Horber Advent
: Lecker, unterhaltsam, schön

Die Horber haben sich am Wochenende auf das Fest eingestimmt. Das Angebot war in jeder Hinsicht vielfältig, und gestern gab‘s sogar nochmal Schnee.
Von
Dunja Bernhard
Horb

Ein Spaß für die Kleinen: Karussellfahren neben der Markthalle.

Nicht gesetzt

Ein bisschen Schnee“, hatte sich Claudia Beuter vom Stadtmarketing für den Horber Advent gewünscht. Petrus muss ihren beim Pressegespräch vor einer Woche geäußerten Wunsch gehört haben. Wie mit Puderzucker überzogen lag Horb am Wochenende dar. Eigentlich die ideale Kulisse für einen Adventsmarkt. Eine Portion Sonnenstrahlen hätte dem Ganzen noch gut getan. Denn es war kalt auf dem Flößerwasen.

Am Samstagnachmittag war zwischen den Ständen viel Luft. Der Besucherandrang war sehr überschaubar. Das bot den Verkäufern jedoch die Möglichkeit, jeden Kunden intensiv beraten zu können. Mike Broß, Vater eines Schülers der Roßbergschule, pries mit großem Eifer die Waren am Stand an. „Möchten sie Glück kaufen“, fragte er und hielt dem potenziellen Käufer eine Laubsägearbeit entgegen, die dieses Wort darstellte – weiß angemalt und sehr elegant. „Oder Liebe.“ „Oder Zeit, die braucht doch heute jeder.“ Es gab auch Honig im Angebot. „Vom schuleigenen Bienenstock.“ Kekse. „Von Schülerinnen und Schülern in der Schule selbst gebacken.“ Dem netten Mann musste man einfach etwas abkaufen.

Die Realschüler der Klasse 9b waren nicht ganz so enthusiastisch. Doch sie legten sich ins Zeug oder vielmehr stellten sich ans Waffeleisen, um mit dem Erlös ihre Studienfahrt nach Kroatien zu finanzieren.

Russische und rumänische kulinarische Köstlichkeiten gab es am Stand der russischen Chöre. Ob herzhaft oder schleckig süß – alles nach Originalrezepten hergestellt. Nicht zum Essen, und doch „vegi“ waren kleine Seifen, die die Arbeiterwohlfahrt neben Gestricktem verkaufte.

Sieben (Kunst-)handwerker und ein Einrichtungshaus hatten ihre Stände witterungsfest in der Markthalle aufgebaut. Für zwei, drei mehr wäre noch Platz gewesen. Der Horber Raumausstatter Hug zeigte wie schon in den Jahren zuvor eine Krippenausstellung. Außerdem gab es adventliche Wohnaccessoires.

Auch Ewald Dettling aus Dettingen ist schon eine feste Größe auf dem Horber Advent. Seine Weihnachtsmänner aus Aststücken verbreiteten mit ihren freundlichen Gesichtern gute Laune zum kleinen Preis. Etwas tiefer in die Tasche greifen musste man für die originellen Wurzelgesichter. Dachziegel bemalte er mit Horber Motiven: ein rustikal-heimatliches Geschenk. Krippen hatte er in unterschiedlichsten Größen dabei: von der gewöhnlichen Heimatkrippe im Bauernhaus bis hin zur Miniaturkrippe in einem Astloch. Schon das verweilende Anschauen bereitete Vergnügen.

Geschenke für die Dame

Bei Betty Wirth konnte der für seine Frau ein Geschenk suchende Ehemann fündig werden. Sie verkaufte Ketten aus bunten Glasperlen oder mit Kugeln im Ethnolook. Da dürfte für fast jeden Frauentyp etwas dabei gewesen sein.

Die Bad Niedernauerin Kirsten Stiegler hatte neben bewährten Up-Cycling-Produkten aus Nespresso-Kapseln wie Taschen, Ketten oder Armbändern neue Kreationen mit extravaganten, filigranen Kettenanhängern oder stylischen Bag-Charms im Angebot. Wer eine neue Idee für die vier Adventssonntage suchte, wurde bei ihr fündig. Die Zahlen Eins bis Vier aus Beton als Kerzenhalter. „Die Zahlen lassen sich auch gut für Geburtstage verwenden“, sagte Stiegler. Allerdings immer nur für die ersten Jahre eines Jahrzehnts und maximal bis 43.

Das Stadtmarketing war mit einem eigenen Stand auf dem Flößerwasen vertreten. Neben einigen Horb spezifischen Geschenken, gab es dort auch Einkaufsgutscheine zu erwerben. Außerdem boten Mitarbeiter „Basteln für Kinder“ an.

Das bunte Programm auf der Flößerwasen-Bühne eröffnete die freie evangelische Gemeinde Horb mit einem flotten Puppenspiel. Zu Musik und Text vom Band erzählten die Theatermacher die biblische Weihnachtsgeschichte mit einem grüngesichtigen Moderator, einer schwarzhäutigen Wirtin, die Maria und Josef aufnimmt, und einem flippigen Engelschor, der seine Freude über die Geburt des Heilands verkündet. Mitglieder der Gemeinde verteilten derweil an die Zuschauer Kalender mit biblischen Sprüchen: ein bisschen Mission in der Vorweihnachtszeit. Schon traditionell kommt nach Ende des Theaterstücks der Nikolaus um die Ecke und verteilt Geschenke aus seinem Sack. Der schwarzgesichtige Knecht Ruprecht zog den mit Rollen ausgestatteten Schlitten.

Bigband-Sound am Abend

Musikalisch ging es auf der Bühne weiter mit den Sonnenkindern, die eher wie Nikolauskinder aussahen. An das Blechbläserensemble der Musikschule schlossen sich die Tänzerinnen der Ballettschule Ginger an. Abends gab es dann noch satten Bigband-Dound mit der Gruppe „Black & White“.

Rund um den Platz vor und hinter der Bühne war das größte kulinarische Angebot. Flammkuchen und Feuerzangenbowle, Langos, Wildschweinwurst, Käsespätzle und ungarische Weine – auch warm als Glühwein. Richtung Inselspitze gab es noch Glühbier. Das interkulturellste Angebot hatte ein Stand aus Rottenburg: Empanadas, Tortellini, Currywurst und Pommes – alles unter einem Dach.

Auf der Inselspitze war der Kreis dieses Jahr etwas enger gezogen. So wirkten die wenigen Stände nicht so verloren. Von einem Mittelaltermarkt zu sprechen – wie im Programmheft angekündigt – wäre jedoch etwas hochtrabend. Die größte Aufmerksamkeit erregte die Falknerei Garunda. Harry Potter Fans dachten bei der Schneeeule wohl sogleich an Hedwig. Sie war auch ein beliebtes Foto-Objekt. Gegen Bares versteht sich. Denn schon im Mittelalter wussten die Menschen Handel zu treiben. Auch beim französischen Partnerschaftsstand war einiges los. Im Zelt war es etwas Wärmer als draußen.

Bekanntlich wird es auf einem Advents- oder Weihnachtsmarkt erst so richtig heimelig, wenn sich die Nacht über den Ort senkt. Abends war dann deutlich mehr los auf dem Flößerwasen als am Nachmittag. Das galt für den gestrigen Sonntag dann auch tagsüber, wo schon die vollen Parkplätze vom Betrieb in der Stadt kündeten. Auch als am Nachmittag wieder neuer Schneefall einsetzte, war auf dem Flößerwasen noch richtig viel los auf dem Flößerwasen.