Wetzel und Auto-Maier: Zwei Tübinger Autohäuser stellen Insolvenzantrag

Noch besteht Hoffnung, dass aus den Audi-Ringen keine Trauerkränze werden.
Ulrich MetzAl s wichtige Kreditlinien durch die Herstellerbank gekündigt worden sind, blieb keine Wahl mehr: Die Autohaus Wetzel GmbH & Co. KG in der Schaffhausenstraße sowie AMW Auto-Maier GmbH & Co. KG in der Europastraße haben am vergangenen Montag beim Tübinger Amtsgericht den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das erklärte Geschäftsführer Axel Maier, der gemeinsam mit seinem Vater Willy die Auto-Maier-Wetzel (AMW)-Gruppe leitet, in einer Pressemitteilung.
Das Gericht folgte dem Antrag: Der Geschäftsbetrieb läuft an allen Standorten weiter, die Geschäftsleitung bleibt im Amt, wird aber ergänzt durch die Freiburger Insolvenzverwalter Thomas Kaiser und Uwe Rottler. Der Tübinger Rechtsanwalt Dirk Poff ist Sachverwalter.
Weiterhin können Kunden Reparaturen und Serviceleistungen in Auftrag geben und Autos kaufen. Die Lieferung der Fahrzeuge ist gesichert. Durch das Insolvenzgeld sei die Bezahlung aller 92 Mitarbeiter bis Mai garantiert, danach sollen sie vorrangig aus der Insolvenzmasse bezahlt werden. Ziel sei es, die Arbeitsplätze und die Standorte zu erhalten. Was ihn optimistisch mache? „Der Standort Tübingen ist für die Hersteller sehr interessant“, sagte Maier auf Nachfrage.
Das Jahr 2017 beendete das Autohaus Wetzel mit Verbindlichkeiten in Höhe von 8,7 Millionen Euro, 3,9 Millionen Euro waren es bei Auto-Maier. Inzwischen seien die Verbindlichkeiten beider Häuser zusammen unter 10 Millionen Euro gefallen, sagte Maier.
Hersteller mit Lieferproblemen
Die Gründe für die Insolvenzen sind laut Maier „insbesondere in nicht verschuldeten, externen Faktoren zu sehen“, die bundesweit, nicht nur lokal Folgen haben. Da sei zum einen die seit 2015 anhaltende Dieselkrise und die Diskussionen um Fahrverbote, die sich auch auf den Gebrauchtwagen-Sektor auswirken. Wurden 2016 im Kreis Tübingen nach Landratsamt-Angaben noch 3048 Diesel-Pkw neuzugelassen, waren es 2018 nur noch 2557.
Als weiteren Grund nennt Maier die Umstellung auf die neue Verbrauchsnorm WLTP, die einigen Herstellern missglückte, weshalb es im Jahr 2018 „zu erheblichen Stückzahl- und Ertragsverlusten“ gekommen sei. Viele Modelle, so Maier, seien gar nicht oder eingeschränkt bestellbar gewesen, weshalb im zweiten Halbjahr Fahrzeuge kaum noch ausgeliefert werden konnten. Daran seien die Tübinger Häuser „trotz größter Anstrengungen und verschiedenster Restrukturierungsbemühungen“ gescheitert. Audi etwa hatte zu spät auf den neuen Abgas-Prüfzyklus reagiert, zwei Drittel der Motorvarianten waren im Herbst des Vorjahres nicht lieferbar. Alleine im September, als die neuen Regeln in Kraft getreten sind, brachen die Neuzulassungen einiger Marken in Deutschland im Vergleich zum September 2017 ein: Audi verlor 77,7 Prozent, VW 61,9 Prozent und Skoda 43,6 Prozent. So gingen den Häusern wichtige Boni flöten, sie wurden doppelt bestraft.
Nun wolle er „bereits bestehende Gespräche mit Investoren weiterzuführen“, so Maier. „Dabei soll erreicht werden, die operativ tätigen Gesellschaften auf einen Investor zu übertragen.“ Nach TAGBLATT-Informationen hat die BHG Autohandelsgesellschaft, ein Unternehmen der Horber AHG-Gruppe, ihr Interesse an einer Übernahme bei AMW bereits hinterlegt. „Ich kann das weder bestätigen noch dementieren“, sagte Maier. Die AHG-Pressestelle wollte sich nicht zur Sache äußern.
Steinlach-Häuser unbetroffen
Nicht betroffen von der Insolvenz sind die Häuser von Auto-Maier in Mössingen (Ofterdinger Straße) und in Ofterdingen (Tübinger Straße) sowie die Wetzel Besitz GmbH.
Wilhelm Maier hatte die Firma 1939 in Mössingen gegründet und bekam 1953 den ersten Händlervertrag von VW. Im Steinlachtal entwickelte sich Auto-Maier schnell zu einer wichtigen Größe, in Tübingen folgte 2004 die Übernahme der Mehrheit am Tübinger Autohaus Wetzel, woraufhin Axel Maier in dritter Generation in die Geschäftsführung einstieg. 2012 wurde das das ehemalige Autohaus Schell in der Europastraße von AMW übernommen, das Anfang 2015 in neuem Glanz erstrahlte. Über 2 Millionen Euro kosteten Bau und Umbau damals. Aus heutiger Sicht habe man sich übernommen, gab Maier zu. „Aber niemand wusste damals, dass die Dieselkrise kommt.“