Tübingen: Männer aus dem Raum Reutlingen wegen illegalem Stream-Sharing vor Gericht

Symbolbild: Marijan Murat/dpa
Nicht gesetztÜber die äußerst umfangreichen Ermittlungen gegen eine zweistellige Anzahl an Beschuldigten berichtete das TAGBLATT bereits im September. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen die vier Hauptbeschuldigten Anklage erhoben. Alle stammen aus dem Bereich Reutlingen und Niedersachsen. Die Anklage legt den Beschuldigten zur Last, seit mindestens zehn Jahren einen illegalen Streamingdienst betrieben zu haben. Drei von ihnen sollen neun lokale Server in der Reutlinger Gegend stationiert haben. Mit einem Server soll das Programm des Pay-TV-Senders Sky entschlüsselt worden sein, während mit den anderen Servern der Sender Sky sowie andere frei empfangbare Sender an den vierten Angeschuldigten in Niedersachsen gestreamt worden sein sollen. Im Gegenzug sowie gegen finanzielle Beteiligung soll der in Niedersachsen ansässige Angeschuldigte den anderen aus dem Bereich Reutlingen Zugänge zu dem von ihm betriebenen Main-Server gewährt haben.
Von diesem Main-Server aus soll der vierte Angeschuldigte rund 2100 in- und ausländische Sender, etwa 2800 Filme und 449 Serien gestreamt haben, wobei zu seinem Angebot seit 2014 auch die Video-OnDemand-Anbieter Amazon Prime Video und Netflix, seit 2016 der Sportsender DAZN sowie seit 2020 beziehungsweise 2022 auch die weiteren Video-On-Demand-Dienste Disney+ und Paramount+ gezählt haben.
Durch Mundpropaganda und den Einsatz von sogenannten Resellern, die den Streamingdienst gegen finanzielle Beteiligung weitervermittelten, sollen die aus dem Bereich Reutlingen stammenden Männer bis in das Jahr 2023 einen Kundenstamm auf 1168 Personen aufgebaut haben. Die Kunden sollen pro Jahr 150 Euro an die Angeschuldigten für deren Service bezahlt haben. Im Zeitraum von 2014 bis 2023 sollen die aus dem Bereich Reutlingen stammenden drei Angeschuldigten so einen Gewinn von rund 600000 Euro erzielt haben.
Das Geld soll laut Staatsanwaltschaft in deren aufwendigen Lebensstil geflossen sein. Für den regulären einjährigen Bezug der Pay-TV-Sender Sky und DAZN sowie der Video-On-Demand-Anbieter hätten die Kunden im Laufe der Jahre zwischen 900 und 1500 Euro bezahlen müssen. Der von 2014 bis 2023 entstandene Gesamtschaden beziffert sich somit auf über sechs Millionen Euro. Die vier Angeschuldigten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.