse ich bisweilen diesen besinnlichen Start in den Tag.

liebe Grüße und alles Gute
Hartmut

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