Bezirksbeirat
: Erweiterung nach Norden

Die Gemeinde Eutingen will weitere Baugebiete ausweisen und die Innenentwicklung vorantreiben. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hoch.
Von
Dunja Bernhard
Eutingen

Soweit das Auge reicht, könnten hier Baugebiete entstehen. Allerdings in kleinen Häppchen, wenn es nach der Verwaltung geht.

Bernhard

Die Nachfrage nach Bauplätzen sei in Eutingen weiterhin hoch, sagte Bürgermeister Armin Jöchle im Bezirksbeirat am Montag. Zeitnah sollte mehr Wohnraum geschaffen werden. Am schnellsten ginge es, wenn innerorts Baulücken aufgefüllt werden. „Die Bereitschaft von privaten Grundstücksbesitzern zu verkaufen, ist jedoch spärlich.“ Dabei sei Innenentwicklung gesamtwirtschaftlich das Beste für eine

Kommune.

Das größte Flächenpotential für neue Baugebiete liegt im Norden von Eutingen zwischen Göttelfinger Straße und Baugebiet Stützen. Weiter westlich gebe es noch weitere Möglichkeiten entlang des inneren und äußeren Steinwegs. Bis 31. Dezember 2019 können laut Baugesetzbuch auch Flächen, die im Flächennutzungsplan nicht als Innenbereich ausgewiesen sind unter bestimmten Bedingungen als Baugebiet ausgewiesen werden (siehe Kasten).

„Bevor wir in die weitere Planung gehen, möchte ich ein grundsätzliches Okay vom Gremium“, sagte der Schultes.

Bezirksbeirat Tobias Plaz sagte, dass er es begrüße, dass das Thema Baugebiete auf der Tagesordnung steht. „Beim Baugebiet ‚Stützen‘ haben wir zu kleine Brötchen gebacken.“ In Weitingen wurde das Baugebiet „Seite“ in zwei Abschnitten entwickelt. „Das hat mir gut gefallen.“ So könne man einen großen Wurf machen.

Wenn der Verbrauchermarkt in Eutingen umgesetzt ist und eventuell noch der zunächst auf 2021 verschobene Bahnhaltepunkt Nord kommt, wird sich die Nachfrage nach Bauplätzen weiter erhöhen. „Wir haben dann Standortvorteile gegenüber anderen Kommunen“, sagte Plaz.

Problematisch sieht allerdings nicht nur Plaz die Erschließung weiterer Baugebiete über die Bergstraße, in der Tempo 30 gilt.

Es seien verschiedene Zuwege denkbar, erwiderte Jöchle. Er könne sich auch eine Erschließung von der Göttelfinger Straße her vorstellen. Allerdings sollte ein neues Baugebiet zunächst nicht zu dicht an den geplanten Bahnhaltepunkt herangelegt werden, warnte er. Sonst konnte sich die Realisierung des Zughalts durch ein dann notwendiges Lärmgutachten weiter verzögern.

Jöchle sprach sich dafür aus, das Gebiet nördlich von Eutingen häppchenweise als Baugebiete auszuweisen. Denn nur so wäre ein beschleunigtes Verfahren möglich. „Überplanen wir ein

größeres Gebiet, dauert es ein Jahr länger.“

Der Bezirksbeirat sprach sich für die Entwicklung von weiteren Baugebieten aus. Sollte auch der Gemeinderat zustimmen, will die Verwaltung ein Planungsbüro beauftragen, das verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen soll. Anschließend soll ein Erschließungsträger weitere Verfahrensschritte übernehmen. Jöchle geht davon aus, dass die Umsetzung eines neuen Baugebiets mindestens zwei Jahren dauert – wenn alle Grundstückseigentümer mitziehen.

In Eutingen fehlt es nicht nur an Baugrundstücken für Einfamilienhäuser, sonder auch an Geschossbau mit Mietwohnungen. Ob dieser nördlich von Eutingen möglich werden soll, sei noch zu beraten, sagte der Schultes.

Für mehrstöckige Bauweise eigenen sich besonders innerörtliche Flächen. Wenn sie sich im Gemeindebesitz befinden, entfallen zudem mitunter langwierige Verhandlungen mit Grundstückeigentümern. Eine Grünfläche, die in Bauland umgewandelt werden könnte, ist der Bolzplatz neben dem Kindergarten Fantadu. Mit dem Flächenverkauf könnte ein Teil des Rathausumbaus finanziert werden, sagte Jöchle.

Er beobachte zunehmend, dass Kinder mit Bällen unter dem Arm am Rathaus vorbei Richtung Sportplatz unterwegs sind. Dass sich vor den Toren des Bolzplatzes keine Drecklöcher mehr bilden, spreche auch für eine geringere Nutzung. Würde die Fläche tatsächlich bebaut, konnte der Bolzplatz bei der Schule für junge Kicker geöffnet werden, sagte Jöchle.

Weiteres Potential für Innenverdichtung sieht der Schultes im Bereich Silcherweg und Uhlandweg, in der Bahnhofstraße und an der Ecke Marktstraße/Schelmengrabenweg. Über das Förderprogramm „Entwicklung ländlicher Raum“ kann der Abriss von Gebäuden finanziell unterstützt werden, berichtete Jöchle.

Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren

Baugebiete von weniger als 20000 Quadratmetern können im Innenbereich im beschleunigten Verfahren aufgestellt werden. Für Bebauungspläne im Außenbereich gilt eine Grenze von 10000 Quadratmetern, wenn „die Zulässigkeit von Wohnnutzungen auf Flächen begründet wird, die sich an im Zusammenhang bebaute Ortsteile anschließen“, heißt es Baugesetzbuch.

Im beschleunigten Verfahren kann ein Bebauungsplan, der von Darstellungen des Flächennutzungsplans abweicht, aufgestellt werden, bevor der Flächennutzungsplan geändert oder ergänzt ist. Außerdem entfällt die Umweltprüfung. Bei der Abwägung können Investitionen zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum positiv berücksichtigt werden.